
Münster muss sparen – und die Folgen dürften bald auch für die Bürger spürbar werden. Oberbürgermeister Tilman Fuchs hat am Mittwochabend deutlich gemacht, dass sich die Stadt viele bisher selbstverständliche Leistungen künftig nicht mehr leisten könne. Hintergrund sind massive Einbußen bei den Landeszuweisungen. Nachdem bereits eine Haushaltssperre verhängt wurde, stehen nun weitere Einschnitte bevor. Welche Bereiche betroffen sein werden, ist noch offen.
Die finanziellen Probleme der Stadt haben sich durch den drastischen Rückgang der Schlüsselzuweisungen des Landes Nordrhein-Westfalen verschärft. Im Doppelhaushalt 2026/2027 hatte Münster für das kommende Jahr mit rund 95 Millionen Euro gerechnet. Nach der im August veröffentlichten Berechnung des Landes sollen jedoch nur etwa 2,8 Millionen Euro fließen.
Als erste Reaktion verhängte Stadtkämmerin Christine Zeller am 8. September eine Haushaltssperre. Seit dem 25. September werden zudem freiwerdende Stellen in der Verwaltung grundsätzlich nur nach einer kritischen Einzelfallprüfung neu besetzt. Der bereits genehmigte Doppelhaushalt bleibt weiterhin bestehen.
Oberbürgermeister Tilman Fuchs machte in seiner Rede vor dem Stadtrat deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen werden. Die Stadt müsse sämtliche Aufgaben und Ausgaben erneut überprüfen und die bereits laufende Aufgabenkritik deutlich verschärfen.
„Es führt kein Weg an der bitteren Erkenntnis vorbei, dass wir uns vieles zukünftig nicht mehr leisten können, was in den vergangenen Jahren selbstverständlich geworden ist“, erklärte Fuchs. Die notwendigen Veränderungen würden nach seinen Worten „spürbar und zum Teil auch schmerzhaft sein“.
Dabei warnte der Oberbürgermeister vor der Vorstellung, dass sich die Einsparungen ausschließlich innerhalb der Verwaltung umsetzen ließen. Vielmehr müssten sich auch die Menschen in Münster auf Veränderungen einstellen.
Trotz des erheblichen Spardrucks schloss Fuchs betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich aus. Gleichzeitig machte er deutlich, dass weniger Personal und die Reduzierung städtischer Aufgaben zwangsläufig Auswirkungen auf die Bevölkerung hätten.
„Die Mitarbeitenden der Stadt arbeiten für die Menschen in Münster. Wenn wir Aufgaben reduzieren, Stellen nicht wiederbesetzen oder Verfahren verändern, wird das deshalb zwangsläufig auch für Bürgerinnen und Bürger spürbar werden“, sagte Fuchs.
Die fehlenden Landesmittel dürften allerdings nicht vollständig durch Personaleinsparungen ausgeglichen werden. Das bezeichnete der Oberbürgermeister als „verantwortungslos“. Welche städtischen Angebote konkret eingeschränkt werden könnten, ist bislang offen. Auch freiwillige Aufgaben sollen nicht pauschal gestrichen werden. Stattdessen müssten Politik und Verwaltung gemeinsam entscheiden, welche Leistungen für die Zukunft Münsters besonders wichtig sind.
Die Stadtverwaltung will nun die finanziellen Auswirkungen der bisherigen Maßnahmen untersuchen und verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung der Landeszuweisungen erarbeiten. Bis zum Frühjahr 2027 soll ein erstes Maßnahmenpaket vorliegen. Weitere Ergebnisse der Aufgabenüberprüfung sollen anschließend in die kommenden Haushalte einfließen.
Oberstes Ziel bleibt es, eine formelle Haushaltssicherung zu vermeiden und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt zu erhalten. Fuchs sieht dabei Verwaltung und Politik gemeinsam in der Verantwortung. Trotz aller Einschränkungen müsse Münster weiterentwickelt werden.
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