
Münster (lwl). Die finanziellen Sorgen der Städte und Kreise in Westfalen-Lippe werden größer. Nach einer Entlastung im laufenden Jahr drohen 2027 deutlich höhere Zahlungen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Insgesamt sollen die Kommunen 190,6 Millionen Euro zusätzlich aufbringen. Gleichzeitig plant der Verband mit 5,1 Milliarden Euro den größten Haushalt seiner Geschichte. Auch Münster und das Münsterland müssen sich auf höhere Belastungen einstellen.
LWL-Direktor Georg Lunemann und Kämmerer Patrick Bürger brachten den Haushaltsentwurf am Donnerstag in die Landschaftsversammlung in Münster ein. Vorgesehen ist eine Anhebung der Landschaftsumlage von 17,8 auf 18,6 Prozent. Über diese Umlage finanzieren die 27 Mitgliedskreise und kreisfreien Städte einen wesentlichen Teil der Aufgaben des Verbandes.
Noch im Februar hatte der LWL den Umlagesatz für 2026 gesenkt und die Kommunen damit um 128,8 Millionen Euro entlastet. Nun folgt die Kehrtwende.
„Trotz der Entlastung im laufenden Jahr müssen wir für 2027 wieder mit einem höheren Hebesatz planen“, erklärte Kämmerer Bürger. Die zusätzliche Belastung von 190,6 Millionen Euro sei ihm bewusst: „Und ich weiß, was das für unsere Mitgliedskörperschaften bedeutet.“
Hauptgrund für den Kostenanstieg sind die Sozialleistungen. Allein für die Eingliederungs- und Sozialhilfe für Menschen mit Behinderung rechnet der LWL 2027 mit zusätzlichen Ausgaben von 221,5 Millionen Euro. Der gesamte Mehrbedarf gegenüber dem Vorjahr liegt bei rund 260 Millionen Euro.
Dabei werden nicht nur mehr Menschen unterstützt. Vor allem die Kosten einzelner Leistungen steigen. Hinzu kommen höhere Tarifabschlüsse sowie steigende Ausgaben für Energie, Bauprojekte, Dienstleistungen und Zinsen. Lunemann sieht darin ein grundsätzliches Problem der Kommunalfinanzen: „Das ist keine vorübergehende Delle. Es ist ein strukturelles Missverhältnis zwischen Einnahmeentwicklung und Ausgaben- sowie Aufgabendynamik.“
Für Münster kommt die geplante Umlageerhöhung zu einer Zeit, in der auch der städtische Haushalt unter erheblichem Druck steht. Bereits 2025 zahlte die Stadt rund 132,5 Millionen Euro an Landschaftsumlage. Für 2026 weist der LWL-Leistungsbericht 136,7 Millionen Euro aus. Wie hoch die zusätzliche Belastung 2027 konkret ausfallen wird, ist bislang nicht beziffert.
Gleichzeitig finanziert der Landschaftsverband zahlreiche Leistungen in der Region. Laut Leistungsbericht wurden 2025 rund 292,9 Millionen Euro für Münster aufgewendet, im gesamten Münsterland etwa 1,55 Milliarden Euro. Dazu gehören unter anderem Hilfen für Menschen mit Behinderung und Leistungen der Jugendhilfe. Allerdings stammen Teile dieser Mittel vom Bund und vom Land.
Um die steigenden Kosten abzufedern, will der LWL weitere 50 Millionen Euro aus seiner Ausgleichsrücklage einsetzen. Dennoch weist der Haushaltsentwurf für 2027 einen geplanten Fehlbetrag von rund 51,9 Millionen Euro auf.
LWL-Direktor Lunemann warnte davor, die finanziellen Reserven als dauerhafte Lösung zu betrachten: „Die Ausgleichsrücklage kann Belastungsspitzen abfedern – sie kann aber keine strukturelle Unterfinanzierung ausgleichen. Eine Rücklage ist eine Brücke, aber kein Ufer.“
Parallel setzt der Verband ein Sparprogramm mit 61 Maßnahmen und Prüfaufträgen fort. Zwischen 2024 und 2027 sollen dadurch insgesamt rund 150 Millionen Euro eingespart werden. Doch auch Kämmerer Bürger sieht Grenzen: „Diese Zahlen zeigen: Steuerung wirkt. Aber sie zeigen auch, dass Konsolidierung allein die strukturelle Dynamik unserer Aufwendungen nicht auffangen kann.“ Bis 2030 könnten die finanziellen Spielräume des Verbandes weitgehend ausgeschöpft sein.
Lunemann sieht die Verantwortung für die steigenden Sozialkosten nicht allein bei den Kommunen. Er fordert eine stärkere finanzielle Beteiligung von Bund und Land an den gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen. „Die kommunale Familie darf nicht zum Ausfallbürgen für die gesamtstaatlichen sozialen Sicherungssysteme werden!“, erklärte der LWL-Direktor.
Für die kommenden Jahre gehe es darum, die gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen und gleichzeitig die Belastung der Städte und Kreise möglichst gering zu halten.
Ob die geplante Erhöhung der Landschaftsumlage tatsächlich in dieser Höhe kommt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die 114 Abgeordneten des Westfalenparlaments beraten nun über den Entwurf. Die Verabschiedung des LWL-Haushalts 2027 ist für den 17. Dezember vorgesehen.
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