Evangelische Gemeinden in Münster stehen vor tiefgreifendem Umbau

Der Zensus 2022 zeigt, dass Christen in Deutschland zur Minderheit werden. Katholiken und Protestanten machen nur noch 48 Prozent der Bevölkerung aus.
Symbolbild: Bernhard Schürman

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Münster. Auf die evangelischen Kirchengemeinden in Münster kommen spürbare Veränderungen zu. Der Evangelische Kirchenkreis Münster hat den Reformprozess schon vor mehreren Jahren auf den Weg gebracht und begründet ihn mit sinkenden Mitgliederzahlen, knapper werdenden Finanzen und einem Rückgang bei Pfarrpersonen. Aus Sicht des Kirchenkreises reicht es deshalb nicht mehr, an den bisherigen Strukturen festzuhalten.

Bereits auf der Sommersynode 2022 beschloss der Kirchenkreis eine Strukturreform. Sie sieht vor, benachbarte Gemeinden in insgesamt fünf sogenannte Räume zusammenzuführen. Damit sollen Zusammenarbeit verbindlicher organisiert, Aufgaben gebündelt und vorhandene Ressourcen solidarischer verteilt werden. Gleichzeitig wurde die Finanzierung von Pfarrstellen stärker auf Kirchenkreisebene verlagert.

Fünf Räume statt vieler Einzelstrukturen

Für Münster bedeutet das, dass klassische Gemeindegrenzen an Bedeutung verlieren. Auf der Internetseite des Kirchenkreises ist die neue Struktur bereits sichtbar. Raum 1 besteht aus sechs Münsteraner Gemeinden: Andreas, Apostel, Auferstehung, Erlöser, Handorf und Markus. Der Raum reicht von der Innenstadt über Mauritz bis nach Kinderhaus und Coerde. Der Kirchenkreis beschreibt dort ausdrücklich eine stärkere Zusammenarbeit über frühere Gemeindegrenzen hinweg.

Auch in Münsters Südosten ist die neue Ordnung schon erkennbar. Der Kooperationsraum 5 umfasst nach Angaben des Kirchenkreises die Quartiere Hiltrup und Süd-Ost. Dort leben demnach rund 11.000 evangelische Gemeindeglieder in drei selbstständigen Gemeinden: Hiltrup, Wolbeck und Friedens-Kirchengemeinde. Schon diese Aufteilung zeigt, dass die Zukunft stärker in größeren Verbünden als in vielen vollständig eigenständigen Einzelgemeinden gedacht wird.

Mitgliederverlust erhöht den Druck

Der Hintergrund der Reform liegt nicht nur in internen Verwaltungsfragen, sondern in einem anhaltenden Rückgang der Kirchenmitgliedschaft. Die Evangelische Kirche von Westfalen meldete für 2024 landesweit noch rund 1,886 Millionen Mitglieder, ein Minus von etwa drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schon 2022 hatte der Kirchenkreis Münster von einem notwendigen Abschied von bisherigem personellem und finanziellem Reichtum gesprochen. 2023 war in einem Synodenbericht zudem von einem tiefgreifenden Transformationsprozess die Rede.

Mit dem Mitgliederschwund wächst auch der Druck auf Personal und Angebote. Der Kirchenkreis Münster nannte bereits 2022 ausdrücklich den Rückgang an Pfarrpersonen als einen der Gründe für den Umbau. Die Reform ist damit nicht nur eine Reaktion auf sinkende Einnahmen, sondern auch auf die Frage, wie Seelsorge, Gemeindearbeit und kirchliche Präsenz in Münster künftig überhaupt noch flächendeckend organisiert werden können.

Noch keine öffentlich bekannten Schließungslisten

Öffentlich belegt ist bislang vor allem der strukturelle Rahmen des Umbaus. Konkrete Listen mit Kirchenschließungen, Fusionsdaten einzelner Münsteraner Gemeinden oder einem detaillierten Abbauplan für Stellen sind derzeit auf den öffentlich zugänglichen Seiten des Kirchenkreises nicht ersichtlich. Klar ist aber, dass die Reform längst nicht mehr nur ein theoretisches Zukunftsprojekt ist, sondern die kirchliche Landschaft in Münster bereits verändert.

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Für viele Gemeinden dürfte die entscheidende Frage nun sein, wie stark sich diese Neuordnung im Alltag bemerkbar machen wird. Je mehr Aufgaben zentralisiert und je enger Gemeinden zusammenarbeiten, desto stärker verändert sich auch das Bild der evangelischen Kirche vor Ort. Der Kurs des Kirchenkreises ist jedenfalls gesetzt: weniger kleinteilige Strukturen, mehr Kooperation und ein deutlicher Umbau unter dem Druck von Mitgliederschwund, Sparzwang und Personalmangel.

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