
Münster. 1,2 Millionen Euro aus Berlin sollen die Sanierung des Hallenbads Hiltrup voranbringen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat das Projekt für die Förderung ausgewählt, doch die Freude über die Zusage fällt in Münster unterschiedlich aus. Während Svenja Schulze (SPD) die Unterstützung als wichtigen Beitrag zum Erhalt des Bades wertet, hält Sylvia Rietenberg (Grüne) die Summe angesichts des tatsächlichen Bedarfs für unzureichend. Geplant ist eine umfassende energetische und technische Modernisierung des mehr als 50 Jahre alten Hallenbads.
Das 1973 errichtete Hallenbad hat nach mehr als fünf Jahrzehnten erheblichen Sanierungsbedarf. Geplant sind unter anderem Arbeiten an Dach und Fassade sowie eine Erneuerung der Badewassertechnik. Hinzu kommen eine Photovoltaikanlage, LED-Beleuchtung und eine moderne Gebäudeleittechnik. Auch die Barrierefreiheit soll weiter verbessert werden. Das Bad an der Westfalenstraße verfügt über ein 25-Meter-Becken und ein Lehrschwimmbecken und wird intensiv von Schulen und Vereinen genutzt.
Für die Sanierung hatte sich Münster im Juni um Bundesmittel beworben. Nun hat der Haushaltsausschuss 1,2 Millionen Euro für das Projekt vorgesehen. Damit ist zunächst die politische Projektauswahl erfolgt; anschließend schließt sich das eigentliche Zuwendungsverfahren an.
Svenja Schulze bewertet die Entscheidung vor allem als konkrete Unterstützung für den Stadtteil. Die SPD-Bundestagsabgeordnete, die Mitglied des Haushaltsausschusses ist, hatte sich nach eigenen Angaben in Berlin für das Projekt eingesetzt. „Ich freue mich sehr, dass der Bund die Sanierung des Hallenbads Hiltrup mit 1,2 Millionen Euro unterstützt“, erklärte Schulze nach der Entscheidung.
Für sie steht die Bedeutung des Bades für den Alltag in Hiltrup im Vordergrund: Kinder lernen dort schwimmen, Schulen organisieren ihren Schwimmunterricht, Vereine trainieren und zahlreiche Menschen nutzen das Angebot für Sport und Bewegung. „Mit der Förderung helfen wir dabei, das Bad langfristig zu erhalten und fit für die Zukunft zu machen“, so Schulze. Die 1,2 Millionen Euro seien aus ihrer Sicht zugleich ein Beispiel dafür, wie der Bund Kommunen bei Investitionen in ihre öffentliche Infrastruktur unterstützen könne.
Ganz anders fällt die politische Einordnung von Sylvia Rietenberg aus. Die direkt gewählte Grünen-Bundestagsabgeordnete für Münster begrüßt zwar grundsätzlich, dass Geld nach Münster fließt, sieht in der Förderentscheidung aber keinen Anlass für uneingeschränkte Freude. „Natürlich freue ich mich, wenn Münster Fördergelder erhält. Jedes sanierte Bad stärkt den Sport und Zusammenhalt vor Ort“, erklärte Rietenberg.
Ihr entscheidender Punkt ist jedoch die grundsätzliche Finanzierung der Kommunen. Rietenberg argumentiert, dass einzelne Förderprogramme den erheblichen Sanierungsbedarf bei Sportstätten nicht dauerhaft lösen könnten. Hinzu komme, dass Kommunen einen Teil der Investitionen selbst finanzieren müssen – aus ihrer Sicht ein wachsendes Problem angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Städte. Für Münster hatte die Stadt nach Rietenbergs Angaben einen Bundeszuschuss von 3,15 Millionen Euro beantragt, ausgewählt wurde das Projekt nun mit 1,2 Millionen Euro. Sie fordert deshalb anstelle punktueller Programme eine dauerhaft verlässliche Sportstättenförderung.
Für Münster fällt die Entscheidung in eine besonders angespannte Haushaltslage. Die Stadt hat Anfang September eine Haushaltssperre verhängt, nachdem sich bei den erwarteten Schlüsselzuweisungen des Landes für 2027 eine Lücke von mehr als 90 Millionen Euro gegenüber der bisherigen Planung ergeben hatte. Neue und aufschiebbare Ausgaben werden deshalb derzeit strenger geprüft. Ob und in welchem Umfang das Auswirkungen auf den kommunalen Eigenanteil bei der Sanierung des Hallenbads Hiltrup haben wird, ist bislang offen.
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