
In Waren (Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern steht am Sonntag, 1. November 2026, die Sprengung der Südbrücke am Schweriner Damm bevor. Die Bundesstraße 192 wird dafür im Bereich der Eisenbahnüberführung vollständig gesperrt. Rund 290 Menschen müssen ihre Wohnungen und Häuser vorübergehend verlassen. Die kontrollierte Sprengung ist für 11 Uhr geplant. Nach dem Abbruch muss die benachbarte Brücke überprüft werden, bevor der Straßenverkehr wieder freigegeben werden kann. Eine Bestätigung über den Abschluss der Sprengung lag am Sonntagvormittag zunächst nicht vor.
Die B192 in Waren ist von den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen rund um die Brückensprengung unmittelbar betroffen. Nach Angaben des Straßenbauamtes Neustrelitz beginnen die Straßensperrungen am Sonntag um 6.30 Uhr. Ab 7 Uhr gilt innerhalb des festgelegten Bereichs eine vollständige Sperrung. Auch die Bundesstraße ist in der Ortsdurchfahrt im Bereich der Brücke über die Bahnstrecke Rostock nach Berlin betroffen.
Die Sperrung betrifft den Schweriner Damm und die unmittelbar angrenzenden Straßen der Sicherheitszone. Für Autofahrer ist die Verbindung über die Eisenbahnüberführung während der Arbeiten in beiden Fahrtrichtungen nicht nutzbar.
Eine feste Uhrzeit für die Wiederöffnung haben die Behörden nicht genannt. Die Verkehrsfreigabe wird für die frühen Abendstunden erwartet. Voraussetzung ist eine umfassende Überprüfung des bereits fertiggestellten nördlichen Brückenteils. Erst nach Zustimmung des zuständigen Brückenprüfers darf die Bundesstraße wieder befahren werden.
Die übrigen gesperrten Straßen sollen nach der Sprengung und der Freigabe durch den Sprengmeister schrittweise geöffnet werden. Für die mehrstündige Vollsperrung wurde zunächst keine gesonderte, durchgehend beschriebene Umleitungsroute veröffentlicht. Autofahrer müssen die örtlichen Absperrungen beachten und den Brückenbereich meiden.
Für die Sprengung haben die Behörden eine Sicherheitszone mit einem Radius von bis zu 200 Metern festgelegt. Innerhalb dieses Bereichs dürfen sich während der Sprengarbeiten keine unbefugten Personen aufhalten.
Die Sperrzone erstreckt sich über mehrere Straßen beiderseits der Bahnüberführung. Zu ihren Grenzen gehören unter anderem die St. Mariengasse, die Burggasse, die Müritzstraße, die Mecklenburger Straße, Alte Sarwiesen, An den Schuhmacherkämpen und die Gievitzer Straße. Auch Teile des Tiefwarensees und die dortigen Gartenanlagen sind betroffen.
Bei der Räumungsfrist gibt es unterschiedliche amtliche Angaben. Während die Stadt Waren und das Straßenbauamt in ihren Veröffentlichungen den Abschluss der Evakuierung bis 8 Uhr vorgesehen hatten, nennt eine Gefahreninformation der Integrierten Leitstelle des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte vom 31. Oktober bereits 7 Uhr. Nach dieser Warnmeldung ist der Aufenthalt innerhalb der Sperrzone ab 7 Uhr bis zum Abschluss der Sprengarbeiten verboten.
Parkende Fahrzeuge mussten den Evakuierungsbereich bereits bis 6.30 Uhr verlassen haben. Der Neue Friedhof gehört ebenfalls zu den betroffenen Bereichen und darf während der angeordneten Sperrung nicht betreten werden.
Für Menschen, die während der Evakuierung keine andere Aufenthaltsmöglichkeit haben, stellt die Stadt ab 7 Uhr eine Notunterkunft im Papenberger Jugendtreff an der Bürgermeister-Schlaaff-Straße 27a bereit. Eine vorherige Anmeldung über das Bürgertelefon unter 03991 177-301 wird empfohlen.
Die Brückensprengung führt auch im öffentlichen Nahverkehr zu Einschränkungen. Die Stadt Waren hat für Sonntag mehrere Änderungen bekannt gegeben.
Die Stadtbuslinie 3 entfällt am 1. November vollständig. Bei der Regionalbuslinie MV 75, die früher unter der Liniennummer 12 verkehrte, werden die Fahrten im Stadtgebiet unterbrochen.
Busse aus Richtung Neubrandenburg fahren lediglich bis zur Haltestelle Waren Ost-Siedlung. Fahrzeuge aus Richtung Röbel enden dagegen an der Haltestelle Am Bürgerhaus. Zwischen beiden Haltestellen wird ein Shuttlebus eingerichtet.
Sollten die Straßensperrungen am späten Nachmittag aufgehoben werden können, soll die Regionalbuslinie MV 75 anschließend wieder nach dem regulären Fahrplan verkehren. Ob dies tatsächlich möglich ist, hängt von der Freigabe der betroffenen Straßen ab.
Auch der Eisenbahnverkehr ist von dem Bauprojekt betroffen. Die B192 überquert am Schweriner Damm die zweigleisige Bahnstrecke zwischen Rostock und Berlin. Für die Abbrucharbeiten und die anschließenden Baumaßnahmen sind längere Sperrungen der Gleise erforderlich.
Das Straßenbauamt Neustrelitz nennt dafür den Zeitraum vom 16. Oktober 2026 um 21 Uhr bis zum 18. Dezember 2026 um 21 Uhr. Während der Sperrung wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.
In den Fahrgastinformationen von DB Regio ist für den Regionalexpress RE5 zwischen Waren (Müritz) und Neustrelitz hingegen ein Zugausfall vom 16. Oktober bis zum 12. Dezember 2026 ausgewiesen. Die veröffentlichten Enddaten der Bauarbeiten und der konkreten Fahrplanänderungen unterscheiden sich damit.
Reisende sollten vor der Fahrt ihre Verbindung im DB Navigator oder in der elektronischen Reiseauskunft der Deutschen Bahn überprüfen. Die Ersatzbusse benötigen andere Fahrzeiten als die regulären Züge.
Bei der geplanten Abbruchmaßnahme handelt es sich um eine sogenannte Auswurfsprengung. Die beiden Pfeiler der alten Südbrücke werden durch Sprengladungen zerstört. Dadurch soll der Brückenüberbau kontrolliert auf ein zuvor vorbereitetes Kiesbett abgesenkt werden.
Das Verfahren kam bereits beim Abriss der benachbarten Nordbrücke am 19. Januar 2025 zum Einsatz. Der damalige Abbruch bildete den Auftakt für den ersten großen Abschnitt des Ersatzneubaus.
Auch für die Sprengung am Sonntag ist ein festgelegtes Signalsystem vorgesehen. Ein langer Fanfarenstoß fordert zur Sicherung des Bereichs auf. Zwei kurze Signale kündigen die unmittelbar bevorstehende Zündung an. Drei kurze Signale zeigen das Ende der Sprengung an.
Die Polizei sichert gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften die Absperrungen und unterstützt das Ordnungsamt bei der Evakuierung.
Die Stadt empfiehlt Anwohnern außerhalb des unmittelbaren Räumungsbereichs, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungsanlagen mit Außenluftzufuhr auszuschalten. Außerdem sollte zur Sprengzeit keine Wäsche im Freien hängen. Haustiere sollen nicht unbeaufsichtigt in der Nähe des Bauwerks umherlaufen.
Der Abriss der Südbrücke ist Teil eines umfangreichen Ersatzneubaus auf der Bundesstraße 192. Die bisherigen Brücken wurden 1972 errichtet. Bei Untersuchungen waren Schäden am Spannstahl festgestellt worden. Bereits 2012 gab es erste Hinweise auf entsprechende Vorschädigungen. Nach Angaben der Straßenbauverwaltung ist eine dauerhafte Instandsetzung der alten Bauwerke nicht möglich.
Anstelle der beiden bisherigen Brücken entsteht ein neues zusammenhängendes Bauwerk. Das erste Teilstück wurde am 12. Dezember 2025 für den Verkehr freigegeben. Seitdem läuft der Straßenverkehr über diesen bereits fertiggestellten Abschnitt und eine bauzeitliche Verkehrsführung.
Nach dem Abriss der Südbrücke wird das zweite Teilstück errichtet. Die Fertigstellung ist nach der bisherigen Bauplanung für 2028 vorgesehen. Insgesamt kalkuliert das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit einer Bauzeit von rund vier Jahren und Kosten von etwa 28 Millionen Euro.
Die Bedeutung der Verbindung ist erheblich: Nach Angaben des Landesamtes wird die B192 im betroffenen Abschnitt durchschnittlich von rund 21.200 Fahrzeugen täglich genutzt. Während der regulären Bauphase soll deshalb weiterhin jeweils ein Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung stehen.
Die vollständige Sperrung am 1. November bleibt damit eine zeitlich begrenzte Ausnahme innerhalb des mehrjährigen Bauprojekts. Wann die Bundesstraße nach der Sprengung wieder befahrbar sein wird, entscheidet sich anhand der anschließenden Sicherheitsprüfung.
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