
Buckelwale in der Ostsee sind 2026 gleich mehrfach beobachtet worden. Dabei handelt es sich nicht um eine einzige ungewöhnlich lange Sichtungsserie. Mindestens zwei verschiedene Tiere gelangten in diesem Jahr in den Ostseeraum. Der erste Buckelwal hielt sich ab Anfang März wochenlang an der deutschen Küste auf, strandete mehrfach und starb später vor Dänemark. Im Sommer tauchte ein weiteres Tier in dänischen und deutschen Gewässern auf. Eine verlässliche Gesamtzahl aller einzelnen Beobachtungen gibt es nicht, weil dieselben Tiere teilweise an mehreren Tagen und Orten mehrfach gemeldet wurden.
Der erste außergewöhnliche Fall begann am 3. März. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums wurde ein junger Buckelwal zunächst im Hafen von Wismar beobachtet. In den folgenden Wochen bewegte sich das Tier durch die südwestliche Ostsee. Am 23. März strandete es vor Niendorf an der Lübecker Bucht auf einer Sandbank. Nach einer aufwendigen Aktion konnte sich der Wal durch eine ausgehobene Rinne wieder in tieferes Wasser bewegen. Wenig später tauchte er erneut in der Wismarer Bucht auf und geriet dort wiederholt in sehr flache Bereiche.
Der Wal, der häufig unter dem Namen „Timmy“ bekannt wurde, blieb schließlich vor der Insel Poel. Ende April wurde er im Zuge einer privat organisierten Bergung in eine Barge gebracht und Richtung Nordsee transportiert. Am 2. Mai wurde er im Skagerrak ins Meer entlassen. Am 14. Mai wurde vor der dänischen Insel Anholt ein toter Großwal gefunden. Das Deutsche Meeresmuseum bestätigte zwei Tage später, dass es sich um dasselbe Tier handelte.
Schon wenige Wochen später wurde ein weiterer Buckelwal beobachtet. Whale and Dolphin Conservation dokumentierte Ende Juni ein Tier in der dänischen Ostsee, das zuvor unter anderem vor England und den Niederlanden gesehen worden war. Es erhielt den Namen „Hartwin“. Die Organisation verwies auf auffällige Hautveränderungen. Eine abschließende medizinische Diagnose ließ sich allein anhand von Bildern jedoch nicht stellen.
Im Juli häuften sich die Beobachtungen. Am 16. Juli wurde ein Buckelwal im Raum Heiligenhafen gemeldet. Am 17. Juli bestätigte das Umweltministerium Schleswig-Holsteins ein Tier am Ausgang der Kieler Förde. Einen Tag später gab es eine weitere Beobachtung in der Kieler Förde. Am 24. Juli bestätigte das Ministerium schließlich einen Buckelwal in der Flensburger Förde. Nach Einschätzung der Behörde handelte es sich vermutlich um dasselbe Tier, das zuvor in Schottland, Dänemark und bei Kiel beobachtet worden war. Eine zweifelsfreie Identifizierung wurde dabei nicht behauptet.
Ende Juli wurde erneut ein Buckelwal im Wismarer Hafen beobachtet. Das Deutsche Meeresmuseum hielt es anhand verfügbarer Bilder für möglich, dass auch dieses Tier der zuvor in Schleswig-Holstein beobachtete „Hartwin“ war. Eine solche Zuordnung erfolgt bei Buckelwalen normalerweise anhand individueller Merkmale, vor allem der Zeichnung und Form der Schwanzfluke, die bei geeigneten Aufnahmen wie ein Fingerabdruck genutzt werden kann.
Am 8. August wurden außerdem Aufnahmen eines Buckelwals vor Międzyzdroje an der polnischen Ostseeküste verbreitet. Die Berichte ordneten das Tier ebenfalls „Hartwin“ zu. Eine entsprechende behördliche oder wissenschaftliche Bestätigung dieser jüngsten Zuordnung lag zunächst nicht vor. Deshalb lässt sich aus den zahlreichen Meldungen keine belastbare Zahl einzelner Sichtungen ableiten. Sicher ist dagegen, dass 2026 mindestens zwei verschiedene Buckelwale im Ostseeraum dokumentiert wurden.
Das Deutsche Meeresmuseum wertet das Auftauchen von Buckelwalen in der Ostsee nicht grundsätzlich als neues Phänomen. Historische Nachweise reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Systematisch erhobene Daten liegen seit den 1970er Jahren vor. Nach Einschätzung des Museums gehört die Ostsee zum erweiterten Bewegungsraum der Art. Dokumentierte Tiere haben unterschiedliche Routen genommen, teilweise nur um Bornholm, teilweise bis weit in den Bottnischen Meerbusen. Einzelne Buckelwale fanden anschließend selbstständig wieder hinaus.
Das Umweltministerium Schleswig-Holstein nennt die Erholung der Bestände als wichtigen Grund dafür, dass Sichtungen heute wahrscheinlicher werden. Wo insgesamt wieder mehr Buckelwale leben, erreichen einzelne Tiere auch Gebiete, in denen sie jahrzehntelang kaum beobachtet wurden. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie sich verirrt haben. Buckelwale schwimmen auf ihren Wanderungen natürlicherweise küstennah und dringen auch in Buchten oder Flussmündungen vor.
Warum ein bestimmter Buckelwal in die Ostsee schwimmt, lässt sich im Einzelfall meist nicht feststellen. Der International Fund for Animal Welfare nennt als eine mögliche Erklärung, dass Tiere Fischschwärmen und damit ihrer Nahrung folgen. Buckelwale ernähren sich unter anderem von kleinen Schwarmfischen und Krill. Eine solche Erklärung bleibt jedoch eine Hypothese, solange die Wanderung eines einzelnen Tieres nicht entsprechend untersucht werden kann.
Wissenschaftler sehen außerdem mögliche indirekte Folgen veränderter Meeresökosysteme. Helmke Hepach vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel verwies im Frühjahr auf die starke Erwärmung der Ostsee. Whale and Dolphin Conservation nennt Veränderungen von Meerestemperaturen und Beuteverteilung als mögliche Faktoren für Verschiebungen von Lebensräumen. Ein direkter Nachweis, dass der Klimawandel einen der beiden Buckelwale 2026 in die Ostsee geführt hat, existiert jedoch nicht.
Die Ostsee kann für Großwale problematisch werden. Prof. Ursula Siebert, Direktorin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, nennt Sandbänke, enge Passagen und die Bedingungen eines Binnenmeeres als mögliche Schwierigkeiten. Besonders für geschwächte oder gestresste Tiere kann es schwer werden, aus flachen Küstenbereichen wieder herauszufinden. Auch Verstrickungen in Fischereigeräten können zu Verletzungen, Erschöpfung und letztlich zum Tod führen.
Hinzu kommen Schiffsverkehr und Unterwasserlärm. NOAA führt Kollisionen mit Schiffen, Verstrickungen, Störungen durch Boote und Meereslärm als zentrale Gefahren für Buckelwale auf. Siebert weist darauf hin, dass Lärm wichtige akustische Signale überdecken, Stress verursachen und bei hoher Intensität sogar das Gehör schädigen kann. In stark befahrenen Küstengewässern wächst zugleich das Risiko einer Kollision.
Der kommerzielle Walfang hatte Buckelwale im 20. Jahrhundert massiv dezimiert. NOAA zufolge wurden die meisten Populationen um mehr als 95 Prozent reduziert. Der internationale Schutz der Art und das Moratorium für kommerziellen Walfang spielten anschließend eine wesentliche Rolle bei ihrer Erholung. Die International Whaling Commission bewertet viele Bestände heute als deutlich erholt, allerdings unterscheiden sich Entwicklung und Gefährdung regional erheblich.
Eine häufig verwendete globale Schätzung aus der IUCN-Bewertung von 2018 geht von rund 135.000 Buckelwalen weltweit aus, darunter etwa 84.000 geschlechtsreife Tiere. Die Zahl ist keine aktuelle weltweite Vollzählung, sondern eine populationsübergreifende Schätzung. Einzelne Bestände entwickeln sich inzwischen wieder schlechter. Die Erholung der Art bedeutet deshalb nicht, dass Gefahren wie Fischerei, Schiffsverkehr, Unterwasserlärm und Veränderungen der Nahrungsgrundlage verschwunden sind.
In Nord- und Ostsee werden noch weitere Walarten beobachtet. Der Gewöhnliche Schweinswal ist nach Angaben der Tierärztlichen Hochschule Hannover die einzige Walart, die dauerhaft in beiden Meeresgebieten vorkommt. In der Ostsee existieren getrennte Populationen. Besonders die Population der zentralen Ostsee umfasst nur noch wenige hundert Tiere und ist akut bedroht. Das Deutsche Meeresmuseum koordiniert seit 2026 ein internationales Forschungsprojekt zu ihrem Schutz.
Vor allem in der Nordsee kommen außerdem regelmäßig Zwergwale vor. Finnwale, Buckelwale, Delfine und andere Großwale können ebenfalls auftreten. Für die Ostsee sind neben Buckelwalen unter anderem Finnwale und Zwergwale dokumentiert, sie gehören dort aber nicht zum dauerhaft heimischen Bestand. Die regelmäßig anzutreffende Walart bleibt der deutlich kleinere Schweinswal.
Wer einen Wal beobachtet, sollte ihm nicht folgen oder den Fluchtweg versperren. Das Deutsche Meeresmuseum empfiehlt bei Meeressäugern einen Mindestabstand von 100 Metern. Tiere sollen weder berührt noch gefüttert werden. Auf dem Wasser sollte unnötiger Motorbetrieb vermieden werden. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium warnt ebenfalls davor, Wale mit Booten zu umringen. Dichter Bootsverkehr verursacht zusätzlichen Stress und kann das Tier zu Ausweichbewegungen zwingen.
Lebende Meeressäuger können beim Deutschen Meeresmuseum über die Sichtungs-App „OstSeeTiere“ beziehungsweise das dortige Meldesystem dokumentiert werden. Fotos und Videos können Forschenden helfen, Art und möglicherweise sogar Individuen zu bestimmen. Bei einer Strandung soll dagegen unverzüglich die örtliche Behörde oder Polizei informiert werden. Zuschauer sollten Abstand halten und Rettungsversuche Fachleuten überlassen.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu