
Der Schweizer Technologiekonzern ABB hat im dritten Quartal 2026 einen neuen Höchstwert beim Auftragseingang erreicht. Besonders die Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur für Rechenzentren sorgte für Wachstum. Auch Umsatz und operatives Ergebnis legten deutlich zu. Mit den am Dienstag, 20. Oktober 2026, veröffentlichten Quartalszahlen hob ABB zugleich seine Erwartungen für das Gesamtjahr an.
Der Auftragseingang erreichte zwischen Juli und September 12,055 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, als neue Bestellungen im Wert von 8,606 Milliarden Dollar eingegangen waren. Auch auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um Veränderungen im Unternehmensportfolio und Wechselkurseffekte, lag das Plus bei 40 Prozent. Der Konzern profitierte von einer starken Nachfrage in mehreren Geschäftsbereichen, wobei das Geschäft mit Rechenzentren besonders hervorstach.
Die ABB Quartalszahlen 2026 zeigen auch beim Umsatz eine positive Entwicklung. Die Erlöse stiegen um 14 Prozent auf 9,701 Milliarden US-Dollar nach 8,491 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das operative EBITA, eine um bestimmte Sondereffekte bereinigte Ergebniskennzahl, erhöhte sich um 24 Prozent auf 2,026 Milliarden Dollar. Die zugehörige Marge verbesserte sich von 19,2 auf 20,8 Prozent. Damit erwirtschaftete ABB aus seinem operativen Geschäft einen höheren Ergebnisanteil am Umsatz.
Beim Konzerngewinn zeigte sich allerdings eine gegenläufige Entwicklung. Der auf ABB entfallende Gewinn sank um zwei Prozent von 1,208 auf 1,181 Milliarden Dollar. Der unverwässerte Gewinn je Aktie ging von 0,66 auf 0,65 Dollar zurück. Als wesentlichen Grund für den erhöhten Nettofinanzaufwand nannte ABB die Neubewertung einer Währungsabsicherung im Zusammenhang mit der angekündigten Übernahme des britischen Industrieunternehmens Rotork. Der operative Cashflow erhöhte sich dagegen um fünf Prozent auf 1,862 Milliarden Dollar.
Ein wesentlicher Grund für die höheren Bestellungen ist der weltweite Ausbau von Rechenzentren. Insbesondere Anlagen für künstliche Intelligenz benötigen leistungsfähige Systeme zur Stromversorgung, Energieverteilung und Kühlung. ABB liefert Technologien, die für den zuverlässigen und effizienten Betrieb solcher Einrichtungen erforderlich sind. Nach Unternehmensangaben stieg der Auftragseingang im Rechenzentrumssegment gegenüber dem Vorjahresquartal um einen dreistelligen Prozentsatz und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Der Ausbau digitaler Infrastruktur kommt damit nicht nur Herstellern von Prozessoren und Servern zugute, sondern auch Unternehmen aus der Elektroindustrie. ABB positioniert sich insbesondere bei der Gleichstromversorgung großer Rechenzentren. Mit dem neuen Technologieportfolio Infinitus will der Konzern die Energieversorgung vom Einspeisepunkt bis zu den Serveranlagen abdecken. Ein Bestandteil ist ein neuartiger Transformator, dessen Markteinführung für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen ist. Um die gestiegene Nachfrage bedienen zu können, erweitert ABB schrittweise seine Produktionskapazitäten.
Auf Grundlage der bisherigen Geschäftsentwicklung hat ABB seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Das Unternehmen erwartet nun ein vergleichbares Umsatzwachstum im unteren Bereich der Zehnerprozente. Zuvor hatte der Ausblick eine größere Spanne vom niedrigen zweistelligen Wachstum bis zum unteren Teens-Bereich umfasst. Für die operative EBITA-Marge stellt ABB gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung um mindestens 2,7 Prozentpunkte in Aussicht.
Auch für das vierte Quartal rechnet das Unternehmen mit einer anhaltend hohen Nachfrage. Das vergleichbare Umsatzwachstum soll ungefähr das Niveau des dritten Quartals erreichen. Bei der operativen EBITA-Marge erwartet ABB allerdings einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorquartal. Zugleich liegt der Auftragseingang weiterhin über dem Umsatz. Das Verhältnis aus Bestellungen und Erlösen erreichte im dritten Quartal 1,24 und verdeutlicht, dass mehr neue Aufträge hereinkamen, als Umsatz erzielt wurde.
Parallel zu den Quartalszahlen kündigte ABB eine weitere Expansion in Asien an. Für rund 495 Millionen US-Dollar will das Unternehmen eine Beteiligung von 51 Prozent an einem geplanten Gemeinschaftsunternehmen mit Mitsubishi Electric übernehmen. Das Vorhaben betrifft das Niederspannungs-Stromverteilungsgeschäft des japanischen Konzerns. ABB will damit seine Position im japanischen Markt für Elektrifizierung stärken und zusätzliche Absatzmöglichkeiten in der asiatisch-pazifischen Region erschließen. Die vorgesehenen Technologien kommen unter anderem in industriellen Anwendungen und Rechenzentren zum Einsatz.
Die ABB-Aktie hatte den Handel an der Schweizer Börse SIX am Montag, 19. Oktober 2026, bei 74,70 Schweizer Franken beendet. Gegenüber dem vorherigen Handelstag entsprach dies einem Rückgang um 1,29 Prozent. Quelle ist die Kursübersicht von MarketScreener mit dem Zeitstempel 19. Oktober 2026, 17:31 Uhr. Dieser Kurs wurde vor Veröffentlichung der Quartalszahlen festgestellt und stellt deshalb keine Reaktion auf die neuen Geschäftsergebnisse dar.
Am Dienstagmorgen, 20. Oktober 2026, um 08:41 Uhr MESZ lag noch kein regulärer Eröffnungskurs der ABB-Aktie von der SIX vor. Der Aktienhandel an der Schweizer Börse beginnt um 09:00 Uhr. Eine belastbare Bewertung der dortigen Kursreaktion auf den Rekordauftragseingang und die angehobene Prognose war zu diesem Zeitpunkt daher noch nicht möglich.
Die Geschäftszahlen unterstreichen unterdessen die wirtschaftliche Bedeutung des weltweiten Ausbaus digitaler Infrastruktur. In den ersten neun Monaten 2026 erreichte ABB einen Auftragseingang von 35,395 Milliarden Dollar, 34 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg gleichzeitig um 15 Prozent auf 27,910 Milliarden Dollar. Damit geht der Technologiekonzern mit einem deutlich gewachsenen Neugeschäft in das Schlussquartal des Jahres.
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