
Münster. Eine DGB-Diskussion zum Sozialstaat bringt am Mittwochabend Gewerkschaften, Arbeitgeber und Vertreter aus Sozialbereich, Psychotherapie und Kommunalpolitik in Münster an einen Tisch. Unter dem Titel „Reden wir über … den Sozialstaat! Kürzen oder investieren?“ soll im Begegnungszentrum Meerwiese in Coerde darüber diskutiert werden, wie soziale Sicherung künftig finanziert und ausgestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Rente, Arbeitswelt, Inklusion, soziale Infrastruktur und die Perspektiven junger Menschen.
Die öffentliche Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 23. September, um 19.30 Uhr und ist bis 21 Uhr angesetzt. Veranstalter ist der DGB in Münster. Der Termin liegt nur drei Tage vor einem bundesweiten Aktionstag des Gewerkschaftsbundes, bei dem in 15 Großstädten Kundgebungen für einen aus Sicht des DGB stärkeren Sozialstaat und den Schutz von Arbeitnehmerrechten geplant sind.
Nach einem kurzen Fakteninput sollen bei der Veranstaltung zunächst aktuelle politische Vorhaben und Aussagen über den Sozialstaat eingeordnet werden. Anschließend ist eine Diskussion mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven vorgesehen.
Angekündigt sind Hannah Koppetz-Mitra von ver.di Münster, LWL-Sozialdezernent Takis Mehmet Ali und Eric Odenkirchen, erster Geschäftsführer des Verbands Münsterländischer Metallindustrieller. Hinzu kommen Vertreter der Initiative ChaCK, des Aktionsbündnisses Psychotherapie Münster und der Kommunalpolitik. Damit treffen bei der Veranstaltung bewusst unterschiedliche Interessen und Positionen aufeinander. Die offizielle DGB-Ankündigung bestätigt Koppetz-Mitra, Mehmet Ali und Odenkirchen sowie die beteiligten gesellschaftlichen Bereiche.
Ein Themenblock richtet den Blick weit in die Zukunft: Diskutiert werden soll, wie der Sozialstaat im Jahr 2040 aussehen könnte und welche Folgen Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, wirtschaftlichen Wandel und soziale Ungleichheit für die Arbeitswelt haben können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf möglichen Folgen von Kürzungen bei sozialer Infrastruktur und gesellschaftlicher Teilhabe. Dabei soll unter anderem diskutiert werden, welche Rahmenbedingungen Menschen mit Unterstützungsbedarf benötigen und wie Inklusion langfristig finanziert werden kann.
Auch jüngere Generationen sollen eine größere Rolle spielen. Themen sind der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf, die langfristige Finanzierung der Rente sowie Kinder- und Jugendarmut. Der DGB verbindet die Diskussion damit ausdrücklich mit aktuellen bundespolitischen Debatten über Rente, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Pflege.
Dass die Diskussion im Begegnungszentrum Meerwiese stattfindet, ist kein Zufall. Der DGB erklärt, Coerde bewusst als Veranstaltungsort ausgewählt zu haben, weil Fragen der sozialen Sicherung und Teilhabe dort für viele Menschen unmittelbar relevant seien. Zudem verbindet der Gewerkschaftsbund die Ortswahl mit seiner politischen Auseinandersetzung mit rechtsextremen Parteien. Das ist ausdrücklich die Begründung des Veranstalters.
Amtliche Daten zeigen tatsächlich besondere soziale Herausforderungen im Stadtteil. Die Stadt Münster verweist beispielsweise darauf, dass knapp ein Drittel der Kinder bis 14 Jahre in Coerde in Familien lebt, die Leistungen nach dem SGB II beziehen. Stadtweit liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Die Stadt plant deshalb für 2027 und 2028 zusätzliche Unterstützung für Kindertageseinrichtungen in Coerde.
Die Münsteraner Gesprächsrunde findet unmittelbar vor dem bundesweiten DGB-Aktionstag am Samstag, 26. September, statt. Unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ sind Veranstaltungen in 15 Großstädten angekündigt. Der DGB wendet sich dabei gegen aus seiner Sicht drohende Einschnitte bei Sozialleistungen und Arbeitnehmerrechten und fordert unter anderem mehr Investitionen, sichere Arbeitsbedingungen und eine aus seiner Sicht solidarischere Finanzierung von Gesundheit, Pflege und Rente.
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