ÖPNV mit Millionenpublikum: Münster plant langfristige Lösung

Zukunft der Buslinie 4 in Münster beschäftigt Politik und Stadtwerke
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Der Busverkehr in Münster soll auch über das Jahr 2027 hinaus in kommunaler Hand bleiben. Die Stadt plant, das gesamte Stadtbusnetz ab dem 1. Januar 2028 direkt an eine neu zu gründende Tochtergesellschaft der Stadtwerke zu vergeben. Der Rat soll Ende März eine entsprechende Grundsatzentscheidung treffen.

Geplant ist eine Vergabe bis zum 31. Dezember 2037. Damit würde der ÖPNV in Münster organisatorisch neu aufgestellt, ohne ihn europaweit auszuschreiben. Für die Stadt geht es dabei um weit mehr als eine formale Vertragsverlängerung. Es geht um die langfristige Steuerung eines Systems, das jährlich Millionen Menschen bewegt.

31,9 Millionen Fahrgäste pro Jahr: Warum die Entscheidung Gewicht hat

Der Stadtbus Münster ist ein zentrales Rückgrat der Mobilität in der Stadt. Nach aktuellen Angaben der Stadtwerke nutzten im vergangenen Jahr 31,9 Millionen Fahrgäste die Busse im Stadtgebiet. Gleichzeitig stieg die Zahl der Nahverkehrsabonnements auf mehr als 60.000. Vor allem das Deutschlandticket sorgte für einen deutlichen Zuwachs. Allein im Fahrdienst sind rund 286 Beschäftigte im Einsatz.

Das Netz selbst ist komplex aufgebaut. Im Tagesverkehr bedienen 22 Stadtbuslinien das Stadtgebiet in einem Grundtakt von meist 20 Minuten. Ergänzt wird das Angebot durch mehrere Taxibuslinien. Abends übernimmt ein Nachtnetz mit sechs Nachtbuslinien sowie zusätzlichen Taxibusverbindungen. Zentrale Verknüpfungspunkte, abgestimmte Anschlüsse und Durchmesserlinien sorgen dafür, dass das System als integriertes Gesamtnetz funktioniert.

Wie stark einzelne Maßnahmen wirken können, zeigt die Ringlinie 33 und 34. Sie wurde Ende 2024 neu eingeführt und erreichte innerhalb eines Jahres rund 800.000 Fahrgäste. Für die Stadt ist das ein Beleg dafür, dass Netzgestaltung und Taktverdichtung direkte Auswirkungen auf die Nutzung haben.

Vor diesem Hintergrund läuft der aktuelle Vertrag Ende 2027 aus. Münster ist gesetzlich verpflichtet, eine ausreichende Verkehrsbedienung sicherzustellen. Nun muss eine Anschlussregelung vorbereitet werden.

Neue Stadtwerke-Tochter soll den ÖPNV Münster steuern

Die Verwaltung empfiehlt, den Busverkehr Münster nicht europaweit auszuschreiben, sondern direkt an ein eigenes Unternehmen zu vergeben. Kern des Plans ist die Gründung einer neuen Gesellschaft mit dem Arbeitstitel Stadtwerke Münster Mobilität GmbH. Auf diese Tochter soll der Verkehrsbetrieb ausgegliedert werden. Anschließend soll die Stadt den öffentlichen Dienstleistungsauftrag im Wege einer sogenannten Inhouse-Vergabe direkt erteilen.

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Eine unmittelbare Vergabe an die bestehende Stadtwerke Münster GmbH ist rechtlich nicht möglich, da das Unternehmen einen großen Teil seiner Umsätze im Energiegeschäft erzielt. Durch die organisatorische Trennung können die vergaberechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Gleichzeitig soll die neue Gesellschaft eng mit der Stadtwerke-Gruppe verbunden bleiben. Ein einheitlicher Marktauftritt, die Beibehaltung tariflicher Regelungen und personelle Verzahnungen in der Geschäftsführung sind vorgesehen.

Auch steuerliche Fragen spielen eine wichtige Rolle. Der bisherige Querverbund zwischen Energie- und Verkehrsbereich soll erhalten bleiben. Dafür will die Stadt eine verbindliche Auskunft beim Finanzamt einholen. Für externe Beratung im Zuge der komplexen Vergabestruktur sind nach Angaben der Verwaltung rund 100.000 Euro eingeplant, verteilt auf die Jahre 2026 und 2027.

Elektrifizierung, Masterplan und langfristige Steuerung

Die Entscheidung betrifft nicht nur die heutige Struktur, sondern auch die künftige Entwicklung des Stadtbus Münster. Der Masterplan Mobilität Münster 2035+ setzt klare Ziele für den Umweltverbund. Bereits heute werden rund drei Viertel aller Wege in Münster zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zurückgelegt. Der ÖPNV spielt dabei eine zentrale Rolle.

Parallel treiben die Stadtwerke die Elektrifizierung der Flotte voran. Von rund 120 Bussen sind inzwischen nahezu alle auf Elektroantrieb umgestellt oder dafür vorgesehen. Spätestens 2029 soll der letzte Dieselbus aus dem Stadtverkehr verschwinden. An zahlreichen Endhaltestellen wurden Ladepunkte installiert, weitere folgen in den kommenden Jahren. Damit wird der Busverkehr Münster auch ökologisch neu ausgerichtet.

Mit einer Direktvergabe über zehn Jahre will die Stadt Planungssicherheit schaffen und zugleich flexibel bleiben. Anpassungen am Leistungsumfang sollen weiterhin möglich sein, etwa wenn der neue Nahverkehrsplan beschlossen wird oder Takte verdichtet werden müssen.

Bevor die Vergabe wirksam werden kann, muss Münster seine Absicht im EU-Amtsblatt veröffentlichen. Danach gilt eine einjährige Wartefrist. In dieser Zeit könnten andere Unternehmen einen eigenwirtschaftlichen Betrieb beantragen. Nur wenn kein genehmigungsfähiger Antrag eingeht, darf die Stadt den Auftrag direkt vergeben.

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