
Der Fußballnachmittag in Bielefeld bot alles, was ein intensives Westfalenderby ausmacht. Vor ausverkauftem Haus entwickelte sich zwischen Arminia Bielefeld und Preußen Münster ein leidenschaftliches, teils wildes Zweitligaspiel, das erst in der Nachspielzeit seine Entscheidung fand. Die emotionale Kulisse, frühe Aufreger und eine Vielzahl taktischer Umschwünge sorgten für ein Duell, das für beide Fanlager unter Hochspannung stand. Am Ende entführten die Gäste aus Münster die Punkte – dank eines furiosen Schlussspurts.
Die Partie begann zerfahren, aber mit hoher Intensität. Bereits nach wenigen Minuten musste SCP-Keeper Morten Behrens nach einem Zusammenprall mit Arminias Kapitän Joe Grodowski bangen. Der VAR prüfte, und Schiedsrichter Marc Eckermann entschied nach Ansicht der Bilder auf Strafstoß. Grodowski verwandelte sicher und brachte die Hausherren früh in Führung. Die Stimmung auf den Rängen kochte, während Münster zunächst um Ordnung rang.
In dieser Phase hatte Bielefeld klare Vorteile, erspielte sich über das Zentrum wiederholt gefährliche Szenen und zwang die Preußen immer wieder tief in die eigene Hälfte. Besonders die vielen kleinen Fouls und Unterbrechungen verhinderten einen verlässlichen Rhythmus – ein Nachteil für Münster, dessen Raute im Mittelfeld zu diesem Zeitpunkt noch keinen Zugriff fand.
Die Gäste hatten bis zur 33. Minute offensiv kaum Akzente gesetzt. Dann nutzten sie eine der kuriosesten Szenen des Spiels: Ein Missverständnis in der Bielefelder Defensive ließ Oliver Batista Meier völlig frei auftauchen. Der Offensivmann blieb cool, umkurvte Keeper Kersken und schob zum 1:1 ein. Der Spielverlauf stellte sich damit auf den Kopf, doch die Preußen nutzten den Treffer, um mehr Stabilität und Mut zu gewinnen.
Bis zur Pause entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Münster kam über die Außenbahnen besser ins Spiel, Bielefeld blieb über Momuluhs Tempo gefährlich. Gelbe Karten auf beiden Seiten prägten die hektische Endphase des ersten Durchgangs.
Nach dem Seitenwechsel mussten die Trainer früh reagieren: mehrere verletzungs- und taktisch bedingte Wechsel veränderten die Statik des Spiels. Bielefeld drückte zunächst stark, kam über Momuluh zweimal gefährlich in den Strafraum, verpasste aber die erneute Führung. Münster überstand diese Minuten mit viel Einsatz, bevor die Partie erneut ausgeglichener wurde.
Der SCP versuchte über Batista Meier und Hendrix Akzente zu setzen. Die beste Chance in dieser Phase bot sich Lars Lokotsch, der nach einer scharfen Flanke zum Kopfball kam – Kersken reagierte jedoch glänzend. Die Begegnung blieb immens intensiv, geprägt von taktischen Duellen, konsequenter Zweikampfführung und dem Gefühl, dass der nächste Fehler spielentscheidend sein könnte.
Als die letzten Minuten liefen, schien alles auf ein Remis hinauszulaufen. Bielefeld drängte noch einmal nach vorne, hatte aber Mühe, Münster entscheidend zu knacken. Der SCP wiederum setzte auf Umschaltmomente – und wurde dafür belohnt.
Nach einem energischen Vorstoß über die linke Seite schlug Jano ter Horst eine scharfe Hereingabe in die Mitte. Leon Schneider versuchte zu klären, doch der Ball rutschte ihm weg und prallte ins eigene Tor. Mit 2:1 für Münster kippte das Stadion in Fassungslosigkeit – die mitgereisten 2.609 Preußen-Fans explodierten vor Jubel.
Die Nachspielzeit brachte noch hektische Minuten, doch Münster verteidigte den Vorsprung mit allem, was die Mannschaft hatte. Als der Schlusspfiff ertönte, war der Derbycoup perfekt.