
Die Debatte um das BAföG bekommt neuen Druck. Während bundesweit über Einsparungen, eine mögliche Verschiebung der Reform und höhere Wohnkostenpauschalen gestritten wird, zeigen die aktuellen Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, wie stark die staatliche Studienförderung bereits an Reichweite verloren hat. Nach Angaben von IT.NRW erhielten 2024 noch 143.927 Menschen im Land BAföG. 2015 waren es 207.211. Damit ist die Zahl der Geförderten binnen zehn Jahren um rund 30,5 Prozent gesunken.
Besonders deutlich wird das Problem in Münster. Die Stadt gehört zu den großen Hochschulstandorten in NRW, viele Studierende wohnen nicht mehr bei den Eltern und ein großer Teil arbeitet neben dem Studium. Die Frage, ob BAföG noch zur Lebensrealität vieler Studierender passt, ist deshalb nicht nur eine bundespolitische Debatte. Sie zeigt sich auch ganz konkret am Studienort Münster.
Von den 143.927 Geförderten erhielten 87.426 Personen eine Vollförderung. Weitere 56.501 Menschen bekamen eine Teilförderung. Damit entfielen rund 61 Prozent auf eine Vollförderung und etwa 39 Prozent auf eine Teilförderung.
Bei Studierenden lag der monatliche Durchschnittsbetrag 2024 bei 652 Euro. Schülerinnen und Schüler erhielten im Schnitt 529 Euro. Gerade für Studierende ist entscheidend, ob sie noch bei den Eltern wohnen oder eine eigene Unterkunft finanzieren müssen.
In NRW wohnten 2024 rund 52.000 BAföG-Geförderte noch bei ihren Eltern. Rund 92.000 lebten nicht mehr im Elternhaus. Damit wird die Wohnsituation zu einem zentralen Faktor der Studienfinanzierung.
Für Münster ist das besonders relevant. Die Stadt hat einen der höchsten Studierendenanteile in NRW. 2022 lag dieser bei 10,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig wohnten Studierende in Münster besonders selten ausschließlich bei den Eltern. Während der Anteil landesweit bei 43,5 Prozent lag, waren es in Münster nur 10,1 Prozent.
Die finanzielle Belastung zeigt sich auch an der hohen Erwerbstätigkeit. Nach Zensusdaten waren 2022 in Münster 17.020 von 26.270 Studierenden im Alter von 18 bis 26 Jahren erwerbstätig. Das entspricht 64,8 Prozent. Nur der Kreis Borken lag mit 66,8 Prozent noch höher.
Damit wird deutlich: Viele Studierende in Münster sind offenbar auf einen Nebenjob angewiesen. Laut Mikrozensus bestritt 2025 in NRW nur etwas mehr als jede zehnte studierende Person zwischen 18 und 26 Jahren den Lebensunterhalt überwiegend durch BAföG oder ein Stipendium.
Die Universität Münster zählt im Wintersemester 2025/26 insgesamt 41.217 ordentlich Studierende. Das Studierendenwerk Münster betreut nach eigenen Angaben rund 60.000 Studierende in Münster und Steinfurt. Dem stehen rund 5.360 Wohnplätze in 23 Wohnanlagen gegenüber.
Auch bundesweit bleibt studentisches Wohnen ein Kostentreiber. Das Moses Mendelssohn Institut bezifferte die durchschnittlichen Wohnkosten für ein WG-Zimmer vor dem Sommersemester 2026 auf 512 Euro. An vielen Hochschulstandorten liegen die durchschnittlichen Wohnkosten damit über der BAföG-Wohnkostenpauschale.
Die Zahlen zeigen, dass BAföG weiterhin eine wichtige Unterstützung bleibt, aber viele Studierende offenbar nicht ausreichend erreicht. Besonders in Münster treffen mehrere Faktoren zusammen: ein hoher Studierendenanteil, wenige Studierende im Elternhaus, knapper Wohnraum und eine hohe Nebenjobquote.
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