
Die Bäckerei Michely aus Stuvenborn in Schleswig-Holstein steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Für den regionalen Handwerksbetrieb mit neun Filialen ist beim Amtsgericht Norderstedt ein Insolvenzantrag gestellt worden. Das Gericht ordnete am 24. August 2026 eine vorläufige Insolvenzverwaltung an. Fast 100 Beschäftigte sind von dem Verfahren betroffen.
Eine unmittelbare Schließung der Bäckerei ist damit allerdings nicht verbunden. Die Backstube und die Verkaufsstellen sollen zunächst weiterarbeiten. Auch Kündigungen sind nach dem derzeitigen Stand nicht vorgesehen. Der vorläufige Insolvenzverwalter sucht gemeinsam mit den Verantwortlichen nach einer wirtschaftlichen Lösung für den Betrieb.
Die Bäckerei Michely hat ihren Stammsitz mit Zentrale und Backstube in Stuvenborn im Kreis Segeberg. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben insgesamt neun Filialen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Dazu gehören Standorte unter anderem in Stuvenborn, Hartenholm, Bad Segeberg, Wahlstedt, Neumünster und Hamburg.
Neben klassischen Verkaufsstellen gehören auch größere Caféangebote zum Filialnetz. Das Unternehmen entwickelte sich damit seit seiner Gründung von einem einzelnen Handwerksbetrieb zu einer regionalen Bäckerei mit mehreren Standorten.
Die Geschichte des Unternehmens begann nach Angaben der Bäckerei im Mai 2003. Torben Michely eröffnete damals seinen eigenen Betrieb. Gemeinsam mit Maren Michely wurde das Geschäft in den folgenden Jahren ausgebaut. Die Produktion befindet sich weiterhin in Stuvenborn.
Von der aktuellen Insolvenz der Bäckerei Michely sind fast 100 Beschäftigte betroffen. Während der vorläufigen Insolvenzverwaltung soll der Geschäftsbetrieb jedoch fortgeführt werden. Kunden können die Filialen damit zunächst weiterhin nutzen.
Für die Belegschaft bedeutet der Insolvenzantrag vor allem Unsicherheit über die längerfristige Zukunft des Unternehmens. Kurzfristig besteht jedoch eine finanzielle Absicherung. Die Löhne und Gehälter sollen für August, September und Oktober über Insolvenzgeld abgesichert werden.
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters sind derzeit keine Kündigungen vorgesehen. Auch das bestehende Filialnetz soll zunächst erhalten bleiben. Für einen fortgeführten Betrieb werden die Beschäftigten weiterhin benötigt.
Damit befindet sich Michely zunächst in einer Sanierungsphase. In dieser Zeit wird geprüft, ob das Unternehmen wirtschaftlich stabilisiert werden kann und welche Veränderungen dafür notwendig sind. Auch die Suche nach externen Investoren kann grundsätzlich eine Möglichkeit sein. Konkrete Vereinbarungen mit einem Investor waren zunächst nicht bekannt.
Ein Insolvenzantrag bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Unternehmen geschlossen wird. Die vorläufige Insolvenzverwaltung dient unter anderem dazu, die wirtschaftliche Situation zu prüfen, Vermögenswerte zu sichern und festzustellen, ob eine Fortführung möglich ist.
Zu den Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gibt es erste Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Thilo Streck. Demnach treffen bei Michely mehrere Faktoren zusammen. Genannt werden strukturell zu geringe Umsätze sowie steigende Kosten für Energie und Personal.
Wie groß die finanziellen Belastungen im Einzelnen sind und welche Verbindlichkeiten bestehen, war zunächst nicht öffentlich bekannt. Auch konkrete Zahlen zu Umsatzentwicklung, Verlusten oder Forderungen der Gläubiger lagen zunächst nicht vor.
Damit lässt sich die Lage nicht auf einen einzelnen Kostenfaktor reduzieren. Klar ist jedoch, dass personalintensive Handwerksbetriebe wie Bäckereien in besonderem Maße von Veränderungen bei Löhnen und Energiepreisen betroffen sind. Backöfen, Kühlung, Produktion und Filialbetrieb verursachen kontinuierlich Energieaufwand, während gleichzeitig zahlreiche Mitarbeiter in Herstellung und Verkauf benötigt werden.
Hinzu kommt der Wettbewerb mit Supermärkten, Discountern und industriell gefertigten Backwaren. Ob und in welchem Umfang dieser Wettbewerb unmittelbar zur wirtschaftlichen Lage von Michely beigetragen hat, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Angaben allerdings nicht beziffern.
Der Fall in Schleswig-Holstein trifft auf eine Branche, die sich seit Jahren verändert. Nach Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks gab es Ende 2025 bundesweit noch 8.659 handwerkliche Bäckereibetriebe. Das waren 2,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Gleichzeitig stieg der Branchenumsatz 2025 nominal um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro. Steigende Umsätze bedeuten deshalb nicht automatisch eine bessere Ertragslage einzelner Unternehmen. Höhere Verkaufspreise können beispielsweise mit steigenden Kosten einhergehen.
Der Branchenverband nennt hohe Energie- und Kraftstoffpreise, zunehmende Lohn- und Lohnnebenkosten sowie bürokratische Belastungen als Herausforderungen für viele Betriebe. Gleichzeitig entstanden 2025 nach Verbandsangaben 448 neue Bäckereibetriebe, der höchste Wert seit 2018. Der Strukturwandel besteht deshalb nicht ausschließlich aus Betriebsschließungen, sondern auch aus Neugründungen und Veränderungen bestehender Unternehmen.
Auch die Gesamtwirtschaft verzeichnet weiterhin zahlreiche Unternehmensinsolvenzen. Von Januar bis Mai 2026 registrierten die deutschen Amtsgerichte 10.546 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 4,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Für Michely richtet sich der Blick nun auf die kommenden Wochen. Der vorläufige Insolvenzverwalter muss die wirtschaftliche Situation prüfen und Möglichkeiten für eine dauerhafte Fortführung bewerten. Dabei kann es um Kostenstrukturen, Umsätze, einzelne Standorte und mögliche Investoren gehen.
Eine Schließung aller neun Filialen ist derzeit nicht angekündigt. Ebenso wenig steht fest, dass die fast 100 Arbeitsplätze verloren gehen. Der aktuelle Plan sieht vielmehr vor, die Produktion und den Verkauf zunächst unverändert fortzuführen.
Ob die Bäckerei langfristig in ihrer bisherigen Struktur bestehen kann, war zunächst offen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, innerhalb des Insolvenzverfahrens eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den seit mehr als zwei Jahrzehnten bestehenden Handwerksbetrieb zu entwickeln.
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