Kita-Krise in Münster: Stadt plant Schließung von zwei Einrichtungen

Zu wenige Kinder, zu viele Kita-Plätze: Münster plant Schließungen, Gruppenabbau und Finanzhilfen für Träger. Entscheidung im März.
Foto: La-Rel Easter auf Unsplash

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Münster. Zu viele Plätze, zu wenige Kinder: In Münster gerät die bislang auf Wachstum ausgerichtete Kita-Planung ins Wanken. Sinkende Geburtenzahlen und freie Kapazitäten in mehreren Stadtteilen zwingen die Stadt Münster zu einem Kurswechsel. Die Verwaltung will zwei Kindertageseinrichtungen schließen und in weiteren Kitas Gruppen abbauen. Eine Entscheidung über die Kita-Schließungen trifft der Rat der Stadt Münster am 25. März.

Freie Plätze erstmals spürbar

Was lange als theoretisches Szenario galt, ist inzwischen Realität. Ende 2024 lebten in Münster deutlich weniger Kinder im Kita-Alter als prognostiziert. Besonders bei den unter Dreijährigen bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. In mehreren Stadtteilen bleiben erstmals Plätze unbesetzt. Für die Stadt ist das mehr als eine statistische Entwicklung, denn die Finanzierung der Kitas hängt unmittelbar an belegten Plätzen.

„Nach Jahren des flächendeckenden Platzmangels stehen wir nun vor einer neuen Situation“, sagt Thomas Paal. Versorgungssicherheit und wirtschaftlich tragfähige Einrichtungen müssten neu austariert werden. Unterbelegte Gruppen führten zu erheblichen finanziellen Einbußen, sowohl für die Träger als auch für die Stadt.

Kita-Schließungen in Münster-Kinderhaus und Mecklenbeck vorgesehen

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Kinderhaus. Dort bleiben im kommenden Kita-Jahr mehrere hundert Plätze frei. Die Stadt schlägt vor, die städtische Kita an der Killingstraße zum 1. August zu schließen. Weitere Einrichtungen im Stadtteil sollen mit weniger Gruppen starten, um die Auslastung insgesamt zu erhöhen.

Auch in Mecklenbeck ist eine Schließung geplant. Die Kita „In der Alten Schule“ soll aufgegeben werden. Neben freien Kapazitäten im Umfeld spielt hier auch der bauliche Zustand des Gebäudes eine Rolle. Aus Sicht der Verwaltung stehen hohe Sanierungskosten in keinem Verhältnis mehr zum tatsächlichen Bedarf.

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Belastung für Familien, aber keine Alternative?

Dass Schließungen für Familien einschneidend sind, ist der Stadt bewusst. „Wir wissen, dass ein Wechsel der Einrichtung für Kinder und Eltern belastend ist“, sagt Sabine Trockel, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien. Dauerhaft freie Plätze und die damit verbundenen Kosten ließen jedoch kaum Spielraum. Ziel sei es, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen, statt Strukturen künstlich aufrechtzuerhalten.

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Die betroffenen Kinder sollen nach Angaben der Stadt in nahegelegenen Kitas unterkommen oder über den Kita-Navigator neu vermittelt werden.

Keine Kündigungen, aber Einschnitte

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Beschäftigte der betroffenen Kitas sollen möglichst in andere städtische Einrichtungen wechseln. Gleichzeitig bedeutet der geplante Gruppenabbau in mehreren Stadtteilen einen tiefen Einschnitt in das bestehende Angebot.

Neben Kinderhaus und Mecklenbeck sieht die Stadt auch in Coerde, Gievenbeck, Gremmendorf und Angelmodde eine Überversorgung. Dort könnten weitere Maßnahmen folgen, sollte sich die Auslastung nicht verbessern.

Finanzielle Hilfen für freie Träger geplant

Um eine Kettenreaktion bei freien Trägern zu verhindern, plant die Stadt befristete Finanzhilfen. Diese sollen existenzielle Fixkosten wie Miete und Nebenkosten abfedern, wenn Gruppen deutlich unterbelegt sind. Personalkosten oder freiwillige Zusatzangebote sollen ausdrücklich nicht übernommen werden. Die Hilfen sind als Übergangslösung gedacht, um Trägern Zeit für strukturelle Anpassungen zu geben.

Deutlicher Bruch mit der bisherigen Ausbaupolitik

Der geplante Sparkurs markiert einen klaren Bruch mit der bisherigen Linie. Jahrelang galt der Kita-Ausbau in Münster als alternativlos. Nun rückt die Stadt von der pauschalen Wachstumslogik ab und setzt auf eine kleinteilige Steuerung nach Stadtteilen. Neubauten sollen künftig nur noch dann beschlossen werden, wenn langfristig ausreichend Kinder im Einzugsgebiet zu erwarten sind.

Die Entwicklung zeigt: Die Kita-Krise in Münster ist weniger eine Frage fehlender Angebote als eine Folge veränderter demografischer Realitäten. Für Politik, Verwaltung und Träger beginnt damit eine Phase unbequemer Entscheidungen.

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