
Münster. Auf den ersten Blick wirkt die Zahl wie ein kleiner Bauboom: Münster hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 895 Wohnungen genehmigt – rund 80 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch hinter dem starken Anstieg steckt eine Besonderheit. Mehr als jede vierte genehmigte Wohnung soll in einem neuen Nichtwohngebäude entstehen. Genau diese Kategorie macht die Baugenehmigungen in Münster 2026 besonders auffällig.
Im ersten Halbjahr 2025 waren in Münster lediglich 497 Wohnungen genehmigt worden. Binnen eines Jahres kamen damit 398 Genehmigungen hinzu. Für Wohnungen in neuen Wohngebäuden fiel der Anstieg deutlich moderater aus: Hier erhöhte sich die Zahl von 423 auf 505, ein Plus von rund 19 Prozent.
Besonders stark entwickelte sich dagegen das Bauen im Bestand. Durch Umbauten, Ausbauten und andere Maßnahmen an bestehenden Gebäuden sollen 136 Wohnungen entstehen. Im Vorjahreszeitraum waren es 68. Damit hat sich die Zahl verdoppelt.
Die auffälligste Zahl der Statistik betrifft neue Nichtwohngebäude. In dieser Kategorie wurden 254 Wohnungen genehmigt, nach nur sechs im ersten Halbjahr 2025. Damit entfallen rund 28 Prozent aller genehmigten Wohnungen in Münster auf Gebäude, die überwiegend anderen Zwecken dienen. Dazu können etwa gemischt genutzte Gebäude mit Gewerbeflächen und Wohnungen gehören.
Auch im bundesweiten Vergleich ist die Zahl ungewöhnlich hoch. Deutschlandweit wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 2.400 Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden genehmigt. Die 254 Münsteraner Wohnungen entsprechen rechnerisch mehr als zehn Prozent dieses Werts. Welche konkreten Bauvorhaben dahinterstehen, lässt sich aus den bislang öffentlich verfügbaren Angaben jedoch nicht belastbar ableiten.
Insgesamt wurden 119 neue Wohngebäude genehmigt, nach 86 im Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern stieg die Zahl besonders deutlich von 39 auf 63. Zweifamilienhäuser legten von sieben auf zehn zu, Mehrfamilienhäuser und Wohnheime von 40 auf 46. Diese Zahlen beziehen sich auf Gebäude, nicht auf die Zahl der darin entstehenden Wohnungen.
Der starke Anstieg sollte dennoch nicht mit einer dauerhaften Verdoppelung des Bautempos gleichgesetzt werden. Das erste Halbjahr 2025 war außergewöhnlich schwach. Im gesamten vergangenen Jahr wurden in Münster 1.831 Wohnungen genehmigt. Rechnerisch entfielen davon allein 1.334 auf die zweite Jahreshälfte.
Die 895 Genehmigungen aus den ersten sechs Monaten 2026 entsprechen damit knapp der Hälfte des gesamten Jahreswerts 2025. Dieser lag bereits rund 20 Prozent über 2024 und war der zweithöchste Wert zwischen 2020 und 2025. Nur 2021 wurden mit 3.277 Wohnungen deutlich mehr genehmigt.
Eine Genehmigung bedeutet zudem nicht, dass neuer Wohnraum kurzfristig verfügbar wird. Ende 2025 gab es in Münster einen Bauüberhang von 4.154 Wohnungen. Sie waren bereits genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt. Nur 1.583 davon befanden sich im Bau, 788 waren rohbaufertig.
Bei den Fertigstellungen ging es zuletzt dennoch aufwärts. 2025 wurden 1.402 Wohnungen fertiggestellt, nach 1.115 im Jahr zuvor. 2023 waren es allerdings noch 2.220 gewesen.
Im Landesvergleich fällt der Münsteraner Anstieg besonders stark aus. In Nordrhein-Westfalen wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 20.191 Wohnungen genehmigt, 1,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im gesamten Regierungsbezirk Münster stieg die Zahl lediglich um 3,6 Prozent auf 3.786.
Auch bundesweit fiel der Zuwachs mit 15,1 Prozent deutlich geringer aus. Deutschlandweit wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 126.300 Wohnungen genehmigt. Das Statistische Bundesamt weist allerdings darauf hin, dass dieser Anstieg von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau erfolgte.
Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum dürfte trotz der steigenden Genehmigungszahlen hoch bleiben. Die Stadt erwartet, dass die wohnberechtigte Bevölkerung von 320.728 Menschen Ende 2025 auf 335.781 im Jahr 2035 wächst. Das wären rund 15.000 zusätzliche Einwohner.
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