Neue Avocado-Studie zeigt kleinen Effekt auf LDL-Partikel

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Eine Avocado pro Tag kann einen bestimmten Risikowert für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringfügig verbessern. Das zeigt eine neue Auswertung einer großen US-Ernährungsstudie. Die Ergebnisse liefern jedoch keinen Beleg dafür, dass täglicher Avocado-Verzehr unmittelbar vor Herzinfarkten oder Schlaganfällen schützt.

Tägliche Avocado senkt Zahl der LDL-Partikel

Die Untersuchung erschien im Juni 2026 im „Journal of Clinical Lipidology“. Am 13. Juli stellte die Pennsylvania State University die Ergebnisse ausführlich vor. Analysiert wurden die Blutproben von 786 Erwachsenen mit erhöhtem Bauchumfang. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 51 Jahre alt, 74 Prozent waren Frauen. Der mittlere Body-Mass-Index lag bei 32,9.

Eine Gruppe erhielt über 26 Wochen täglich eine Avocado. Die Kontrollgruppe sollte ihre gewohnte Ernährung fortsetzen und keine zusätzlichen Avocados essen. Weitere Änderungen der Ernährung oder körperlichen Aktivität waren nicht vorgeschrieben.

Am Ende des Untersuchungszeitraums lag die Konzentration sämtlicher LDL-Partikel in der Avocado-Gruppe durchschnittlich 49,1 Nanomol pro Liter niedriger als in der Vergleichsgruppe. Das statistische Vertrauensintervall reichte von minus 83,6 bis minus 14,5 Nanomol pro Liter.

Keine bedeutsamen Unterschiede fanden die Forscher bei der Größe und Zusammensetzung der LDL-Partikel. Auch HDL-Partikel, triglyceridreiche Lipoproteine sowie die Eiweiße Apolipoprotein A und Apolipoprotein B veränderten sich nicht erkennbar.

Vier Prozent sind eine berechnete Risikoschätzung

Die Forscher leiteten aus der niedrigeren LDL-Partikelzahl eine mögliche Verringerung des kardiovaskulären Risikos um rund vier Prozent ab. Dieser Wert wurde jedoch nicht anhand tatsächlich aufgetretener Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt. Während der Studie wurde nicht untersucht, ob die Teilnehmer später seltener einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder andere Gefäßerkrankungen erlitten.

LDL-Partikel transportieren Cholesterin durch das Blut. Eine hohe Zahl solcher Partikel kann die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßwänden begünstigen. Sie ist deshalb ein möglicher zusätzlicher Risikomarker. In der medizinischen Routine bleibt das LDL-Cholesterin jedoch ein zentraler Wert für die Beurteilung und Behandlung erhöhter Blutfette. Aktuelle Leitlinien berücksichtigen daneben zunehmend weitere Werte wie Apolipoprotein B und Lipoprotein(a).

Frühere Hauptstudie zeigte nur geringe Veränderungen

Die neue Veröffentlichung ist eine ergänzende Auswertung der sogenannten Habitual Diet and Avocado Trial. An dieser ursprünglichen Studie nahmen 1008 Erwachsene mit erhöhtem Bauchumfang teil.

Das wichtigste Ziel der Untersuchung wurde nicht erreicht. Eine tägliche Avocado verringerte nach sechs Monaten weder das innere Bauchfett noch den Leberfettanteil. Auch bei Körpergewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Blutzucker, Insulinwerten und Entzündungsmarkern zeigten sich keine wesentlichen Vorteile.

Beim klassischen LDL-Cholesterin fiel der Unterschied ebenfalls klein aus. Im Vergleich zur Kontrollgruppe sank der Wert um durchschnittlich 2,5 Milligramm pro Deziliter. Das Gesamtcholesterin lag 2,9 Milligramm pro Deziliter niedriger. Die Autoren der damaligen Veröffentlichung bewerteten die Auswirkungen auf die untersuchten Stoffwechselrisiken insgesamt als gering.

Bisherige Studien ergeben kein einheitliches Bild

Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit wertete acht frühere systematische Reviews und Metaanalysen aus. Bei Menschen mit bereits gestörtem Fettstoffwechsel waren Avocados demnach teilweise mit einer Senkung des LDL-Cholesterins um etwa 9,4 bis 17 Milligramm pro Deziliter verbunden. Die Ergebnisse für HDL-Cholesterin und Triglyceride waren dagegen uneinheitlich. Die Autoren verwiesen zudem auf methodische Schwächen und Unterschiede zwischen den ausgewerteten Studien.

Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf eine allgemeingültige Empfehlung von einer Avocado pro Tag übertragen. Untersucht wurden unterschiedliche Mengen, Ernährungsformen und Personengruppen. Besonders wenig ist bislang darüber bekannt, ob Avocados langfristig tatsächlich die Zahl schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.

Entscheidend ist der Austausch anderer Fette

Avocados enthalten überwiegend ungesättigte Fette. Ein gesundheitlicher Vorteil ist vor allem dann plausibel, wenn sie Lebensmittel mit vielen gesättigten Fettsäuren ersetzen. Dazu gehören beispielsweise Butter, fettreiche Milchprodukte und bestimmte Fleischwaren.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, gesättigte Fette möglichst durch ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Lebensmitteln zu ersetzen. Auch die American Heart Association betont, dass nicht allein das Hinzufügen eines einzelnen Lebensmittels entscheidend ist, sondern die Zusammensetzung der gesamten Ernährung.

Eine Avocado kann damit Bestandteil einer herzgesunden Ernährung sein. Sie ist aber weder ein Cholesterinsenker mit Medikamentenwirkung noch ein Ersatz für ärztlich verordnete Statine oder andere Therapien.

Studie wurde von Avocado-Organisation unterstützt

Die aktuelle Untersuchung wurde vom Avocado Nutrition Center unterstützt, das zur US-amerikanischen Avocado-Branche gehört. Auch die zugrunde liegende Hauptstudie erhielt finanzielle Unterstützung aus diesem Umfeld.

Das randomisierte Studiendesign und die vergleichsweise große Teilnehmerzahl stärken die Ergebnisse. Ihre Aussagekraft bleibt dennoch begrenzt. Untersucht wurde ein nachträglich ausgewählter Laborwert bei Erwachsenen mit abdominaler Adipositas. Die Laufzeit betrug lediglich sechs Monate. Ob die kleine Veränderung der LDL-Partikel langfristig Erkrankungen verhindert, ist damit nicht belegt.

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