Mehrweg bei Lebensmitteln könnte auch für Münster zum Thema werden

Mehrweg bei Lebensmitteln könnte viel CO₂ sparen
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Glas gilt vielen als saubere und nachhaltige Verpackung. Eine neue Studie im Auftrag des NABU zeichnet jedoch ein genaueres Bild. Demnach hängt die Klimabilanz nicht allein am Material, sondern vor allem daran, ob ein Glas nach einmaliger Nutzung entsorgt oder vielfach wiederverwendet wird. Gerade bei Lebensmitteln wie Konserven, Saucen oder Brotaufstrichen könnte Mehrweg deutlich besser abschneiden als Einweg. Für Münster ist das mehr als eine abstrakte Debatte, weil die Stadt und ihre Partner seit Jahren an eigenen Mehrweglösungen arbeiten. Die NABU-Ergebnisse werfen deshalb auch lokal eine konkrete Frage auf: Wie lässt sich das Prinzip aus der To-go-Gastronomie stärker in den Alltag des Lebensmitteleinkaufs übertragen?

Warum die Studie das Bild von Glas verändert

Die Untersuchung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg kommt zu einem Ergebnis, das der verbreiteten Wahrnehmung widerspricht. Glas ist zwar gut recycelbar und schützt Lebensmittel zuverlässig, zugleich ist seine Herstellung aber sehr energieintensiv. Das liegt vor allem am Schmelzprozess bei hohen Temperaturen. Hinzu kommt das hohe Gewicht, das Transporte aufwendiger macht. Nach Angaben des NABU fällt die Klimabilanz von Einwegglas deshalb oft schlechter aus, als viele Verbraucher vermuten.

Entscheidend ist laut Studie die Wiederverwendung. Wenn ein Glas mehrfach im Umlauf bleibt, muss der Glaskörper nicht ständig neu produziert werden. Genau dort liegt der größte Klimahebel. Für Obst- und Gemüsekonserven errechneten die Autoren eine Emissionsminderung von 58 Prozent, wenn ein Mehrwegglas zwölf Einweggläser ersetzt. Bei Brotaufstrichen sinken die Treibhausgasemissionen demnach um rund 50 Prozent, wenn ein Glas neunmal genutzt wird. Selbst gegenüber leichteren, optimierten Einweggläsern bleibt der Vorsprung klar.

Wo die Grenzen des Systems liegen

So eindeutig die Studie das Potenzial beschreibt, so klar benennt sie auch die Hürden. Mehrweggläser brauchen Rückgabe, Reinigung, Transport und eine funktionierende Logistik zwischen Handel, Spülanlage und Abfüllung. Nach Angaben des NABU sind in Deutschland bislang nur rund zehn Prozent der Glasverpackungen Mehrweg, und 99 Prozent davon entfallen auf Getränke. Für viele Hersteller von Konserven, Aufstrichen oder Fertigprodukten ist die Umstellung bislang deshalb teuer und organisatorisch schwierig.

Auch die Transportwege spielen eine Rolle. Mehrweg bleibt laut Studie selbst bei längeren Distanzen oft im Vorteil, doch dieser schrumpft mit zunehmender Strecke. Erst bei sehr langen Wegen von etwa 4.000 Kilometern gleichen sich Einweg- und Mehrwegemissionen demnach an. Ein weiteres Problem ist der Deckel. Viele Mehrweggläser werden weiterhin mit Einwegdeckeln verschlossen, die ebenfalls Emissionen verursachen. Das zeigt, dass Mehrweg schon heute Vorteile bietet, zugleich aber noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen ist.

Warum Münster bei dem Thema nicht bei null anfängt

Für Münster ist die Debatte deshalb interessant, weil vor Ort bereits Strukturen rund um Mehrweg aufgebaut wurden. Die Stadt Münster, Münsterland e. V. und weitere Partner werben seit Jahren für ein Glas-Mehrwegsystem im Außer-Haus-Bereich. Die Initiative „Münster für Mehrweg“ beschreibt das Ziel, ein einheitliches und abfallarmes System für Speisen zum Mitnehmen zu etablieren. Auch die awm stellen das Projekt als frühen regionalen Vorstoß für Glas-Mehrweg dar. Schon 2022 startete in Münster ein entsprechendes System, zunächst unter anderem in Einrichtungen des Studierendenwerks.

Hinzu kommt die gesetzliche Entwicklung. Die Stadt Münster weist selbst darauf hin, dass Restaurants, Cateringbetriebe, Kantinen und Lieferdienste seit 2023 für Speisen und Getränke zum Mitnehmen Mehrwegbehälter als Alternative anbieten müssen. Der bisherige Schwerpunkt liegt damit vor allem auf Gastronomie und To-go-Angeboten. Die neue NABU-Studie weitet den Blick jedoch auf vorverpackte Lebensmittel im Handel. Genau dort könnte Münster an vorhandene Erfahrungen anknüpfen und prüfen, ob Rückgabe- und Poolsysteme auch für andere Produktgruppen funktionieren.

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Was Münster nun konkret tun könnte

Die naheliegendste Konsequenz wäre, bestehende Mehrwegideen über den To-go-Bereich hinauszudenken. Wenn die Klimavorteile bei Konserven, Saucen oder Brotaufstrichen tatsächlich so groß sind, könnte Münster gemeinsam mit regionalen Produzenten, Hofläden, Wochenmärkten, Unverpackt-Angeboten und dem Einzelhandel Pilotprojekte für Lebensmittel im Mehrwegglas anschieben. Gerade eine Stadt mit kurzer Distanz zwischen Produzenten, Handel und Kundschaft hätte Vorteile, weil Transportwege überschaubar bleiben. Das ist wichtig, weil die Studie gerade bei moderaten Distanzen besonders deutliche Einsparpotenziale sieht.

Ebenso denkbar wäre eine stärkere kommunale Vernetzung. Die awm formulieren für Münster das Ziel, bis 2030 eine „Hauptstadt der Abfallvermeidung“ zu werden. Zudem betonen sie, dass Abfallvermeidung aktiver Klimaschutz ist. Daraus ließe sich ableiten, dass Mehrweg im Lebensmittelbereich nicht nur ein Umweltthema wäre, sondern auch in die städtische Abfallstrategie passt. Münster könnte also Akteure zusammenbringen, Pilotversuche begleiten, Rückgabewege vereinfachen und das Thema stärker in die lokale Klimapolitik einbinden. Noch ersetzt das keine bundesweiten Regeln oder Förderprogramme. Aber die Voraussetzungen, neue Modelle im Kleinen zu testen, sind in Münster bereits besser als in vielen anderen Städten.

Was Verbraucher schon jetzt aus der Debatte mitnehmen können

Für Verbraucher ändert die Studie nicht schlagartig den Einkauf im Supermarkt, weil viele Produkte im Mehrwegglas bislang schlicht nicht verfügbar sind. Dennoch liefert sie eine klare Richtung. Wo Mehrweg angeboten wird, kann sich die Rückgabe lohnen. Das gilt in Münster bereits im Außer-Haus-Bereich, wo entsprechende Systeme vorhanden sind. Zugleich zeigt die Untersuchung, dass Einwegglas nicht automatisch klimafreundlich ist, nur weil es recycelt werden kann. Der größere Effekt entsteht, wenn Verpackungen gar nicht erst neu produziert werden müssen.

Für Münster passt das in eine breitere Debatte über Abfallvermeidung und Ressourcenschonung. Die Stadt hat beim Thema Mehrweg bereits Vorarbeit geleistet. Die NABU-Studie liefert nun zusätzlichen Rückenwind für die Frage, ob das Prinzip künftig auch stärker in Regalen, Hofläden und regionalen Vermarktungsstrukturen ankommen kann. Aus einer bisherigen Nischenlösung für To-go-Angebote könnte damit langfristig ein breiteres Modell für klimafreundlichere Verpackungen werden.

Quelle: Pressemitteilung des NABU vom 10.04.2026 sowie Informationen der Stadt Münster, der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster und der IHK Nord Westfalen.

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