Alkoholunfälle nehmen zu: Münsters Verkehrszahlen 2024 bereiten Sorge

Verkehrsunfälle im Kreis Steinfurt: Mehrere Autofahrer und ein Fahrradfahrer waren am Wochenende unter Alkoholeinfluss unterwegs.
Foto: Miguel Ángel Ramón

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Münster/AI. Die neuen Zahlen des Statistischen Landesamts IT.NRW zeigen deutlich, wie sich die Unfallstatistik in Münster 2024 verändert hat. Insgesamt registrierte die Polizei 1.571 Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Stadtgebiet. Die Gesamtzahl aller Unfälle – also inklusive Sachschäden – liegt bei 11.306 Fällen und damit deutlich höher als noch 2020, als weniger als 9.800 Unfälle erfasst wurden.

Parallel stellt die Stadt Münster in ihrer eigenen Broschüre „Verkehrssicherheit“ 1.385 Unfälle mit Verletzten fest. Die leichte Abweichung beider Werte ist typisch für unterschiedliche Datenstände, Stichtagsregelungen oder Abgrenzungen zwischen Stadtgebiet und Polizeibezirk.

Deutlicher Anstieg bei alkoholbedingten Unfällen

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Unfällen unter Alkoholeinfluss. 81 Unfälle mit betrunkenen Pkw-Fahrerinnen und -Fahrern wurden 2024 gezählt – deutlich mehr als 2023 (64 Fälle). In den Vorjahren schwankten die Werte erheblich:

  • 2022: 104

  • 2021: 100

  • 2020: 65

Damit zeigt Münster 2024 einen klaren Anstieg, während der Landestrend in eine andere Richtung weist: NRW meldet mit 2.979 alkoholbedingten Unfallursachen einen Rückgang um 7,3 Prozent. Münster bildet damit eine deutliche Ausnahme im Landesvergleich.

Unfallstatistik Münster 2024: Die Ursachen im Überblick

Bei Unfällen mit Verletzten dominieren auch 2024 klassische Fahrfehler und Missachtungen von Verkehrsregeln. Besonders häufig waren:

  • Fehler beim Abbiegen: 235 Fälle

  • Sicherheitsabstand nicht eingehalten: 216 Fälle

  • Vorfahrt missachtet: 210 Fälle

  • Fehler beim Überholen: 53 Fälle

  • Nicht angepasste Geschwindigkeit: 35 Fälle

  • Fehlverhalten gegenüber Fußgängerinnen und Fußgängern: 29 Fälle

Hinzu kommen 73 Unfälle, bei denen Fußgängerinnen und Fußgänger selbst die Hauptschuld trugen, sowie 35 Fälle, die auf schlechte Straßenverhältnisse zurückgehen.

Wer in Münster besonders gefährdet ist

Die detaillierte Unfallübersicht der Stadt Münster zeigt, dass 1.585 Menschen im Straßenverkehr verletzt wurden. Besonders betroffen sind jene Gruppen, die im städtischen Verkehr am wenigsten geschützt sind:

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  • 610 Radfahrende

  • 234 Pedelec-Fahrende

  • 139 Fußgängerinnen und Fußgänger

  • 88 E-Scooter-Fahrende

  • 391 Pkw-Insassen

Damit entfallen rund 53 Prozent aller Verunglückten auf Rad- und Pedelec-Fahrende – ein Wert, der den hohen Radverkehrsanteil in Münster widerspiegelt.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern und Seniorinnen und Senioren:

  • 103 verletzte Kinder unter 15 Jahren

  • 247 verletzte junge Erwachsene (18–24 Jahre)

  • 242 verletzte Personen ab 65 Jahren

Diese Altersgruppen gelten als besonders gefährdet und stehen daher im Fokus städtischer Sicherheitsprogramme.

Münster als Ausnahme im NRW-Vergleich

Während Münster bei alkoholbedingten Unfällen einen Anstieg verzeichnet, geht die Entwicklung landesweit in die andere Richtung. In NRW sinkt die Zahl der Alkoholunfälle kontinuierlich seit 2022.

Auch insgesamt wirkt das Verkehrsgeschehen in NRW stabiler als in Münster:

  • 62.741 Unfälle mit Personenschaden landesweit (–0,8 % im Vergleich zu 2023)

  • 643.000 Unfälle gesamt

  • 485 Verkehrstote, ein Anstieg um 7,8 %

Im Vergleich dazu zeigt Münster deutlicher steigende Unfallzahlen – sowohl absolut als auch bei besonders sensiblen Gruppen wie Kindern und älteren Menschen.

Bedeutung für die Verkehrssicherheitsarbeit in der Fahrradstadt Münster

Die aktuellen Zahlen unterstreichen, wie groß der Handlungsbedarf in Münster bleibt. Die Stadt hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, etwa im Rahmen des Programms „Eine verkehrssichere Stadt für alle“.

Die Schwerpunkte liegen insbesondere auf:

  • sichereren Schulwegen,

  • Infrastrukturmaßnahmen für Radverkehr und Pedelecs,

  • seniorengerechten Mobilitätsangeboten,

  • und verstärkter Präventionsarbeit gegen Alkohol am Steuer.

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