Gerade erst im Amt: Münsters OVG-Chef vor Wechsel

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Foto: Arek Socha

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Münster. Vier Jahre dauerte die Suche nach einem neuen Präsidenten für das Oberverwaltungsgericht in Münster. Sie führte zu Gerichtsverfahren, politischen Auseinandersetzungen und einem Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag. Im August 2025 übernahm schließlich Carsten Günther die Leitung. Doch schon nach gut einem Jahr steht das höchste Verwaltungsgericht Nordrhein-Westfalens vor dem nächsten Führungswechsel. Günther wurde am Donnerstag (15. Oktober) vom Richterwahlausschuss zum Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gewählt.

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Der 56-Jährige soll dort mittelfristig sogar die Spitze des Gerichts übernehmen. Die Ernennung zum Präsidenten muss allerdings noch vom Bundeskabinett beschlossen werden. Für das OVG Münster bedeutet die Entscheidung dennoch, dass die gerade erst abgeschlossene Suche nach einer neuen Leitung schon bald von vorne beginnen dürfte. Zuständig ist erneut NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne).

Ein kurzer Neuanfang nach jahrelangem Streit

Die Personalie ist vor allem wegen ihrer Vorgeschichte bemerkenswert. Nachdem die frühere OVG-Präsidentin Ricarda Brandts im Mai 2021 in den Ruhestand gegangen war, blieb ihr Posten mehr als vier Jahre unbesetzt. Das Auswahlverfahren entwickelte sich zu einer politischen Affäre. Günther hatte sich selbst um die Stelle beworben und war juristisch gegen die Entscheidung für eine andere Kandidatin vorgegangen. Der Streit beschäftigte schließlich auch das Bundesverfassungsgericht.

Zugleich untersuchte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mögliche politische Einflussnahme auf die Besetzung. Im Mittelpunkt standen unter anderem Vorwürfe gegen Justizminister Limbach, der diese zurückwies. Erst im Sommer 2025 kam Bewegung in das festgefahrene Verfahren. Am 13. August erhielt Günther seine Ernennungsurkunde, im Februar 2026 wurde er bei einem Festakt offiziell in sein Amt eingeführt.

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Nun könnte ausgerechnet der Jurist, dessen Berufung den jahrelangen Konflikt beendete, schon bald wieder gehen. Günther kennt seinen möglichen neuen Arbeitsplatz bereits bestens. Von 2015 bis zu seinem Wechsel nach Münster war er selbst Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Er würde damit an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehren, diesmal voraussichtlich als Präsident.

Neue Präsidentensuche wird zum Test für Justizminister Limbach

Für das NRW-Justizministerium ist die Entwicklung besonders heikel. Nach den Auseinandersetzungen um die letzte Besetzung wurden die Auswahlverfahren für wichtige Spitzenpositionen in der Justiz reformiert. Seit Anfang Oktober gelten neue Regeln, die unter anderem längere Bewerbungsfristen und unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Auswahlgespräche vorsehen.

Die voraussichtlich erneute Ausschreibung des Präsidentenamtes am OVG könnte damit zu einem der ersten großen Praxistests für die Neuregelungen werden. Der Deutsche Richterbund hatte sich bereits für eine zügige Besetzung ausgesprochen. Justizminister Limbach betonte gegenüber dem WDR, dass bei der Auswahl allein die Bestenauslese maßgeblich sei.

Wann die Stelle in Münster tatsächlich frei wird, hängt vom weiteren Verfahren auf Bundesebene ab. Am Bundesverwaltungsgericht ist die Präsidentenposition seit dem Ruhestand von Andreas Korbmacher Ende Mai unbesetzt. Derzeit führt Vizepräsidentin Susanne Rublack die Amtsgeschäfte.

Für Münster zeichnet sich damit eine ungewöhnliche Situation ab: Nach mehr als vier Jahren ohne regulär besetzte Gerichtsspitze könnte die Amtszeit des mühsam gefundenen Präsidenten schon nach wenigen Monaten wieder enden. Wie schnell eine Nachfolge gefunden wird und ob das neue Auswahlverfahren diesmal ohne juristische Auseinandersetzungen auskommt, bleibt offen.

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