Urzeitliches Riff in Münster zeigt eine versunkene Welt aus Westfalen

Urzeitliches Riff in Münster zeigt eine versunkene Welt aus Westfalen
Mayla Renz-Kiefel, geologisch-paläontologische Präparatorin im LWL-Museum für Naturkunde, hat mit ihren Kolleg:innen viele Wochen lang an der Riff-Nachbildung gebaut. Foto: LWL/Pott

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Münster. Ein tropisches Meer, ausgestorbene Korallen und urtümliche Fische werden bald im LWL-Museum für Naturkunde Münster sichtbar. Für die neue Ausstellung „Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen“ entsteht dort derzeit eine große Nachbildung eines Riffs aus dem Devon, das ab dem 10. Juli für Besucher zu sehen sein soll.

LWL-Museum für Naturkunde Münster baut ein Devon-Riff nach

Das LWL-Museum für Naturkunde Münster arbeitet derzeit an einem ungewöhnlichen Blick in die Erdgeschichte. Wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mitteilt, entsteht für die neue Ausstellung eine rund 4,5 Meter lange, zwei Meter breite und drei Meter hohe Nachbildung eines Devon-Riffs. Die Präparatoren nutzen dafür unter anderem Holz, Styrodur, Draht, Gips, Farbe und digitale Verfahren. Ziel ist es, einen Lebensraum sichtbar zu machen, der mehrere hundert Millionen Jahre zurückliegt.

Die Ausstellung Münster zeigt damit nicht nur Fossilien oder einzelne Objekte, sondern eine ganze rekonstruierte Unterwasserwelt. Die Planungen und ersten Arbeiten begannen nach Angaben des LWL bereits 2024. Seitdem werden zahlreiche Einzelteile gefertigt, modelliert, bemalt und in die Rifflandschaft eingefügt. Insgesamt besteht die Nachbildung aus rund 1.400 Objekten. Sie wurden teils von Hand hergestellt, teils digital modelliert und anschließend über Abgusstechniken, Scans oder 3D-Druck vervielfältigt. Für die Farbgebung kommen Airbrush, Acrylfarben und Pigmente zum Einsatz.

Was das urzeitliche Riff über Westfalen erzählt

Das Devon begann vor rund 420 Millionen Jahren und endete vor etwa 359 Millionen Jahren. Das heutige Westfalen lag damals nach Angaben des LWL unter einem tropischen Flachmeer am Rand eines großen Kontinents. Dort konnten Riffe entstehen, die vor allem von Schwämmen und Korallen aufgebaut wurden. Zwischen ihnen lebten Seelilien, Muscheln, Brachiopoden, Schnecken, Kopffüßer und frühe Fische.

Damit macht die neue Präsentation im Naturkundemuseum Münster auch deutlich, wie stark sich die Landschaft der Region im Verlauf der Erdgeschichte verändert hat. Wo heute Städte, Straßen und Wälder liegen, befand sich damals ein warmer Meeresraum. Die geologisch-paläontologische Präparatorin Mayla Renz-Kiefel ordnet das Projekt laut LWL so ein, dass Riffe mehrfach in der Erdgeschichte entstanden seien und es solche Riffe auch in der Region gegeben habe.

Besonders spannend ist der Vergleich mit heutigen Korallenriffen. Auf den ersten Blick kann die Nachbildung vertraut wirken, weil Besucher Korallen, Schwämme und Fische erkennen. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich jedoch, dass viele dargestellte Arten ausgestorben sind. Auch die Fische wirken deutlich urtümlicher als heutige Meeresbewohner.

Warum das Devon-Riff auch vom Aussterben erzählt

Das Devon Riff Münster ist nicht nur ein handwerkliches Großprojekt, sondern erzählt auch von empfindlichen Ökosystemen. Riffbildende Korallen waren nach Angaben des LWL auf bestimmte Bedingungen angewiesen. Die Wassertiefe durfte höchstens etwa 35 Meter betragen, außerdem mussten die Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad Celsius liegen. Das Wasser durfte nicht zu trüb sein, und auch der Salzgehalt musste passen.

Diese Anforderungen machten die Riffgemeinschaften anfällig für Veränderungen. Im späten Devon kam es laut LWL zu Klima- und Meeresspiegelschwankungen, die schließlich zum Zusammenbruch der damaligen Riffökosysteme beitrugen. Dadurch verschwanden Lebensräume, und viele Fische überlebten nicht. Die neue Ausstellung verknüpft deshalb die Faszination für urzeitliches Leben mit der Frage, wie abhängig Arten von stabilen Umweltbedingungen sind.

Für die Präparation bedeutet das eine besondere Aufgabe. Nicht nur einzelne Tiere, sondern Beziehungen zwischen Lebensraum, Klima und Artenvielfalt müssen nachvollziehbar dargestellt werden. So entsteht ein Ausstellungsstück, das Wissenschaft, Handwerk und Gestaltung verbindet. Besucher sollen erkennen können, wie reich diese Welt war und warum sie dennoch verschwand.

Neue Ausstellung ist Teil der Paläontologischen Landesausstellung NRW

Die Ausstellung „Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen“ ist ab dem 10. Juli im LWL-Museum für Naturkunde an der Sentruper Straße 285 in Münster zu sehen. Sie gehört zur Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen, an der drei Häuser beteiligt sind. Neben dem LWL-Museum für Naturkunde Münster sind das Ruhr Museum in Essen und das Lippische Landesmuseum Detmold Teil des gemeinsamen Projekts.

Von April 2026 bis September 2027 widmen sich die drei Museen unterschiedlichen Stationen der Erdgeschichte. Dabei geht es um urzeitliche Pflanzenwelten, Dinosaurier, Tiere der Eiszeit und den Wandel des Lebens über sehr lange Zeiträume. Initiiert und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Projekt in Münster wird zudem von der LWL-Kulturstiftung und der Sparkasse Münsterland Ost unterstützt. Es ist Teil des Kulturprogramms zum Jubiläum „1250 Jahre Westfalen“, das 2025 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefeiert wurde und bis in das Jahr 2026 hineinwirkt. Für Münster entsteht damit eine Ausstellung, die regionale Erdgeschichte, Forschung und anschauliche Museumsarbeit miteinander verbindet.

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