
Aus „Münster für Frieden“ wurde vorübergehend „Münster für Krieg“: Am Tag der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO haben Aktivistinnen den bekannten Blumenschriftzug an der Promenade für eine Protestaktion umgestaltet. Mit Bannern, satirischen Plakaten und einem inszenierten Verkauf von „Friedensblumen“ kritisierten sie die Auszeichnung des Militärbündnisses.
Nach Angaben der Beteiligten wurden Teile des Schriftzugs am Kanonengraben mit Bannern verdeckt, sodass zeitweise die Worte „Münster für Krieg“ zu lesen waren. Begleitend inszenierten die Aktivistinnen einen Verkauf von Blumen gegen eine fiktive Spende an die NATO. Auf Blumentöpfen stand unter anderem „Friede sei mit dir – du wirst ihn brauchen“, auf einem Plakat „Die NATO braucht Geld – Münster spendet Frieden“.
Mit der Aktion wollten die Beteiligten ihre Kritik an höheren Militärausgaben und an der Entscheidung ausdrücken, den Westfälischen Friedenspreis an die NATO zu vergeben. „Wir dachten, es wäre nur ehrlich, diese Wiese umzugestalten, wenn der Preis der Friedensstadt jetzt an die NATO geht“, erklärte eine Aktivistin vor Ort. Aussagen über Aufrüstung, Wehrpflicht oder die Rolle der USA innerhalb des Bündnisses sind dabei politische Bewertungen der Protestierenden.
Der Blumenschriftzug selbst trägt seit 2022 eine Friedensbotschaft. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine änderte die Stadt den früheren Schriftzug „Münster bekennt Farbe“ in „Münster für Frieden“. Die rund 70 Meter lange Anlage am Kanonengraben bestand 2025 aus etwa 14.000 Eisbegonien.
Am Donnerstag wurde der Internationale Preis des Westfälischen Friedens im Historischen Rathaus an die NATO verliehen. Generalsekretär Mark Rutte nahm die Auszeichnung für das Bündnis entgegen, Bundeskanzler Friedrich Merz hielt die Laudatio. Der Jugendpreis ging an „socioMovens – Giving Europe a Soul“. Insgesamt ist der Preis mit 100.000 Euro dotiert.
Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass die NATO aus ihrer Sicht durch Stabilität, verbindliche Sicherheitsstrukturen und internationale Zusammenarbeit zum Frieden beitrage. Auch Merz verteidigte die Auszeichnung und bezeichnete das Bündnis als wichtigen Bestandteil der euroatlantischen Sicherheits- und Friedensordnung.
Die Entscheidung war bereits im Vorfeld auf deutliche Kritik gestoßen. Am 25. September wurde als Gegenentwurf erstmals ein mit 10.000 Euro dotierter Alternativer Westfälischer Friedenspreis verliehen. Er ging an Connection e.V., einen Verein, der sich unter anderem für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure einsetzt.






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