Verfolgungsjagd endet auf Acker: Landgericht Münster verhängt Haftstrafe

Nach einer Hetzjagd mit sieben Autos und einem versuchten Totschlag in Rheine hat das Landgericht Münster einen 28-Jährigen verurteilt.

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Münster/Rheine. Eine Verfolgungsjagd mit sieben Autos, ein schwer verletzter Mann und ein Opfer, das hilflos auf einem Acker zurückgelassen wurde: Mehr als fünf Jahre nach den Ereignissen in Rheine hat das Landgericht Münster am Freitag, 16. Oktober 2026, einen 28-Jährigen aus Vreden zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht befand ihn des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Hetzjagd mit sieben Autos von Hörstel nach Rheine

Ausgangspunkt war ein familiärer Konflikt am 20. März 2021. Das spätere Opfer soll seine getrennt lebende Ehefrau bedroht haben. Daraufhin machten sich laut Staatsanwaltschaft etwa 15 Männer mit sieben Fahrzeugen auf den Weg, um ihn zur Rede zu stellen. Sie verfolgten den damals etwa 32-Jährigen von Hörstel bis nach Rheine. Dort eskalierte die Situation. Der Verfolgte wehrte sich mit einem Gummihammer und einem Messer und verletzte dabei den späteren Angeklagten an der Hüfte.

Anschließend flüchtete der Mann zu Fuß auf einen Acker. Nach Überzeugung des Gerichts folgte ihm der heute 28-jährige Angeklagte mit einem Auto und fuhr ihn mit etwa 30 Kilometern pro Stunde gezielt an. Der Schwerverletzte blieb ohne Hilfe auf dem Feld zurück und erlitt zusätzlich starke Unterkühlungen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätte er ohne rechtzeitige medizinische Versorgung sterben können.

Polizei Münster richtete Mordkommission ein

Der Vorfall löste am Abend des 20. März 2021 einen Großeinsatz aus. An der Kreuzung Hopstener Damm und Siedlerstraße in Rheine trafen Einsatzkräfte auf eine größere Auseinandersetzung mit bis zu 20 Beteiligten. Sechs Verdächtige wurden zunächst festgenommen. Die Polizei Münster richtete eine Mordkommission ein. Das schwer verletzte Opfer wurde auf einem angrenzenden Acker entdeckt. Der Mann war nicht mehr ansprechbar und stark unterkühlt.

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Die Ermittlungen nahmen anschließend eine ungewöhnliche Wendung. Zunächst geriet ein damals 20-Jähriger aus Gronau unter Verdacht, den Mann angefahren zu haben. An seinem Fahrzeug waren entsprechende Spuren entdeckt worden. In einem späteren Strafverfahren wurde er jedoch freigesprochen, weil sich seine Täterschaft nicht nachweisen ließ.

Vier Jahre und sechs Monate Haft nach Urteil in Münster

Der Prozess gegen den nun verurteilten 28-Jährigen begann im August 2026 am Landgericht Münster. Der Angeklagte bestritt zunächst die Vorwürfe. Während der Beweisaufnahme beschäftigte sich das Gericht unter anderem mit Zeugenaussagen, DNA-Spuren und der Rekonstruktion des Geschehens.

Am 16. Oktober verhängte das Gericht schließlich eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Wegen Verzögerungen im Verfahren gelten davon nach Angaben einer Gerichtssprecherin bereits drei Monate als vollstreckt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Revision beim Bundesgerichtshof ist möglich.

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