
Münster. Der Streit um den Umgang der Studierendenwerke in Nordrhein-Westfalen mit der AfD hat nun auch die Hochschulpolitik in Münster mit voller Wucht erreicht. Das Studierendenparlament der Universität Münster hat sich am Montagabend gegen Kontakte zur AfD positioniert und den Rücktritt von Dr. Christoph Holtwisch gefordert. Auslöser ist die Debatte über den Kurs der Arbeitsgemeinschaft der Studierendenwerke NRW, deren Sprecher Holtwisch ist. Öffentlich bekannt ist, dass die ARGE den wissenschaftspolitischen Sprecher der AfD-Fraktion seit 2018 in ihre jährlichen Fachgespräche mit den Fraktionen einbezieht und ihm auch Unterlagen wie ein Fachgutachten zur Hochschulgastronomie übermittelt hat.
Aus Sicht der Studierenden ist der Konflikt längst mehr als eine abstrakte landespolitische Auseinandersetzung. In Münster richtet sich die Kritik direkt gegen Holtwisch, weil er nicht nur Sprecher der ARGE ist, sondern zugleich Geschäftsführer des Studierendenwerks Münster. Genau daraus leitet das Studierendenparlament seine Forderung nach personellen Konsequenzen ab. Die Debatte dreht sich damit nicht nur um politische Kommunikation auf Landesebene, sondern auch um die Frage, welche Haltung das Studierendenwerk vor Ort im Umgang mit der AfD einnimmt.
Die ARGE der Studierendenwerke NRW weist die Kritik zurück und verteidigt den bisherigen Umgang ausdrücklich. In einer Stellungnahme vom 29. März heißt es, die Studierendenwerke handelten parteipolitisch neutral und stünden mit Vertreterinnen und Vertretern aller demokratisch gewählten Fraktionen im Landtag im Austausch. Nach Darstellung der ARGE wurde diese Praxis im vergangenen Jahr intern beraten und per Mehrheitsbeschluss bestätigt. Die Linie lautet also weiterhin, dass die Interessen der Studierendenwerke gegenüber dem gesamten Parlament vertreten werden müssten, unabhängig von parteipolitischen Konflikten.
Gerade diese Argumentation sorgt an der Uni Münster nun für deutlichen Widerstand. Kritiker sehen in dem Austausch mit der AfD keine neutrale Interessenvertretung, sondern eine problematische Form institutioneller Normalisierung. Für viele Studierende geht es dabei nicht nur um formale Gesprächskanäle, sondern um eine politische Grenzziehung. Dass der Protest in Münster so scharf ausfällt, liegt auch daran, dass sich der landesweite Kurs der ARGE hier mit einer konkreten Person und einer konkreten Institution verbindet.
Christoph Holtwisch selbst hat die Vorwürfe deutlich zurückgewiesen. In der Stellungnahme der ARGE erklärt er, er sei „als ausgewiesener Demokrat“ entsetzt darüber, dass das Recht der Studierendenwerke infrage gestellt werde, die Interessen der Studierenden gegenüber dem gesamten Landtag zu vertreten. Die ARGE spricht in diesem Zusammenhang von einer politischen Kampagne und betont, alle Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der NRW-Studierendenwerke stünden klar gegen Extremismus jeder Art. Zugleich kündigt der Verband an, die bisherige Linie wegen der aktuellen Diskussion noch einmal strukturiert zu überprüfen.
Mit der Entscheidung des Studierendenparlaments ist die Debatte nun endgültig an der Universität Münster angekommen. Die 16. Sitzung des 68. Studierendenparlaments fand am Montag, 30. März 2026, statt. Der vollständige Beschlusstext war zuletzt noch nicht auf der Seite des StuPa veröffentlicht. Klar ist aber bereits die politische Richtung: Das Parlament verlangt eine deutliche Abgrenzung gegenüber der AfD und verbindet diese Forderung mit scharfer Kritik an Holtwisch. Damit dürfte der Druck auf das Studierendenwerk Münster weiter steigen.
Der Fall zeigt zugleich, wie grundlegend die Auseinandersetzung inzwischen geworden ist. Im Kern geht es um die Frage, ob öffentlich-rechtliche Einrichtungen aus institutioneller Neutralität heraus mit allen parlamentarisch vertretenen Fraktionen sprechen müssen oder ob der Umgang mit der AfD eine politische und demokratische Grenze markiert, die auch im Hochschulbereich nicht überschritten werden sollte. Genau an dieser Frage entzündet sich nun der Konflikt in Münster.
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