„Psychotherapie retten“: Mehr als 600 Menschen demonstrieren in Münster

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Münster. Mehr als 600 Menschen haben am Freitagabend in Münster gegen die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen demonstriert. Unter dem Motto „Psychotherapie retten“ zogen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Studierende sowie Menschen mit eigener Therapieerfahrung durch die Innenstadt. Die Demonstration für Psychotherapie in Münster fiel bewusst mit dem Auftakt des NRW-Tags zusammen und richtete sich gegen Änderungen, die ab 2027 bei der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen greifen sollen.

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Protest zum Start des NRW-Tags

Die Demonstration begann um 17 Uhr an der Westseite des Hauptbahnhofs und führte durch die Innenstadt zurück zum Ausgangspunkt. Der Zeitpunkt war politisch auffällig gewählt: Parallel startete der NRW-Tag 2026, zu dem mehrere Hunderttausend Gäste erwartet werden. Zudem hatten am Donnerstag und Freitag die geschäftsführenden Fraktionsvorstände von CDU/CSU und SPD in Münster getagt und dabei auch über Sozial- und Gesundheitsreformen beraten.

Zentraler Anlass des Protests ist das bereits beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Bundestag und Bundesrat verabschiedeten es am 10. Juli 2026, Ende Juli trat es in Kraft. Wesentliche Änderungen bei der Vergütung sollen ab 2027 greifen.

Psychotherapie soll wieder stärker budgetiert werden

Bislang werden zentrale psychotherapeutische Leistungen grundsätzlich außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt. Das neue Gesetz sieht vor, diese Leistungen grundsätzlich wieder in die Gesamtvergütung einzubeziehen. Für die Psychotherapie wird damit ein Honorarvolumen auf Grundlage des bisherigen Leistungsbedarfs festgelegt.

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Die Bundesregierung begründet die Reform mit der Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Ziel ist es, den Anstieg der Ausgaben und damit auch der Zusatzbeiträge zu begrenzen. Die Änderungen betreffen nicht nur psychotherapeutische Praxen, sondern mehrere Bereiche der ambulanten Versorgung.

Demonstrierende warnen vor weniger Therapieplätzen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befürchten, dass Praxen künftig weniger zusätzliche Behandlungen anbieten könnten. Auf der Demonstration wurde unter anderem davor gewarnt, dass bis zu ein Drittel der Therapieplätze gefährdet sein könnte. Eine belastbare unabhängige Berechnung, die einen solchen Rückgang bestätigt, liegt bislang jedoch nicht vor.

Auch Psychotherapeutenkammern warnen vor möglichen Einschränkungen des Angebots und längeren Wartezeiten. Besonders betroffen könnten Praxen sein, die bislang mehr Patientinnen und Patienten behandeln, als ihrem rechnerischen Versorgungsumfang entspricht.

Nachbesserungen für September angekündigt

CDU/CSU und SPD haben parallel zum Gesetz Ausnahmen von der Budgetierung in Aussicht gestellt. Bereits begonnene Therapien sollen bis zu ihrem regulären Ende abgesichert werden. Auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, die Behandlung schwer psychisch erkrankter Menschen sowie besonders dringliche Fälle sollen weiterhin außerhalb des Budgets vergütet werden können.

Die Bundesregierung soll entsprechende Änderungen nach der parlamentarischen Sommerpause auf den Weg bringen. Sie sollen zum 1. Januar 2027 greifen. Eine vollständige Rücknahme der Reform ist bislang nicht vorgesehen.

Weiterbildung bleibt weiteres Streitthema

Ein zweites Thema der Demonstration war die Weiterbildung des psychotherapeutischen Nachwuchses. Nach der Ausbildungsreform folgen auf Studium, staatliche Prüfung und Approbation weitere Qualifizierungsschritte zur Fachpsychotherapeutin oder zum Fachpsychotherapeuten.

Ab 2026 werden bundesweit rund 2.500 Absolventinnen und Absolventen pro Jahr erwartet. Berufsvertretungen sehen deshalb auch bei der Finanzierung ausreichender Weiterbildungsstellen weiterhin Handlungsbedarf.

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