Universität Münster erhält Millionenförderung für zwei langfristige KI-Forschungsprojekte

Universität Münster erhält fast 20 Millionen Euro für zwei neue Langzeitprojekte zur KI-gestützten Forschung historischer Quellen.
Foto: Uni Münster - Peter Leßmann

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Münster. Die KI-Forschung der Universität Münster erhält einen starken Impuls: Bund und Länder fördern zwei große geisteswissenschaftliche Langzeitprojekte der Hochschule mit insgesamt knapp 20 Millionen Euro. Beide Vorhaben beginnen am 1. Januar 2026 und laufen über 15 beziehungsweise 25 Jahre. Das Akademienprogramm gilt als wichtigstes Langzeitinstrument für geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung in Deutschland und wird von der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert.

Historische Quellen im Fokus: Vatikanische Dokumente und ägyptische Papyri

Die geförderten Projekte widmen sich zwei sehr unterschiedlichen, aber international bedeutenden Quellenbeständen. Ein Forschungsteam aus Münster und Berlin analysiert zehntausende Dokumente aus den vatikanischen Archiven, die sich mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit befassen. Parallel dazu arbeitet ein weiteres Team in Münster und Köln an der systematischen Erschließung tausender Papyrusfragmente aus dem antiken Ägypten – ein Bestand, der seit Jahrzehnten größtenteils unveröffentlicht geblieben ist.

15,4 Millionen Euro für Forschung zum Umgang des Vatikans mit jüdischen Hilfsgesuchen

Der größere der beiden Förderbeträge – rund 15,4 Millionen Euro – fließt in das Projekt unter Leitung des Kirchenhistorikers Hubert Wolf. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team sollen etwa 10.000 Bittschreiben jüdischer Menschen untersucht werden, die sich während der NS-Zeit an Papst Pius XII. wandten. Die Dokumente umfassen rund 17.000 Seiten in zahlreichen Sprachen und sind erst seit 2020 für die Forschung zugänglich.
Neben der historischen Analyse sollen moderne KI-Methoden helfen, Muster in den vatikanischen Entscheidungsprozessen zu erkennen und die erschlossenen Quellen in einer digitalen Edition zugänglich zu machen.

4,3 Millionen Euro für Papyrusforschung: Mumienfunde als Schlüssel zum hellenistischen Ägypten

Das zweite Projekt befasst sich mit mehr als 20.000 Papyrusfragmenten, die Anfang des 20. Jahrhunderts im ägyptischen Tebtynis geborgen wurden. Viele der Schriftstücke wurden einst zur Ummantelung von Krokodil- oder Menschenmumien genutzt und sind bis heute unerforscht.
Ein Team um den Althistoriker Patrick Sänger will mithilfe künstlicher Intelligenz herausfinden, welche Fragmente zusammengehören und welche Texte sich daraus rekonstruieren lassen. Der Bestand, der sich in der Bancroft Library der University of California befindet, enthält literarische Werke, amtliche Schreiben, Verträge und Alltagsdokumente in altgriechischer Sprache.

Bedeutung für die internationale Wissenschaftslandschaft

Mit der Förderung schließt die Universität Münster an bestehende Langzeitprojekte an, die ebenfalls Teil des Akademienprogramms sind. Dazu gehören unter anderem Editionsarbeiten am Neuen Testament, ein großräumiger Dialektatlas für Westdeutschland und ein Projekt zur Münsteraner Philosophiegeschichte.
Die neuen Vorhaben stärken die internationale Sichtbarkeit der Forschenden zusätzlich. Insbesondere die Kooperation mit der Papyrussammlung in Berkeley und digitalen Forschungseinrichtungen in Köln schafft langfristige Strukturen, die weit über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfalten sollen.

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KI als Werkzeug der Geisteswissenschaften

Beide Projekte zeigen, wie stark sich die geisteswissenschaftliche Forschung durch digitale Methoden verändert. Mit künstlicher Intelligenz sollen komplexe Dokumentenkorpora erschlossen, Texte rekonstruiert und historische Zusammenhänge sichtbar gemacht werden. Die Ergebnisse sollen öffentlich zugänglich präsentiert werden – inklusive benutzerfreundlicher Online-Plattformen für Wissenschaft, Medien und interessierte Nachfahren der betroffenen Personen.

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