„Katastrophale Lage“: Familienunternehmer fordern Kurswechsel bei Bildung

Familienunternehmer kritisieren Bildung in NRW: Nach Platz 14 im Bildungsmonitor fordern sie bessere Berufsschulen und mehr Investitionen.
Veit Ulbricht, NRW-Landesvorsitzender DIE FAMILIENUNTERNEHMER Foto: Anne Großmann

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Die Familienunternehmer in Nordrhein-Westfalen reagieren mit deutlicher Kritik auf den neuen Bildungsmonitor 2026. Nordrhein-Westfalen landet darin erneut nur auf Platz 14 unter den 16 Bundesländern. Landesvorsitzender Veit Ulbricht spricht von einem „alarmierenden“ Ergebnis und sieht vor allem bei Berufsschulen, Schulqualität und Internationalisierung erheblichen Nachholbedarf.

Besonders die berufliche Bildung bereitet dem Unternehmerverband Sorgen. „Ausbildungsberufe dürfen nicht länger als Berufe zweiter Klasse behandelt werden“, erklärt Ulbricht. Gerade bei technischen Berufen bezeichnet er die Situation an den Berufsschulen als „katastrophal“. Angesichts des Fachkräftemangels könne es sich Nordrhein-Westfalen aus seiner Sicht nicht leisten, diesen Bereich zu vernachlässigen.

Familienunternehmer fordern bessere Berufsschulen

Der Verband verlangt deshalb deutlich mehr Investitionen in die berufliche Bildung. Gefordert werden unter anderem eine modernere technische Ausstattung der Berufsschulen, höhere Budgets, mehr Lehrkräfte mit Praxiserfahrung und ein konsequenter Ausbau digitaler Angebote.

Ulbricht kritisiert zugleich Defizite bei Fremdsprachenkompetenzen und MINT-Fächern. Für ein wirtschaftlich starkes Bundesland wie Nordrhein-Westfalen sei die derzeitige Platzierung nicht ausreichend. „Für ein Land mit diesem wirtschaftlichen Gewicht ist Platz 14 nicht akzeptabel“, sagt der Landesvorsitzende.

Die Kritik richtet sich damit nicht nur an die aktuelle Bildungspolitik. Die Familienunternehmer verbinden ihre Forderungen ausdrücklich mit der nächsten Landesregierung und verlangen strukturelle Verbesserungen bei den Berufskollegs.

Bildungsmonitor sieht NRW bei beruflicher Bildung weit hinten

Die Zahlen des Bildungsmonitors liefern für Teile dieser Kritik tatsächlich eine Grundlage. Nordrhein-Westfalen erreicht insgesamt 36,8 Punkte und Rang 14. Bei der beruflichen Bildung landet das Land sogar auf Platz 15.

Auffällig ist vor allem die Erfolgsquote an beruflichen Vollzeitschulen. 2024 schlossen laut Bildungsmonitor 62,6 Prozent der Abgängerinnen und Abgänger von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen erfolgreich ab. Bundesweit lag der Anteil bei 80,4 Prozent. Für NRW ist das der niedrigste Wert aller Bundesländer.

Auch bei Fortbildungsprüfungen liegt Nordrhein-Westfalen leicht unter dem Durchschnitt. Auf 1.000 Einwohner zwischen 25 und 40 Jahren kamen 4,4 bestandene Prüfungen. Bundesweit waren es 4,7.

Die pauschale Kritik an der Ausstattung technischer Berufsschulen lässt sich aus diesen Kennzahlen allerdings nicht unmittelbar ableiten. Der Bildungsmonitor bewertet vor allem Ergebnisse und Strukturindikatoren. Unabhängig davon weist das NRW-Schulministerium für technische Fachrichtungen wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Kfz-Technik, Bautechnik und Technische Informatik einen hohen Bedarf an Lehrkräften aus.

Schwache Werte auch bei Schulqualität und Internationalisierung

Auch bei der Schulqualität erreicht Nordrhein-Westfalen lediglich Rang 15. Grundlage sind unter anderem Ergebnisse aus Mathematik und Naturwissenschaften, bei denen Schülerinnen und Schüler aus NRW im Ländervergleich unterdurchschnittlich abschneiden.

Bei der Internationalisierung landet das Land ebenfalls auf Platz 15. Besonders auffällig ist der Fremdsprachenunterricht an Berufsschulen: 2024 erhielten laut Bildungsmonitor 28,3 Prozent der Berufsschülerinnen und Berufsschüler in NRW entsprechenden Unterricht. Im Bundesdurchschnitt waren es 49,9 Prozent.

Beim Thema Bildungsausgaben erreicht Nordrhein-Westfalen ebenfalls nur Rang 15. Für Grundschüler wurden 2024 laut Monitor durchschnittlich 8.100 Euro je Schüler ausgegeben, bundesweit waren es 9.000 Euro. Gleichzeitig sind die Ausgaben in NRW in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Nicht alle Ergebnisse für NRW sind schlecht

Der Bildungsmonitor zeigt jedoch auch Stärken, die in der Kritik der Familienunternehmer weniger im Mittelpunkt stehen. Bei der Zeiteffizienz erreicht Nordrhein-Westfalen Rang vier. Bei Digitalisierung und Forschungsorientierung landet das Land jeweils auf Platz sieben.

Positiv fällt unter anderem die IT-Ausbildung auf. Auf 100.000 Erwerbstätige kamen 48,2 neue betriebliche IT-Ausbildungsverträge. Bundesweit lag der Wert bei 39,7.

Insgesamt bleibt das Bild für NRW dennoch durchwachsen. Das Land belegt im Gesamtranking bereits das dritte Jahr in Folge Platz 14.

Wer hinter dem Bildungsmonitor steht

Der Bildungsmonitor ist kein amtliches Ranking der Kultusministerkonferenz oder eines Bildungsministeriums. Er wird vom Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt und verfolgt eine bildungsökonomische Perspektive.

Die INSM wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie über Gesamtmetall finanziert. Bewertet wird unter anderem, welchen Beitrag das Bildungssystem zur Fachkräftesicherung, zur Verringerung von Bildungsarmut und zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann.

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