Münster stellt Statistik um: Neuer Begriff ersetzt Migrationsvorgeschichte

Eine Petition kritisiert massive Verzögerungen bei Einbürgerungen in Münster. Tausende Anträge liegen demnach unbearbeitet vor. Forderung nach Transparenz.
Foto: Caroline Muffert

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Münster richtet seine Bevölkerungsstatistik neu aus und führt den Begriff Einwanderungsgeschichte ein. Die Änderung ist bereits verwaltungsseitig vorbereitet und soll ab Ende 2025 gelten.

Grundlage ist eine Berichtsvorlage der Stadt, die im Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration vorgestellt wird. Eine politische Entscheidung ist dafür nicht erforderlich, da es sich um eine fachliche Anpassung der Statistik handelt.

Abschied von einem umstrittenen Begriff

Über viele Jahre hat Münster mit der sogenannten Migrationsvorgeschichte gearbeitet, um die Zusammensetzung der Bevölkerung statistisch zu erfassen. Die Definition wurde eigens für die Stadt entwickelt und basierte auf Angaben wie Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Auch die Herkunft der Eltern floss in die Auswertung ein, wodurch sich differenzierte, aber teils komplexe Kategorien ergaben.

Inzwischen steht dieses Konzept zunehmend in der Kritik. In wissenschaftlichen und politischen Debatten wird der Begriff als nicht mehr zeitgemäß bewertet. Kritiker sehen darin eine problematische Kategorisierung, die gesellschaftliche Vielfalt nicht angemessen abbilde und teilweise stigmatisierend wirken könne.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die bisherige Berechnung war kaum mit Daten anderer Städte oder bundesweiten Statistiken vergleichbar. Gerade für Themen wie Integration, Bildung oder soziale Entwicklung ist eine solche Vergleichbarkeit jedoch entscheidend. Die Stadt reagiert nun auf beide Punkte und verabschiedet sich von der bisherigen Systematik.

Neue Logik: Wer künftig erfasst wird

Mit der Einführung der Einwanderungsgeschichte folgt Münster einer bundesweit abgestimmten Definition. Im Mittelpunkt steht künftig die Frage, ob eine Person selbst oder ihre Eltern nach Deutschland eingewandert sind. Entscheidend ist dabei der Geburtsort, während die Staatsangehörigkeit keine Rolle mehr spielt.

Die neue Statistik unterscheidet klar zwischen Menschen, die selbst eingewandert sind, und jenen, deren Eltern eingewandert sind. Zusätzlich wird erfasst, ob die Einwanderungsgeschichte von einem oder beiden Elternteilen ausgeht. Damit bleibt die familiäre Dimension erhalten, allerdings in deutlich reduzierter Form.

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Gleichzeitig entfallen frühere Detailkategorien, etwa spezielle Einordnungen nach rechtlichem Status oder historischen Herkunftsgruppen. Die Statistik wird dadurch übersichtlicher und näher an bundesweiten Standards ausgerichtet. Für die Stadt bedeutet das auch eine bessere Grundlage für Vergleiche und Analysen.

Zahlen verändern sich kaum – die Perspektive schon

Erste Auswertungen zeigen, dass sich durch die neue Berechnung nur geringe Verschiebungen ergeben. Der Anteil der Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt nur leicht unter den bisherigen Werten zur Migrationsvorgeschichte. Die Differenz bewegt sich im Bereich von rund einem Prozentpunkt.

Auch bei der Betrachtung nach Geschlecht oder Altersgruppen bleibt das Bild weitgehend stabil. Die grundlegende Struktur der Bevölkerung in Münster verändert sich also nicht wesentlich durch die neue Definition.

Der eigentliche Unterschied liegt in der Perspektive. Während die bisherige Statistik stärker zwischen verschiedenen Gruppen differenzierte, setzt das neue Modell auf eine klarere und einheitlichere Beschreibung. Damit verändert sich weniger die Realität als vielmehr die Art, wie sie statistisch dargestellt wird.

Klare Umstellung ab Ende 2025

Die neue Definition soll mit einem festen Stichtag eingeführt werden. Ab dem 31. Dezember 2025 wird die Einwanderungsgeschichte die bisherige Migrationsvorgeschichte vollständig ersetzen. Die alte Zeitreihe wird nicht weitergeführt.

Um Entwicklungen dennoch nachvollziehbar zu halten, werden die neuen Werte für die Jahre ab 2023 rückwirkend berechnet. So entsteht eine neue Datengrundlage, die zumindest einen begrenzten Vergleich ermöglicht. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass beide Systeme nicht vollständig miteinander vergleichbar sind.

Für Verwaltung und Politik bedeutet die Umstellung vor allem eines: mehr Transparenz und bessere Vergleichbarkeit. Für die Stadt Münster ist sie zugleich ein Signal, die eigene Statistik an gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle fachliche Standards anzupassen.

 

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