
Der deutsche Life Science Konzern Bayer und das Abu Dhabi Investment Office wollen ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit, Life Sciences, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit ausbauen. Beide Seiten haben dafür ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Die Vereinbarung legt einen Rahmen fest, in dem mögliche gemeinsame Vorhaben geprüft werden sollen. Konkrete Investitionssummen oder bereits verbindlich vereinbarte Einzelprojekte wurden zunächst nicht genannt.
Die Partnerschaft von Bayer und ADIO soll nach Angaben der Beteiligten mehrere Themenfelder abdecken. Dazu gehören Innovationen im Gesundheitswesen, der mögliche Zugang zu modernen Therapien, Forschung und Life Sciences sowie Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Auch philanthropische Vorhaben und eine stärkere Vernetzung mit Forschungsinstituten, Technologieprogrammen und anderen Akteuren in Abu Dhabi gehören zu den vorgesehenen Bereichen.
Im Agrarsektor sollen mögliche Feldversuche geprüft werden, mit denen sich die Leistung von Nutzpflanzen unter Wüstenbedingungen und in anderen trockenen Regionen untersuchen ließe. Das passt zum Geschäftsmodell von Bayer. Der Konzern ist neben seinem Pharma- und Selbstmedikationsgeschäft mit der Sparte Crop Science einer der großen internationalen Anbieter von Saatgut, Pflanzenschutz und Agrartechnologien.
Bei der nun geschlossenen Vereinbarung handelt es sich um ein Memorandum of Understanding. Damit halten Bayer und das Abu Dhabi Investment Office gemeinsame Arbeitsfelder und Kooperationsabsichten fest. Daraus folgt noch nicht, dass bestimmte Forschungsprogramme, Investitionen oder Produktionsprojekte bereits verbindlich vereinbart wurden. Unklar blieb zunächst auch, welches finanzielle Volumen mögliche spätere Vorhaben erreichen könnten und wann erste konkrete Projekte beginnen sollen.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung auf Seiten des Abu Dhabi Investment Office von Mohammad Ali Al Kamali, Chief Trade and Industry Officer. Für Bayer unterschrieb Matthias Berninger, Executive Vice President und Leiter des Bereichs Public Affairs, Sustainability and Safety. Die Unterzeichnung fand im Umfeld des Staatsbesuchs des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, in Deutschland statt.
Die Vereinbarung fügt sich in die Strategie Abu Dhabis ein, neben traditionellen Wirtschaftsbereichen stärker in Medizin, Biotechnologie und andere wissensintensive Branchen zu investieren. Ein wichtiges Instrument dafür ist der 2025 gestartete Health, Endurance, Longevity and Medicine Cluster, kurz HELM. Er soll Forschung, Arzneimittelentwicklung, Biotechnologie, Medizintechnik, digitale Gesundheitslösungen und pharmazeutische Produktion enger miteinander verbinden.
Nach den Planungen der Regierung von Abu Dhabi soll HELM bis 2045 Investitionen von mehr als 42 Milliarden Dirham anziehen und rund 30.000 Arbeitsplätze schaffen. Der erwartete Beitrag zur Wirtschaftsleistung Abu Dhabis wird mit mehr als 94 Milliarden Dirham angegeben. Dabei handelt es sich um langfristige Zielgrößen des Emirats und nicht um bereits realisierte Investitionen oder Beschäftigungseffekte.
Auch für Landwirtschaft und Ernährung verfolgt Abu Dhabi eine eigene Clusterstrategie. Der AgriFood Growth and Water Abundance Cluster, kurz AGWA, konzentriert sich auf Agrartechnologie, neue Lebensmittel, Ernährungssicherheit und Technologien zur Wasserversorgung. Die geplante Kooperation mit Bayer berührt damit zwei Wirtschaftsbereiche, die Abu Dhabi gezielt ausbauen will.
Für Bayer ist die thematische Breite der Vereinbarung ungewöhnlich passend, weil der Konzern sowohl im Gesundheitssektor als auch in der Landwirtschaft tätig ist. Bayer wird über die drei Divisionen Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science geführt. Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 45,6 Milliarden Euro. Ende 2025 beschäftigte Bayer weltweit rund 88.100 Menschen auf Vollzeitbasis.
Die Crop Science Sparte erzielte 2025 einen Umsatz von rund 21,6 Milliarden Euro. Bei Pharmaceuticals lag der Umsatz bei rund 17,8 Milliarden Euro, bei Consumer Health bei rund 5,8 Milliarden Euro. Damit verfügt Bayer grundsätzlich über Geschäftsbereiche, die sowohl für die Gesundheitsstrategie als auch für die Ernährungssicherheitspläne Abu Dhabis relevant sind.
Die Unterzeichnung fällt zugleich in eine Phase engerer Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während des Staatsbesuchs wurden zahlreiche Vereinbarungen zwischen Unternehmen und Institutionen beider Länder bekanntgegeben. Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate kündigte zudem an, ihre Investitionen in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich ausweiten zu wollen.
Für die konkrete Zusammenarbeit zwischen Bayer und dem Abu Dhabi Investment Office beginnt mit dem Memorandum jedoch zunächst eine Prüfungsphase. Beide Seiten wollen geeignete Projekte identifizieren, Fachwissen austauschen und Kontakte zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Organisationen herstellen. Ob daraus größere Investitionen, gemeinsame Forschungsprogramme oder neue Produktionskapazitäten entstehen, war zunächst nicht festgelegt.
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