Falscher Alarm auf MSC Divina: Ermittlungen gegen sechs Männer

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Eine falsche Durchsage auf der MSC Divina hat während einer Mittelmeer-Kreuzfahrt Ermittlungen der italienischen Behörden ausgelöst. Sechs volljährige italienische Passagiere sollen am 30. Juli 2026 auf der Fahrt von Marmaris in der Türkei nach Neapel unbefugt eine Ansage über die Bordsprechanlage verbreitet haben. Darin sei behauptet worden, der Kapitän habe die Kontrolle über das Schiff verloren und die MSC Divina treibe auf See. Die Durchsage war nach Behördenangaben in den öffentlichen Bereichen von zwei Decks zu hören.

Passagiere alarmierten gegen 6.30 Uhr die Behörden

Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA meldeten Passagiere den Vorfall gegen 6.30 Uhr telefonisch an die Einsatzzentrale des Generalkommandos der italienischen Hafenbehörden in Rom. Als die MSC Divina anschließend Neapel erreichte, gingen Mitarbeiter der dortigen Capitaneria di Porto gemeinsam mit Polizeikräften an Bord. Die Ermittler ordneten die Durchsagen sechs italienischen Passagieren zu. Nach Angaben von „La Repubblica“ waren alle volljährig und in zwei verschiedenen Kabinen untergebracht.

Die italienischen Behörden werfen den sechs Männern nach Angaben von ANSA gemeinschaftlich einen unbefugten Zugang zu einem Computersystem sowie das Verursachen eines Fehlalarms vor. Sie wurden der zuständigen Justizbehörde gemeldet. Dass die Männer förmlich festgenommen oder in Untersuchungshaft genommen wurden, geht aus den belastbaren italienischen Behördenangaben dagegen nicht hervor. Meldungen, wonach es Festnahmen gegeben habe, sind deshalb bislang nicht ausreichend bestätigt.

MSC widerspricht Berichten über einen Hackerangriff

Ein wesentlicher Punkt ist technisch weiterhin nicht abschließend geklärt. ANSA berichtete unter Berufung auf die Ermittlungen zunächst davon, dass die Beschuldigten eine Schwachstelle beziehungsweise einen unbefugten Zugang zum Bordnetz genutzt haben sollen. Die Ermittlungen zu den genauen technischen Abläufen dauerten nach Angaben der Nachrichtenagentur an. „La Repubblica“ schrieb ebenfalls, die Behörden wollten klären, auf welchem Weg der Zugang zur Kommunikationsanlage gelungen sei.

MSC Cruises widerspricht jedoch ausdrücklich der Darstellung eines erfolgreichen Hackerangriffs auf die Schiffssysteme. Gegenüber dem US-Magazin „People“ bestätigte die Reederei zwar eine nicht autorisierte Durchsage über die Lautsprecheranlage. Nach Darstellung von MSC seien aber weder die Computersysteme noch andere Schiffssysteme gehackt oder kompromittiert worden. Auch der sichere Betrieb des Schiffes sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen. Wie genau die Passagiere Zugriff auf die Durchsagefunktion erhalten haben sollen, blieb damit zunächst offen.

Kapitän stellte die Situation anschließend klar

Die falschen Meldungen waren nach den vorliegenden Angaben nicht auf dem gesamten Schiff zu hören, sondern auf die Gemeinschaftsbereiche zweier Decks begrenzt. Mehrere Passagiere reagierten auf die Ansage, indem sie die Behörden verständigten. Berichte über eine größere Massenpanik oder Verletzte sind dagegen nicht amtlich bestätigt. Die genaue Zahl der Passagiere, die die Durchsage hörten oder darauf reagierten, wurde nicht veröffentlicht.

MSC erklärte gegenüber „People“, der Vorfall sei unmittelbar beendet worden. Anschließend habe der Kapitän über die Bordsprechanlage klargestellt, dass die vorherige Meldung falsch gewesen sei, und sich für die entstandene Unruhe entschuldigt. Die sechs betroffenen Passagiere seien den zuständigen Behörden gemeldet worden und hätten das Schiff verlassen. Außerdem seien Veränderungen vorgenommen worden, die einen vergleichbaren Vorgang künftig verhindern sollen. Einzelheiten zu diesen Maßnahmen nannte die Reederei nicht.

Ermittlungen wegen Computersystem und Fehlalarm

Für die sechs Beschuldigten geht es damit nicht lediglich um mögliche Konsequenzen nach den Beförderungsbedingungen der Reederei. Die Capitaneria di Porto teilte nach Angaben von ANSA mit, dass wegen des Verdachts auf unbefugten Zugang zu einem Computersystem und wegen des Verursachens eines Fehlalarms ermittelt werde. Entscheidend für mögliche strafrechtliche Folgen wird sein, welchen technischen Zugang die Ermittler tatsächlich nachweisen können und wie die italienische Justiz den Vorgang rechtlich bewertet.

Eine Verurteilung ist damit nicht verbunden. Auch ein dauerhaftes Hausverbot oder ein Ausschluss von künftigen MSC-Kreuzfahrten wurde von MSC Cruises bislang nicht öffentlich bestätigt. Da die MSC Divina unter der Flagge Panamas fährt, berichtete „La Repubblica“ zudem, dass Erkenntnisse aus den Ermittlungen auch an die zuständigen Stellen Panamas weitergegeben werden sollten.

Warum Bordsprechanlagen Teil der Sicherheitsausstattung sind

Laut International Maritime Organization gehören Kommunikations- und Alarmsysteme zu den zentralen Sicherheitseinrichtungen von Passagierschiffen. Das internationale SOLAS-Übereinkommen regelt in Kapitel III unter anderem die Kommunikation im Notfall sowie Notfallanweisungen, Übungen und Rettungsmittel. Öffentliche Lautsprechersysteme dienen dazu, Passagiere und Besatzung bei Gefahr schnell und möglichst flächendeckend zu informieren.

Hinzu kommt der International Ship and Port Facility Security Code, kurz ISPS Code. Er verpflichtet Reedereien und Schiffe zu Sicherheitskonzepten, Verantwortlichkeiten und Maßnahmen gegen unbefugte Zugriffe. Dazu gehören Sicherheitsbeauftragte an Bord und Verfahren zum Schutz sicherheitsrelevanter Bereiche. Wie ein bestimmtes Kreuzfahrtschiff den Zugriff auf einzelne Durchsagepunkte technisch absichert, ist allerdings Teil der jeweiligen Sicherheitsarchitektur und wird nicht öffentlich im Detail dokumentiert.

Ähnliche Fehlalarme bleiben Ausnahmefälle

Eine belastbare internationale Statistik speziell zu missbräuchlichen Durchsagen auf Kreuzfahrtschiffen gibt es nicht. Vergleichbare Vorfälle werden deshalb meist nur bekannt, wenn sie Behördeneinsätze oder größere betriebliche Reaktionen auslösen. Im März 2026 hatte beispielsweise ein falscher Mann-über-Bord-Alarm auf der „Oasis of the Seas“ von Royal Caribbean für Aufregung gesorgt. Die US-Küstenwache bestätigte damals den Eingang einer entsprechenden Meldung, stellte jedoch nach kurzer Zeit fest, dass sich die vermeintlich vermisste Person weiterhin an Bord befand.

Der Fall der MSC Divina unterscheidet sich insofern, als italienische Behörden ausdrücklich strafrechtliche Ermittlungen gegen sechs Erwachsene führen. Zugleich steht bislang nicht fest, auf welchem technischen Weg die nicht autorisierte Ansage ermöglicht wurde. MSC bestreitet einen Hackerangriff auf die Schiffssysteme und betont, dass Navigation und sicherer Schiffsbetrieb nicht beeinträchtigt gewesen seien.

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