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Amelsbüren: Dorfcharakter und Wachstum im Süden Münsters

Amelsbüren – Münsters südlichster Stadtteil verbindet ländliche Idylle mit urbaner Nähe. Entdecke Geschichte, Natur, Infrastruktur, Vereine, Wohnen und Zukunftspläne.
Imat Bagja Gumilar

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Amelsbüren ist ein Stadtteil von Münster in Westfalen und liegt etwa acht Kilometer südlich der Innenstadt. Trotz der Eingemeindung in die Großstadt hat sich Amelsbüren seinen dörflichen Charme bewahrt. Rund 7.000 Einwohner genießen hier einen Mix aus ländlicher Idylle und stadtnaher Lage. Gleichzeitig stehen neue Entwicklungen an – vom Neubaugebiet bis zur Verkehrsplanung –, die behutsam mit der Tradition des Stadtteils in Einklang gebracht werden sollen.

Geschichte von Amelsbüren

Die Wurzeln Amelsbürens reichen weit zurück: Bereits 1137 wurde der Ort erstmals als „Amuluncburen“ urkundlich erwähnt. Damals bestand das Gebiet aus verstreuten Bauernhöfen, die sich im 12. Jahrhundert zu kleinen Bauerschaften zusammenschlossen. Aus diesen Hofsiedlungen entstand allmählich ein Kirchdorf – das Kirchspiel Amelsbüren – dessen Mittelpunkt eine Kirche war. Über Jahrhunderte blieb Amelsbüren ein kleines Bauerndorf, dessen Bewohner überwiegend für kirchliche und adelige Grundherren Landwirtschaft betrieben.

In unruhigen Zeiten litt auch das Dorf: Ende des 16. Jahrhunderts wurde Amelsbüren während des Spanisch-Niederländischen Krieges mehrfach geplündert, und im Dreißigjährigen Krieg war die Lage an einer Heerstraße nicht ungefährlich. Zwei verheerende Dorfbrände in den Jahren 1716 und 1816 zerstörten viele Gebäude. Das heutige historische Ortsbild entstand wesentlich beim Wiederaufbau ab 1825, als das Dorf nach dem letzten Brand nahezu komplett neu errichtet wurde. Südlich des alten Ortskerns drehte sich einst die „Greving’sche Windmühle“, an die noch der Straßenname „Zur Windmühle“ erinnert.

Eigener Bahnhof für Amelsbüren

Erst im 20. Jahrhundert setzte langsam eine Modernisierung ein. 1928 erhielt Amelsbüren einen eigenen Bahnhof, als die neue Bahnstrecke Münster–Dortmund eröffnet wurde. Dennoch blieb die Gegend ländlich geprägt und wuchs zunächst nur moderat. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich viele Flüchtlingsfamilien in Amelsbüren nieder, was einen ersten kleinen Bauboom auslöste. In den 1950er- und 60er-Jahren entstanden um den alten Ortskern die ersten neuen Wohnsiedlungen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Am 1. Januar 1975 folgte dann ein großer Einschnitt: Amelsbüren wurde im Zuge der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen in die Stadt Münster eingemeindet. Seitdem gehört der Ort verwaltungsmäßig zum Stadtbezirk Hiltrup, doch seinen eigenen Dorfcharakter hat er sich bis heute bewahrt.

Geografische Lage und Natur

Als südlichster Stadtteil Münsters liegt Amelsbüren am Übergang der Stadt zur münsterländischen Parklandschaft. Mit rund 43 Quadratkilometern Fläche ist es flächenmäßig sogar der größte Stadtteil Münsters – was vor allem an den weiten Feldern und Wäldern liegt, die zum Ort gehören. Mehrere ehemals selbständige Bauerschaften wie Sudhoff, Loevelingloh und Wilbrenning zählen administrativ zu Amelsbüren und tragen zu dessen ländlichem Erscheinungsbild bei. Die Umgebung ist geprägt von Ackerland, Wiesen und traditionellen Hofstellen, was dem Stadtteil den Beinamen „Münsters Kornkammer“ eingebracht hat. Amelsbüren liegt am Rande zweier großer Waldgebiete: Im Süden beginnt die Davert und im Osten erstreckt sich die Hohe Ward.

Davert im Münsterland

Die Davert ist das größte zusammenhängende Wald- und Moorgebiet im Münsterland und zum Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ihre urwüchsigen Eichenwälder und Feuchtgebiete bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Gleichzeitig dient die Davert den Münsteranern als wichtiges Gebiet zur Naherholung – ob beim Wandern, Radfahren oder Naturerkunden. Sagen und Legenden ranken sich um diesen Wald: So soll es hier spuken, und an der sagenumwobenen „Teufelseiche“ erzählte man sich früher Geschichten von Hexen und Geistern. Heute schätzen die Menschen vor allem die Ruhe und natürliche Schönheit der Davert. Bis ins frühe 19. Jahrhundert lebten hier sogar wilde Pferde, die sogenannten Davertnickel, die inzwischen allerdings ausgestorben sind.

Direkt nördlich des Ortskerns fließt der kleine Fluss Emmerbach durch Amelsbüren. Unweit davon verläuft der Dortmund-Ems-Kanal, eine wichtige Wasserstraße, die bereits seit über 120 Jahren Münster mit dem Ruhrgebiet und der Nordsee verbindet. Bei Kilometer 57,5 des Kanals befindet sich der Amelsbürener Hafen, der früher für landwirtschaftliche Güter genutzt wurde. Heute legen dort vor allem Freizeitkapitäne mit ihren Booten an, denn der kleine Yachthafen ist ein Ausgangspunkt für Ausflüge auf dem Wasser. Insgesamt profitieren Naturfreunde in Amelsbüren von der reizvollen Lage: Wälder, Felder, Moor und Wasser bieten vielfältige Möglichkeiten zur Entspannung in der Natur – direkt vor der Haustür der Stadt.

Infrastruktur und Verkehrsanbindung

Trotz seines „Dorf im Grünen“-Images ist Amelsbüren verkehrstechnisch gut angebunden. Mit dem Auto erreicht man den Stadtteil über die Bundesautobahn 1 (A1), die mitten durch das Amelsbürener Gebiet führt. Seit 2014 gibt es hier die Autobahnanschlussstelle Münster-Hiltrup/Amelsbüren, welche die Auffahrt auf die A1 in beide Richtungen ermöglicht. In wenigen Minuten ist man so auf der Nord-Süd-Achse Richtung Dortmund oder Bremen/Hamburg. Auch das Autobahnkreuz Münster-Süd liegt in der Nähe, wo die A1 auf die A43 trifft – ein weiterer Vorteil für Autofahrer, die ins Ruhrgebiet oder ins Sauerland wollen. Neben der Autobahn sorgen Landstraßen wie der Kappenberger Damm und die Davertstraße für die Verbindung zur Innenstadt und zu den umliegenden Orten. Die gute Straßenanbindung macht Amelsbüren attraktiv für Berufspendler, die morgens zügig in die City oder auf die Autobahn gelangen möchten.

Anbindung von Amelsbüren

Auch ohne Auto ist der Stadtteil bestens erreichbar. Öffentliche Verkehrsmittel verbinden Amelsbüren regelmäßig mit der Münsteraner Innenstadt und der Region. Herzstück ist der Bahnhof Amelsbüren, an dem stündlich die Regionalbahn RB 50 „Der Lünener“ hält. Diese Linie bringt die Fahrgäste in rund 10 Minuten zum Hauptbahnhof Münster und in der Gegenrichtung über Lünen bis nach Dortmund. Die Bahnanbindung ermöglicht es den Einwohnern, unkompliziert zur Arbeit, zum Einkauf oder in die Schulen der Stadt zu gelangen – und das ohne Stau und Parkplatzsuche. Zusätzlich verkehren Stadtbusse: Die Buslinie 1 der Stadtwerke Münster fährt von Amelsbüren aus quer durch die Stadt, und weitere Buslinien binden auch die entlegeneren Bauernschaften an. So gibt es z.B. einen Bus bis zum Gut Haus Kannen und weiter ins Venner Moor, der insbesondere für ältere oder weniger mobile Bewohner wichtig ist. Für Radfahrer ist Amelsbüren ohnehin ein kleines Paradies: Vom Ortskern aus führen gut ausgebaute Radwege entlang des Kanals oder durch die Wälder direkt bis in die Innenstadt von Münster. Die Fahrradfreundlichkeit Münsters macht natürlich auch vor Amelsbüren nicht halt – viele Bewohner nutzen das Rad für den täglichen Weg ins nahe Hiltrup oder sogar bis ins Zentrum.

Bildung und Schulen

Familien schätzen Amelsbüren auch wegen seiner soliden Bildungs- und Betreuungsangebote. Im Stadtteil gibt es zwei Grundschulen, die kurze Wege für die jüngsten Schüler garantieren. Die Davertschule liegt zentral im Ortskern und ist die traditionelle Grundschule Amelsbürens. Etwas außerhalb an der Kreuzung Widaustraße/Kappenberger Damm befindet sich die Grundschule Loevelingloh, die Kinder aus den umliegenden Bauerschaften und Siedlungen versorgt. Beide Grundschulen bieten inzwischen auch eine Offene Ganztagsbetreuung, sodass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Eltern erleichtert wird. Passend dazu wurde an der Davertschule ein Erweiterungsbau realisiert, der Platz für zusätzliche Klassenräume und eine integrierte Kindertagesbetreuung schafft. Dieses neuartige Konzept – eine Kita-Außenstelle direkt an der Grundschule – ermöglicht einen fließenden Übergang vom Kindergarten in die Schule und ist ein Gewinn für die örtliche Bildungslandschaft.

Für die Kleinsten stehen in Amelsbüren mehrere Kindergärten zur Verfügung. Es gibt einen katholischen Kindergarten in Trägerschaft der Kirchengemeinde sowie einen städtischen Kindergarten, die beide eine liebevolle Betreuung anbieten. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist durch den Zuzug junger Familien zuletzt gestiegen, doch die Stadt reagiert: Im neuen Baugebiet entsteht beispielsweise eine weitere Kita, um den Bedarf zu decken. Weiterführende Schulen – wie Haupt-, Real- oder Gymnasialschulen – findet man im benachbarten Stadtteil Hiltrup oder in der Innenstadt. Ältere Schülerinnen und Schüler pendeln mit dem Bus, Zug oder Fahrrad dorthin. Durch die kurzen Entfernungen ist das jedoch unproblematisch, und viele Jugendliche schätzen es, nach Schulschluss ins ruhige Amelsbüren zurückzukehren.

Auch außerhalb des Unterrichts gibt es Angebote für die Jugend. Ein wichtiger Treffpunkt ist das Jugendzentrum „Black Bull“, das in Amelsbüren ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm für Teenager anbietet. Hier können die jungen Leute Billard spielen, Musik hören, an Workshops teilnehmen oder einfach Freunde treffen – ein willkommenes Angebot in einem Stadtteil, der sonst eher beschaulich ist. Insgesamt gilt: In Amelsbüren wachsen Kinder und Jugendliche in einer sicheren Umgebung mit Gemeinschaftssinn auf, ohne auf Bildungschancen verzichten zu müssen.

Freizeitangebote und Vereinsleben

Der Zusammenhalt der Bewohner zeigt sich besonders im aktiven Vereinsleben Amelsbürens. Sport, Brauchtum und Kultur – für jeden ist etwas dabei. Größter Verein vor Ort ist der DJK Grün-Weiß Amelsbüren, der mit rund 1300 Mitgliedern ein breites Sportangebot stellt. Auf der Sportanlage „Zum Häpper“ jagen nicht nur die Fußballer dem Ball nach; dort gibt es auch eine Gymnastikhalle, Beachvolleyball-Felder, eine Boule-Bahn und sogar einen modernen Schießstand für den Schießsport. Auf der Tennisanlage an der Hördemannstraße stehen zudem acht Tennisplätze zur Verfügung. Ob Fußball, Judo, Tischtennis oder Fitness – bei GW Amelsbüren wird gemeinsamer Sport und Geselligkeit großgeschrieben. Die großzügigen Sportstätten, oft idyllisch im Grünen gelegen, sind nach Feierabend oder am Wochenende ein zentraler Treffpunkt für Jung und Alt.

Pferdeliebhaber kommen in Amelsbüren ebenfalls auf ihre Kosten. Der Reit- und Fahrverein Amelsbüren, gegründet bereits im Jahr 1878, zählt zu den ältesten Reitvereinen Deutschlands und hat rund 400 Mitglieder. Auf dem Vereinsgelände „Böckenhorst“ südlich des Dorfes stehen Reithallen und Außenplätze bereit, wo regelmäßig Reitunterricht, Springturniere und Fahrveranstaltungen stattfinden. Die lange Reiter-Tradition im Münsterland wird hier lebendig gehalten – man begegnet in Amelsbüren nicht selten Reiterinnen und Reitern, die auf idyllischen Sandwegen entlang der Felder ausreiten. Neben dem großen Reitverein existieren weitere Pferdesport-Gruppen wie die Zucht- und Reitgemeinschaft St. Sebastian, was die Bedeutung des Reitsports im Ort unterstreicht.

Auch in Sachen Brauchtumspflege ist Amelsbüren sehr engagiert. Der örtliche Schützenverein St. Sebastian Amelsbüren etwa organisiert jedes Jahr das traditionelle Schützenfest, ein Höhepunkt im Dorfkalender. Dann zieht eine Parade mit Spielmannszug durch die Straßen, der Schützenkönig wird ausgeschossen und abends wird fröhlich im Festzelt gefeiert – Generationen kommen hierbei zusammen. Ebenfalls über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist die Karnevalsgesellschaft „AKG Emmerbachgeister“, benannt nach dem Fluss Emmerbach. Sie richtet in der fünften Jahreszeit eigene Karnevalssitzungen aus und organisiert sogar einen bunten Karnevalsumzug durch Amelsbüren. Wenn im Februar die geschmückten Wagen durch den Ort rollen und „Helau“ Rufe erschallen, spürt man, wie lebendig die rheinische Karnevalstradition auch im westfälischen Stadtteil gelebt wird. Solche Feste und Vereinsaktivitäten tragen viel zum Gemeinschaftsgefühl bei – man kennt sich, man feiert zusammen und fühlt sich seiner Heimat verbunden.

Nicht zu vergessen ist das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger. Der Löschzug Amelsbüren der Freiwilligen Feuerwehr ist dafür ein gutes Beispiel: Die freiwilligen Feuerwehrleute sorgen für den Brandschutz und die Sicherheit im Stadtteil und sind bei Veranstaltungen präsent. Zudem existieren ein Kulturverein, ein Gewerbeverein für die lokalen Geschäftsleute und diverse kleinere Initiativen, die sich um das Ortsleben kümmern. Dieser reiche Vereins- und Freizeitsektor macht Amelsbüren zu einem lebendigen Ort, in dem neue Bewohner schnell Anschluss finden und langeingesessene Familien ihre Traditionen weitergeben – sei es beim Sport, beim Schützenfest oder auf dem Karnevalswagen.

Kulturelle und religiöse Einrichtungen

Trotz seiner überschaubaren Größe verfügt Amelsbüren über einige bemerkenswerte kulturelle und religiöse Einrichtungen. Im Zentrum des Ortes ragt die katholische Pfarrkirche St. Sebastian empor. Die Ursprünge der Gemeinde gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück; eine erste Kapelle stand vermutlich um 1100 auf dem Hof Greving. Die heutige Kirche – eine einschiffige Hallenkirche im spätgotischen Stil – wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet und später immer wieder erweitert. Im 19. Jahrhundert erhielt das Gotteshaus sein heutiges Aussehen mit dem markanten Turm. St. Sebastian ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein kultureller Mittelpunkt. Hier finden regelmäßig Konzerte des Kirchenchors statt, es werden Basare und Gemeindeabende organisiert, und die alten Mauern erzählen viel von der Geschichte des Dorfes. Bis 1885 war der Kirchhof sogar noch Begräbnisstätte – ein Zeugnis dafür, wie zentral die Kirche im Leben der Dorfgemeinschaft stand.

Neben der dominierenden katholischen Kirche gibt es in Amelsbüren seit den 1960er-Jahren auch eine evangelische Kirche. Die Kreuz-Christi-Kirche, ein eher schlichtes modernes Kirchengebäude, wurde 1965 erbaut. Hintergrund dafür war der Zuzug vieler evangelischer Christen nach dem Zweiten Weltkrieg – zuvor lebten im katholisch geprägten Münsterland nur sehr wenige Protestanten. Mit der neuen Kirche erhielten die evangelischen Gläubigen vor Ort ein eigenes Zuhause. Heute arbeiten die Konfessionen im Stadtteil eng und ökumenisch zusammen. Gemeinsame Veranstaltungen, wie ökumenische Gottesdienste oder Sozialprojekte, sind selbstverständlich geworden. Die Präsenz beider großen Kirchen trägt zum kulturellen Miteinander bei und sorgt dafür, dass Amelsbüren auch spirituell vielseitig aufgestellt ist.

Ein besonderes kulturelles Kleinod ist das Kunsthaus Kannen, gelegen auf dem parkähnlichen Gelände des Hauses Kannen am westlichen Ortsrand. Haus Kannen selbst war ursprünglich ein Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert im Besitz der münsterschen Bischöfe. 1890 wurde es vom Alexianer-Orden in ein Spezialkrankenhaus für psychisch kranke Männer umgewandelt – der Beginn der bis heute andauernden psychiatrischen Versorgung an diesem Standort. Das heutige Alexianer-Krankenhaus ist eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die 2011 sogar um eine forensische Abteilung erweitert wurde. Was das Haus aber überregional bekannt macht, ist das angeschlossene Kunsthaus Kannen. Hier stellen seit Jahren sogenannte Outsider Artists – künstlerisch begabte Patienten und andere Menschen mit Behinderungen – ihre Werke aus. Das Kunsthaus bietet Ateliers, regelmäßige Ausstellungen und internationale Kooperationen im Bereich Art Brut. In Deutschland ist diese Kombination aus psychiatrischer Einrichtung und Kunstmuseum einzigartig. Für Kunstinteressierte aus ganz Münster und Umgebung ist das Kunsthaus Kannen zu einer festen Adresse geworden, die eindrucksvoll zeigt, wie Kunst Brücken in die Gesellschaft bauen kann.

Darüber hinaus bereichern kleinere Kulturinitiativen das Leben in Amelsbüren. Der örtliche Kulturverein etwa organisiert Lesungen, Vorträge oder Kleinkunstabende, oft in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde oder der Bezirksverwaltung Hiltrup. In den Sommermonaten locken manchmal kleine Open-Air-Konzerte oder Dorffeste die Menschen ins Freie. Diese kulturellen Angebote mögen nicht täglich Schlagzeilen machen, aber sie sind „nah an den Menschen vor Ort“ – authentisch, ehrenamtlich getragen und genau auf die Bedürfnisse der Amelsbürener abgestimmt.

Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Ländlich geprägt zu sein, heißt nicht, abgehängt zu sein – das zeigt sich in der Wirtschaftsstruktur Amelsbürens. Traditionell dominierte hier die Landwirtschaft: Umgeben von fruchtbaren Böden war Amelsbüren lange ein wichtiges Agrargebiet für Münster. Auch heute noch bewirtschaften einige Familienbetriebe Felder und Höfe in der Umgebung, bauen Getreide, Mais oder Rüben an und halten Vieh. Direktvermarktung spielt eine Rolle – so kann man regionales Gemüse, Eier oder Honig oft direkt ab Hof kaufen. Die Anwesen der Bauern prägen die Landschaft und sorgen dafür, dass Amelsbüren seine grüne Umgebung behält. Gleichzeitig hat sich der Stadtteil in den letzten Jahrzehnten zu einem Wohn- und Gewerbestandort weiterentwickelt, ohne seine agrarischen Wurzeln ganz zu verlieren.

Ein Meilenstein für die lokale Wirtschaft war die Entwicklung des Hansa-Business-Parks. Anfang der 1990er-Jahre plante die Stadt Münster ein großes Industrie- und Gewerbegebiet am westlichen Rand Amelsbürens, auf bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen. Diese Pläne stießen zunächst auf Widerstand in der Bevölkerung – man sorgte sich um den Verlust von Ackerland und den dörflichen Charakter. In der Folge wurde das Projekt verkleinert und angepasst. Schließlich begann um das Jahr 2000 die Erschließung, und nach und nach siedelten sich Unternehmen an. Heute erstreckt sich der Hansa-Business-Park nordwestlich des Ortskerns, nahe der Autobahn, auf etwa 85 Hektar. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Amelsbüren und ganz Münster geworden. Mehrere Hundert Arbeitsplätze sind hier entstanden. In modernen Hallen und Büros sitzen beispielsweise Logistikfirmen, Handwerksbetriebe und Dienstleistungszentren. Auch High-Tech und Forschung sind vertreten – so befindet sich in Amelsbüren ein großes Labor eines international tätigen Pharma-Unternehmens. Durch die Autobahnnähe ist das Gewerbegebiet optimal erreichbar, was zusätzliche Firmen anlockt. Der Wandel vom rein landwirtschaftlichen Dorf hin zum gemischten Wirtschaftsstandort vollzieht sich zwar langsam, aber er ist unverkennbar.

Trotz dieser Industrieansiedlung hat Amelsbüren keinen anonymen Gewerbepark-Charakter angenommen. Im alten Ortskern und entlang der Hauptstraßen blüht der Einzelhandel im Kleinen. Zwei Supermärkte versorgen die Einwohner mit Lebensmitteln. Daneben gibt es Bäckereien, eine Apotheke, Banken, Frisöre und kleinere Fachgeschäfte, die den täglichen Bedarf decken. Auch gastronomisch hat Amelsbüren etwas zu bieten: vom gutbürgerlichen Gasthof über italienische Restaurants bis zur Imbissbude ist Vielfalt vorhanden – sogar ein Landgasthof am Rande der Davert, das „Davert Jagdhaus“, lädt Ausflügler ein. Die meisten Bewohner müssen für Einkäufe also nicht unbedingt in die Stadt fahren, vieles lässt sich direkt vor Ort erledigen. Darüber hinaus haben sich einige Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe im Dorf angesiedelt, etwa Autowerkstätten, ein Autohaus, Bauunternehmen und Versicherungsagenturen. Diese mittelständischen Betriebe sorgen für Ausbildungs- und Arbeitsplätze direkt im Stadtteil.

Nicht zuletzt ist auch der Gesundheits- und Sozialsektor ein Arbeitgeber: Das Alexianer-Krankenhaus mit seinen Einrichtungen beschäftigt viele Menschen – von Pflegekräften über Therapeuten bis zu Gärtnern für den parkähnlichen Campus. Insgesamt bietet Amelsbüren also mehr Jobs, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Dennoch pendeln weiterhin zahlreiche Bewohner zur Arbeit in andere Teile Münsters oder ins Umland. Morgens sieht man die Fahrradfahrer Richtung Hiltrup oder die Autos auf dem Weg zur Autobahnauffahrt – ein gewohnter Anblick. Dank der guten Verkehrsanbindung ist das Pendeln aber gut machbar. Umgekehrt entdecken auch immer mehr Münsteraner Amelsbüren als attraktiven Wohnort und nehmen dafür einen etwas längeren Arbeitsweg in Kauf.

Wohnen in Amelsbüren und Immobilienentwicklung

Wohnen in Amelsbüren bedeutet, städtische Nähe und ländliche Ruhe zu verbinden. Das Ortsbild ist geprägt von Ein- und Zweifamilienhäusern, viel Grün und einer eher lockeren Bebauung. Rund um den historischen Ortskern stehen noch einige alte Bauernhöfe und traditionelle Backsteinhäuser, die dem Stadtteil einen gewachsenen Charakter verleihen. In den Wohngebieten, die ab den 1950er-Jahren entstanden, dominieren Reihenhäuser und freistehende Einfamilienhäuser mit Gärten. Die Straßen sind von Bäumen gesäumt, es gibt kleine Spielplätze und viel Platz zum Atmen – all das verleiht Amelsbüren einen Idyllischen Wohncharakter, der an ein Dorf erinnert. Viele Bewohner kennen ihre Nachbarn, man grüßt sich auf der Straße, Kinder spielen noch auf dem Hof oder der Wiese hinterm Haus.

Die Wohnqualität in Amelsbüren ist entsprechend hoch: Weniger Verkehrslärm, viel Natur drumherum und eine aktive Gemeinschaft machen den Stadtteil besonders für Familien attraktiv. Die Immobilienpreise liegen hier tendenziell etwas unter dem Münsterschen Durchschnitt, auch wenn sie in den letzten Jahren angezogen haben. Wer ein Haus mit Garten sucht, bekommt in Amelsbüren oft etwas mehr Quadratmeter fürs Geld als in innenstadtnäheren Vierteln. Dabei ist die Innenstadt immer noch schnell erreichbar – eine Kombination, die begehrt ist. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt und damit auch die Notwendigkeit, behutsam neue Flächen für Wohnbebauung zu erschließen.

Bereits in der Vergangenheit wurden daher mehrere Neubaugebiete ausgewiesen. In den 1970er-Jahren entstanden z.B. Siedlungen beiderseits der Davertstraße und am Kappenberger Feld. Jüngst richtet sich der Blick nach Norden: Am nordöstlichen Rand von Amelsbüren, zwischen der Straße „Zum Häpper“ und dem Weg „Am Dornbusch“, läuft derzeit ein großes Wohnbauprojekt an. Im Baugebiet „Am Dornbusch“ sollen bis voraussichtlich 2026 rund 200 neue Wohneinheiten entstehen – ein Mix aus Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Einfamilienhäusern​. Auch eine neue Kindertagesstätte für den Nachwuchs der dann dort lebenden Familien ist fest eingeplant​. Mit diesem Neubaugebiet reagiert die Stadt Münster auf den hohen Bedarf an Wohnraum. Besonderer Wert wird darauf gelegt, bezahlbares Wohnen zu ermöglichen: Etwa 30 % der neuen Wohnungen sind als öffentlich geförderter Wohnraum vorgesehen​. Familien mit geringerem Einkommen oder kinderreiche Familien sollen hier ebenso eine Chance auf ein neues Zuhause erhalten wie Durchschnittsverdiener und Senioren. Gleichzeitig achtet man darauf, dass sich das neue Viertel gut in die bestehende Struktur einfügt. Locker bebaute Abschnitte, Grünflächen, ein Spielplatz und die Nähe zur freien Landschaft sollen dafür sorgen, dass der ländliche Charakter Amelsbürens nicht verloren geht​. Schon in der Planungsphase wurden diese Aspekte betont: Amelsbüren ist ein eher ländlicher Stadtteil und das soll grundsätzlich so bleiben, auch wenn neues Leben einzieht​.

Die Immobilienentwicklung in Amelsbüren steht exemplarisch für den Spagat zwischen Wachstum und Bewahrung. Auf der einen Seite steigen die Einwohnerzahlen langsam, aber kontinuierlich, was neue Infrastruktur erfordert. Auf der anderen Seite wehren sich Politik und Bürgerschaft dagegen, unbedacht jedes freie Feld zu bebauen. So konnte Amelsbüren seine großzügigen Grünzüge weitgehend erhalten. Die neuen Wohnprojekte entstehen meist am Rand der bestehenden Bebauung, sodass das historische Ortszentrum mit Kirche, Kirchplatz und umliegenden Höfen sein Gesicht behält. Für die kommenden Jahre sind – abgesehen vom Großprojekt Am Dornbusch – keine weiteren riesigen Neubauflächen geplant, wohl aber Nachverdichtungen in kleinem Maßstab und Modernisierungen im Bestand. Wer in Amelsbüren wohnt, schätzt gerade diesen behutsamen Wandel: Der Stadtteil wächst mit Augenmaß und bleibt sich selbst treu.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Aktuell bewegt sich in Amelsbüren einiges, um den Stadtteil fit für die Zukunft zu machen. Neben dem schon erwähnten neuen Wohngebiet gibt es vor allem im Bereich Verkehr und Mobilität große Pläne. So haben das Land NRW und die Deutsche Bahn Ende 2024 eine Vereinbarung zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Münster–Lünen unterzeichnet​. Konkret soll der Abschnitt zwischen Münster-Amelsbüren und der südlich gelegenen Stadt Werne künftig zweigleisig befahrbar sein​. Für Amelsbüren bedeutet das perspektivisch deutlich bessere Zugverbindungen: Mit dem Ausbau einher geht die Einführung der neuen S-Bahn Münsterland, die bis 2030 schrittweise das Umland besser an die Stadt anbinden soll​. Geplant ist, die Regionalbahn-Linie RB 50 in eine S-Bahn-Linie umzuwandeln, sodass alle Stationen – darunter der Bahnhof Amelsbüren – häufiger und zuverlässiger angefahren werden​. Auch der schnelle Rhein-Ruhr-Express (RRX) zwischen Dortmund und Münster könnte dann auf dieser Strecke halten​. Für die Einwohner Amelsbürens wäre das ein großer Gewinn: noch kürzere Taktzeiten und eine bessere überregionale Anbindung, ohne dass sie dafür den Autoverkehr bemühen müssen. Bis es so weit ist, werden allerdings noch einige Jahre ins Land gehen, denn Planungs- und Bauzeit solcher Infrastrukturprojekte sind erheblich. Doch die Weichen für die Zukunft sind gestellt – sprichwörtlich wie im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch innerorts tut sich etwas. Die Verkehrsberuhigung im alten Dorfkern ist ein Dauerthema: Tempo-30-Zonen, sichere Übergänge für Fußgänger und mehr Raum für Radfahrer stehen auf der Agenda der Lokalpolitik. Ziel ist es, die Lebensqualität im Zentrum weiter zu steigern, ohne die Erreichbarkeit einzuschränken. Außerdem wird diskutiert, wie man den Stadtteil noch umweltfreundlicher gestalten kann. Der Ausbau von Ladesäulen für E-Autos, neue Radwege und die Anbindung an Münsters geplante Radschnellwege-Netze sind Punkte, die in den nächsten Jahren angegangen werden dürften.

Im Bereich Wirtschaft konzentrieren sich die aktuellen Entwicklungen vor allem darauf, den Hansa-Business-Park weiter sinnvoll zu füllen. Nachdem der anfängliche Widerstand überwunden wurde, geht es nun darum, qualifizierte Arbeitsplätze nach Amelsbüren zu holen, die auch den Einwohnern zugutekommen. Die städtische Wirtschaftsförderung vermarktet freie Flächen im Gewerbegebiet aktiv, und es gibt Überlegungen, künftig vielleicht auch kleinere Handwerksbetriebe oder Start-ups dort anzusiedeln, um einen gesunden Branchenmix zu erhalten. Dabei soll zugleich vermieden werden, dass der Lkw-Verkehr durch den Ortskern zunimmt – Schwerlastverkehr soll direkt über die Autobahnanschlussstelle ins Gewerbegebiet fließen.

Insgesamt schauen die Amelsbürener mit vorsichtigem Optimismus nach vorn. Der Stadtteil hat bewiesen, dass er Wandel gestalten kann, ohne seine Identität zu verlieren. Ob bei der Wohnbebauung oder bei Industrieprojekten – stets wurden Kompromisse gefunden, die sowohl Entwicklung als auch Bewahrung möglich machen. Dieses Erfolgsrezept wird auch für die Zukunft gelten. Die lebendige Gemeinschaft vor Ort trägt ihren Teil dazu bei: Engagierte Bürger beteiligen sich an Stadtteilkonferenzen, bringen Ideen ein und kümmern sich um soziale Projekte. So entsteht ein Klima, in dem Entscheidungen nahe an den Bedürfnissen der Menschen getroffen werden. Amelsbüren dürfte sich in den kommenden Jahren weiter behutsam entwickeln. Neue Familien werden hier ihre Heimat finden, alteingesessene Hofstellen werden vielleicht modernisiert, und die Infrastruktur wächst mit. Dabei bleibt der Dorfcharakter spürbar – genau das, was Amelsbüren so besonders macht. Der Stadtteil im Süden Münsters zeigt beispielhaft, wie Tradition und Fortschritt Hand in Hand gehen können.