
Münster: Ein besonders schwerer Fall sexuellen Missbrauchs wird seit Freitag (15. August) vor dem Landgericht Münster verhandelt. Ein 32-jähriger Mann aus Münster steht im Verdacht, über die Social-Media-Plattform TikTok gezielt Kontakt zu Minderjährigen aufgebaut zu haben, um sie zu sexuellen Handlungen zu drängen. Der Prozess wirft ein bedrückendes Licht auf die Risiken digitaler Kommunikation – und auf die perfiden Methoden, mit denen Täter im Netz agieren.
Kern des Verfahrens ist unter anderem ein Fall aus dem Jahr 2022: Der Angeklagte soll über TikTok mit einem elfjährigen Mädchen aus Österreich in Kontakt getreten sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, das Kind zu sexuellen Handlungen an sich selbst aufgefordert zu haben. Die Kommunikation fand laut Anklage in einem Chat statt und wurde von Ermittlern später ausgewertet. Für die Strafkammer steht nun die Frage im Raum, wie gezielt der Beschuldigte Minderjährige über Plattformen wie TikTok ansprach und welche Rolle dabei digitale Medien spielten.
Besonders erschütternd ist ein weiterer Vorwurf, der im Gerichtssaal zur Sprache kommt: Der Münsteraner soll im Februar 2023 über einen Videoanruf eine erwachsene Frau angewiesen haben, ein etwa zehn- bis zwölfjähriges Mädchen aus Vietnam sexuell zu missbrauchen – und dies in Echtzeit mitzuverfolgen. Ob es sich bei dem Kind tatsächlich um ein reales Opfer handelt, wird im Prozess noch zu klären sein. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass der Missbrauch auf seine Anweisung hin geschah. Internationale Ermittlungen dazu laufen offenbar weiterhin.
Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler im Anschluss an die Vernehmungen mehr als 3.500 kinderpornografische Bilder und Videos auf verschiedenen Speichermedien. Diese wurden dem Angeklagten zugeordnet. Die Staatsanwaltschaft Münster wirft dem Mann daher nicht nur schweren sexuellen Missbrauch vor, sondern auch den Besitz und die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte. Er befindet sich seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft.
Wegen des Schutzes der Opfer wird der Prozess teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Insgesamt sind laut Gerichtssprecher fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte bereits im September fallen. Unklar ist derzeit, ob sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußert oder ein Geständnis ablegt. Auch die Frage, ob es weitere bislang unbekannte Opfer gibt, steht im Raum.
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