
Münster. Aufgerissene Straßen, verengte Fahrbahnen und Sperrungen prägen derzeit an vielen Stellen das Bild in Münster. Der Ausbau und die Erneuerung des Fernwärmenetzes sind im Stadtgebiet sichtbar wie selten zuvor. Gleichzeitig bekommt Münster für seine Fernwärmestruktur im Vergleich mit anderen Großstädten gute Noten. Eine Auswertung des Climate-Tech-Unternehmens Purpose Green unter den 30 größten deutschen Städten kommt zu dem Ergebnis, dass Münster bundesweit zu den auffällig gut aufgestellten Standorten gehört. Bei der Dichte von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen pro Einwohner erreicht die Stadt Rang zwei, beim Anteil erneuerbarer KWK-Anlagen sogar Platz eins.
Grundlage der Untersuchung sind nach Angaben von Purpose Green mehr als 90.000 Datensätze aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Betrachtet wurden aktive KWK-Einheiten in den 30 größten deutschen Städten mit Stand vom 1. Dezember 2025. Münster kommt demnach auf 8,30 KWK-Einheiten pro 10.000 Einwohner und liegt damit nur hinter Stuttgart mit 9,42. Beim Anteil erneuerbarer KWK-Anlagen erreicht Münster laut der Auswertung 11,50 Prozent und damit den höchsten Wert im gesamten Vergleich. Bielefeld und Aachen folgen auf den nächsten Plätzen, der Durchschnitt der untersuchten Städte liegt bei 4,63 Prozent.
Diese Werte bedeuten nicht, dass Münster auch zu den Städten mit der größten absoluten Fernwärmeleistung zählt. Purpose Green nennt bei der thermischen Nutzleistung vor allem Berlin, Köln und Mannheim an der Spitze. Der Befund für Münster fällt anders aus: Das System ist gemessen an der Einwohnerzahl dicht ausgebaut und weist bei den erneuerbaren KWK-Anlagen einen auffällig hohen Anteil auf.
Die Richtung passt zu den Zielen der Stadt. In der kommunalen Wärmeplanung wird davon ausgegangen, dass die Fernwärme in Münster bis 2045 weiter an Bedeutung gewinnt. Ihr Anteil am Wärmemarkt soll von derzeit rund 21 Prozent auf etwa 28 Prozent steigen. Gleichzeitig macht die Stadt deutlich, dass ein großer Teil der Wärmeversorgung bislang noch von fossilen Energieträgern geprägt ist. Rund 70 Prozent der Wärmeenergie stammen derzeit aus Erdgas oder Heizöl.
Auch die Größenordnung des bestehenden Netzes zeigt, warum Fernwärme in Münster längst eine zentrale Rolle spielt. Nach Angaben der Stadtnetze Münster ist das Netz rund 200 Kilometer lang. Es versorgt bereits heute zahlreiche Haushalte und Gebäude in der Stadt.
Dass Münster bei der Fernwärme gut abschneidet, bedeutet nicht, dass der Ausbau abgeschlossen wäre. Im Gegenteil: Der laufende Umbau ist im Alltag vieler Menschen deutlich zu spüren. Ein zentrales Beispiel ist das Projekt an der Bremer Straße. Dort werden nach Angaben der Stadtnetze wichtige Transportleitungen ersetzt, die noch aus den 1970er Jahren stammen. Nach rund 50 Jahren Belastung hätten diese Leitungen ihre technische Lebensdauer erreicht. Betroffen ist eine zentrale Verbindung für die Wärmeversorgung der Innenstadt und weiterer Stadtbereiche.
Die vielen Baustellen im Stadtgebiet sind damit unmittelbarer Ausdruck einer Infrastruktur, die gleichzeitig modernisiert, erweitert und klimafreundlicher werden soll. Je stärker Münster auf Fernwärme setzt, desto größer ist zunächst auch der bauliche Eingriff im Straßenraum. Die aktuellen Belastungen im Verkehr stehen deshalb in direktem Zusammenhang mit dem Versuch, die Wärmeversorgung langfristig stabiler und klimafreundlicher aufzustellen. Diese Einordnung ergibt sich aus den Angaben zum Netzausbau und den Zielen der kommunalen Wärmeplanung.
Parallel zum Ausbau des Leitungsnetzes arbeitet Münster an der Umstellung der Wärmeerzeugung. Ein sichtbarer Baustein ist die Großwärmepumpe im Hafen. Die Stadtwerke Münster nahmen sie im September 2024 in Betrieb. Nach Unternehmensangaben verfügt sie über eine thermische Leistung von 2 Megawatt, kann Wärme für rund 800 Haushalte erzeugen und bis zu 4.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen.
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