
Münster. Konzernchef Carsten Spohr hat in einem Interview angekündigt, dass die Lufthansa-Gruppe rund 100 innerdeutsche Flüge pro Woche im Sommer 2026 streichen könnte. Als konkrete Beispiele nannte er ausdrücklich die Verbindung München Münster Osnabrück (FMO) sowie München Dresden. Diese Strecken seien derzeit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Grundlage der Aussage ist ein Interview Spohrs mit der Welt am Sonntag, das am 18. Oktober 2025 veröffentlicht wurde.
Hintergrund der Überlegungen sind steigende Standortkosten, höhere Steuern und Gebühren sowie ein struktureller Rückgang der Inlandsnachfrage. Laut Spohr habe sich der innerdeutsche Flugverkehr nach der Corona-Pandemie deutlich schwächer erholt als der internationale Markt. Besonders Geschäftsreisende würden zunehmend auf digitale Formate oder die Bahn ausweichen, wodurch einige Regionalverbindungen dauerhaft defizitär geworden seien.
Für den Flughafen Münster Osnabrück wäre ein möglicher Wegfall der München-Strecke ein schwerer Einschnitt. Nach offiziellen Angaben war die Route zuletzt die einzige verbliebene Lufthansa-Drehkreuzverbindung, seitdem die Flüge nach Frankfurt im Oktober 2024 eingestellt wurden. Die Linie nach München gilt als zentrale Anbindung des Münsterlands an das internationale Streckennetz der Lufthansa.
Mit mehr als 200.000 Passagieren pro Jahr zählt die Verbindung zu den wichtigsten Strecken des Regionalflughafens. Eine Streichung würde nicht nur den Flughafen selbst treffen, sondern auch zahlreiche Unternehmen, Hochschulen und Institutionen in der Region, die regelmäßig über München zu internationalen Zielen weiterreisen. Vertreter aus Wirtschaft und Politik im Münsterland hatten bereits mehrfach betont, dass die Luftanbindung ein entscheidender Standortfaktor sei.
Bislang liegt keine offizielle Stellungnahme der Lufthansa oder des Flughafens zu den konkreten Auswirkungen vor. Entscheidungen über Anpassungen im Flugplan werden voraussichtlich erst im Zuge der Veröffentlichung des Sommerflugplans 2026 erwartet.
Die geplanten Kürzungen stehen im Zusammenhang mit dem laufenden Sparprogramm „Turnaround“, das der Konzern bereits 2023 eingeleitet hat. Ziel ist es, die Profitabilität langfristig zu sichern und die Verwaltung zu verschlanken. Bis 2030 sollen rund 4.000 Stellen, vor allem in administrativen Bereichen, abgebaut werden.
Trotz der Einsparungen bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. 2024 erzielte die Lufthansa einen Gewinn von rund 1,4 Milliarden Euro, nach knapp 2,2 Milliarden im Jahr 2018. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Gewinn bei 127 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 265 Millionen Euro verzeichnet worden war. Dennoch schreibt die Kernmarke Lufthansa Airlines weiterhin Verluste – allein im ersten Halbjahr 2025 belief sich das Minus auf etwa 300 Millionen Euro.
Als Hauptursachen gelten die veraltete Flotte mit hohem Treibstoffverbrauch, gestiegene Personalkosten und eine komplexe Konzernstruktur mit zahlreichen Flugzeugtypen. Verzögerungen bei Auslieferungen von Boeing- und Airbus-Maschinen erschweren den Modernisierungskurs zusätzlich. Fachleute verweisen darauf, dass gesunkene Treibstoffkosten zuletzt zur Stabilisierung beitrugen, während Personal- und Gebührenkosten spürbar anstiegen.
Auch die staatlichen Standortkosten in Deutschland haben sich seit 2019 nahezu verdoppelt, ein Punkt, den Spohr im aktuellen Interview besonders hervorhebt. Die Lufthansa fordert deshalb politische Entlastungen bei Luftverkehrssteuern und Gebühren. Ohne spürbare Senkungen, so die Einschätzung aus Konzernkreisen, drohten weitere Streckenstreichungen im Inland.
Der Luftverkehr innerhalb Deutschlands hat seit Jahren mit sinkenden Passagierzahlen zu kämpfen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts liegt das Aufkommen weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Viele Unternehmen setzen auf Videokonferenzen oder kombinierte Bahnreisen, während sich die Diskussion über den Klimaschutz ebenfalls auf das Buchungsverhalten auswirkt.
Für Fluggesellschaften wie Lufthansa bedeutet das, dass Kurzstreckenflüge mit geringer Auslastung immer schwerer rentabel zu betreiben sind. Hinzu kommen gestiegene Energiepreise, höhere Personalkosten und zusätzliche Abgaben, die den Kostendruck weiter erhöhen. Branchenbeobachter gehen daher davon aus, dass sich das innerdeutsche Streckennetz auch in den kommenden Jahren weiter ausdünnen wird, besonders auf jenen Routen, die bereits jetzt als verlustreich gelten.
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