
Münster. Der Konflikt um die Räume der ehemaligen „Alten Post“ in Berg Fidel spitzt sich zu. Die Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch wirft der LEG Immobilien SE vor, mit der Kündigung des Nachbarschaftstreffs einen wichtigen Ort im Stadtteil zu gefährden. Zugleich kritisiert die Initiative die Bezirksvertretung Münster-Hiltrup und Bezirksbürgermeister Friedhelm Schade. Nach Darstellung des Vereins fehlten bislang konkrete politische Schritte, um den Treffpunkt am Rincklakeweg 21 dauerhaft zu sichern.
Der Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V. nutzt das Ladenlokal seit April 2025 als Treffpunkt, Beratungsstelle und Veranstaltungsort. Nach Angaben der Initiative sollte das Mietverhältnis Ende März 2026 enden. Berg Fidel Solidarisch erkennt die Kündigung jedoch nicht an und setzt die Arbeit in den Räumen fort.
Rund 20 Mitglieder der Stadtteilgewerkschaft kamen nach eigenen Angaben zur Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup im Preußenstadion. Hintergrund war die Kritik, dass Bezirksbürgermeister Friedhelm Schade Einladungen aus dem Stadtteil über Monate nicht angenommen habe, während es regelmäßige Kontakte zwischen Bezirkspolitik und LEG gebe.
Phillip Hocks von Berg Fidel Solidarisch sagte dazu: „Es ist für uns absolut unverständlich und ein absoluter Skandal, dass ein gewählter Vertreter unseres Stadtteils zwar bereit ist, sich mit dem Unternehmen an einen Tisch zu setzen, welches für die unhaltbaren Zustände in Berg Fidel verantwortlich ist, aber nicht willens ist, mit einer lokalen Nachbarschaftsinitiative in den Austausch zu gehen.“ Inzwischen soll es am Montag, 1. Juni 2026, zu einem Gespräch mit Schade kommen. Die Initiative erwartet dort Vorschläge, wie die Kündigung abgewendet und der Stadtteil gestärkt werden kann.
Die LEG verfügt in Berg Fidel über einen großen Wohnungsbestand. Der Konzern selbst nennt 690 Wohnungen im Quartier und verweist auf Modernisierungsinvestitionen in Millionenhöhe. In der politischen Debatte ist häufig von mehr als 700 Wohnungen die Rede. Berg Fidel Solidarisch sieht darin eine starke Stellung des Unternehmens und fordert von der Lokalpolitik mehr Durchsetzungskraft.
Bereits in einer früheren Sitzung hatte Marvin Feldmann für die Initiative gefragt, welche konkreten Verbesserungen die Gespräche mit der LEG für die Mieterinnen und Mieter gebracht hätten. Die bisherige Bewertung der Bezirkspolitik reicht dem Verein nicht aus. Feldmann sagte: „Die Antwort, dass regelmäßige Gespräche von Politiker mit der LEG bereits an sich als Erfolg zu werten sind, lehnen wir rundherum ab.“ Gespräche allein stellten für die Menschen vor Ort keinen Mehrwert dar.
Teil des Konflikts ist auch eine Anregung nach § 24 der Gemeindeordnung NRW. Berg Fidel Solidarisch hatte gefordert, dass die Bezirksvertretung die LEG geschlossen zur Rücknahme der Kündigung und zur dauerhaften Nutzung der Räume auffordert. Nach Darstellung der Initiative wurde die Anregung ohne politische Diskussion an die Stadtverwaltung weitergeleitet.
Leonard Beving von Berg Fidel Solidarisch kritisierte dieses Vorgehen: „Aus unserer Sicht sollte die Politik in der Lage sein, von einem Immobilienunternehmen demokratisches Verhalten einzufordern.“ Bei der aktuellen Sitzung ging die Initiative noch weiter und forderte eine Prüfung, ob durch Enteignung einzelner Mietobjekte Räume für Selbstorganisation im Stadtteil gesichert werden könnten. Diese Forderung ist politisch weitreichend und zeigt, wie zugespitzt der Konflikt inzwischen ist.
Neben der Kündigung des Nachbarschaftstreffs verweist Berg Fidel Solidarisch auf weitere Entwicklungen im Stadtteil. Genannt werden die Schließung einer Arztpraxis, das Ende eines Cafés mit integrierter Postfiliale sowie frühere Standortaufgaben von Sparkasse, Bäckerei und weiteren Geschäften. Aus Sicht der Initiative droht Berg Fidel dadurch weiter an sozialer und alltäglicher Infrastruktur zu verlieren.
Natalia Sikach von Berg Fidel Solidarisch sagte: „Immer mehr Geschäfte schließen und es gibt immer weniger Angebote hier bei uns vor Ort.“ Die Schließung der Arztpraxis sei für viele Menschen eine große Belastung. Zugleich solle mit dem Nachbarschaftstreff aus Sicht der Initiative einer der letzten belebten Orte in der Geschäftszeile wegfallen. Ob das angekündigte Gespräch mit Bezirksbürgermeister Schade Bewegung in den Konflikt bringt, bleibt offen.
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