
Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer hat im dritten Quartal 2026 mehr Umsatz erzielt und sein operatives Ergebnis verbessert. Besonders das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten entwickelte sich stark. Deshalb hebt Bayer die Gewinnprognose für das laufende Jahr an. Trotz der Fortschritte schreibt der Leverkusener Konzern weiterhin Verluste.
Nach den am Dienstag, 3. November 2026, veröffentlichten Geschäftszahlen stieg der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent auf 10,053 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 6,9 Prozent auf 1,615 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand allerdings ein Verlust von 672 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Bayer noch 963 Millionen Euro verloren.
Der wichtigste Wachstumstreiber war erneut das Pharmageschäft. Die Sparte Pharmaceuticals steigerte ihren Umsatz um 8 Prozent auf 4,680 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt lag das Plus bei 6,4 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 23,6 Prozent auf 1,292 Milliarden Euro.
Besonders erfolgreich waren die Medikamente Nubeqa zur Behandlung von Prostatakrebs und Kerendia, das unter anderem bei chronischen Nierenerkrankungen eingesetzt wird. Die Umsätze dieser Präparate legten währungsbereinigt um 58,3 beziehungsweise 64,9 Prozent zu. Nubeqa erzielte allein zwischen Juli und September einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro.
Gleichzeitig belasteten auslaufende Patente weiterhin das Geschäft mit den etablierten Medikamenten Xarelto und Eylea. Die daraus resultierenden Umsatzrückgänge wurden durch das Wachstum neuerer Produkte jedoch mehr als ausgeglichen.
Vorstandschef Bill Anderson bewertete die Entwicklung als Wendepunkt für das Pharmageschäft. Die Sparte beginne einen neuen Wachstumszyklus. Für das Gesamtjahr rechnet das Management inzwischen mit einer Umsatzentwicklung am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne.
Weniger günstig verlief das dritte Quartal für die Agrarsparte Crop Science. Zwar erhöhte sich deren Umsatz nominal leicht um 0,7 Prozent auf 3,884 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte ergab sich jedoch ein Rückgang von 2,4 Prozent.
Bayer führte dies unter anderem auf regulatorische Einschränkungen und ungünstige Wetterbedingungen in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Asien zurück. In Lateinamerika entwickelte sich dagegen insbesondere das Geschäft mit Mais- und Sojabohnensaatgut positiv.
Das bereinigte EBITDA der Agrarsparte sank um 41,3 Prozent auf 101 Millionen Euro. Neben dem saisonal geringeren Geschäftsvolumen belasteten höhere Herstellungs- und Vertriebskosten das Ergebnis.
Die Sparte Consumer Health, zu der rezeptfreie Gesundheitsprodukte gehören, erzielte einen Umsatz von 1,445 Milliarden Euro. Das entsprach nominal einem Anstieg um 2,1 Prozent. Währungs- und portfoliobereinigt blieb der Umsatz nahezu unverändert. Das bereinigte EBITDA sank um 4,4 Prozent auf 347 Millionen Euro.
Während unter anderem Produkte aus den Bereichen Magen-Darm-Gesundheit und Dermatologie zulegten, entwickelte sich das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln sowie Allergie- und Erkältungsprodukten schwächer.
Aufgrund der besseren Entwicklung im Pharmageschäft hat Bayer seine Erwartungen für das Gesamtjahr angehoben. Der Konzern rechnet nun währungsbereinigt mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 9,8 und 10,3 Milliarden Euro. Bisher hatte die Prognosespanne bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro gelegen.
Auch die erwartete operative Gewinnmarge der Pharmasparte wurde erhöht. Sie soll im Gesamtjahr zwischen 25 und 27 Prozent liegen. Zuvor hatte Bayer mit 23 bis 25 Prozent gerechnet.
Zudem verbesserte das Unternehmen seine Prognose für den freien Cashflow. Hier erwartet Bayer für 2026 nun einen negativen Wert zwischen 0,5 und 1,5 Milliarden Euro. Bislang war ein Mittelabfluss zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro prognostiziert worden.
Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende noch zwischen 28 und 29 Milliarden Euro betragen. Auch diese Erwartung liegt um eine Milliarde Euro unter der bisherigen Prognose. Die Umsatzprognose für den Gesamtkonzern blieb mit währungsbereinigt 45 bis 47 Milliarden Euro unverändert.
Finanzvorständin Judith Hartmann erklärte, die Geschäftsentwicklung der ersten neun Monate habe das Vertrauen in die Jahresziele gestärkt. Bayer wolle insbesondere die Bilanz verbessern, seine Produktivität steigern und wieder mehr finanzielle Mittel aus dem laufenden Geschäft erwirtschaften.
Trotz der operativen Verbesserungen blieb das Konzernergebnis negativ. Bayer verbuchte im dritten Quartal unter anderem eine Wertminderung von 307 Millionen Euro auf die Pharmamarke Xofigo. Hinzu kamen Sonderaufwendungen von insgesamt 407 Millionen Euro, darunter eine Wertminderung von 215 Millionen Euro auf die Marke Claritin sowie Kosten für Rechtsstreitigkeiten.
Das bereinigte Ergebnis je Aktie sank von 0,49 Euro im Vorjahresquartal auf 0,31 Euro. Neben anderen Faktoren wirkten sich dabei nicht zahlungswirksame Belastungen infolge veränderter Zinssätze aus.
Auch beim freien Cashflow zeigte sich die finanzielle Belastung. Während Bayer im dritten Quartal 2025 noch einen positiven Wert von 596 Millionen Euro ausgewiesen hatte, lag der Mittelabfluss nun bei 293 Millionen Euro. Dazu trugen höhere Zahlungen zur Beilegung von Rechtsverfahren bei.
Die Nettofinanzverschuldung verringerte sich zum 30. September dennoch auf 31,083 Milliarden Euro. Maßgeblich war eine Zahlung von drei Milliarden Euro durch den Finanzinvestor Apollo Global Management im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an einer neu gegründeten Gesellschaft.
Die Rechtsstreitigkeiten um glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel beschäftigen Bayer weiterhin. In den USA werfen Kläger der Konzerntochter Monsanto vor, durch den Kontakt mit entsprechenden Produkten Gesundheitsschäden erlitten zu haben.
Im Februar 2026 hatte Monsanto nach Unternehmensangaben Vereinbarungen zur Beilegung zahlreicher Roundup-Verfahren getroffen. Ein landesweiter Sammelvergleich sieht ein langfristiges Entschädigungsprogramm mit Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren vor.
Der Sammelvergleich hatte im März eine vorläufige gerichtliche Genehmigung erhalten. Eine endgültige rechtskräftige Bestätigung lag zum Zeitpunkt des Quartalsberichts jedoch noch nicht vor. Mögliche Rechtsmittelverfahren könnten sich nach Angaben von Bayer über mehrere Jahre erstrecken.
Bayer verwies außerdem auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Juni 2026, die bestimmte einzelstaatliche Ansprüche im Zusammenhang mit Warnhinweisen für Pestizide ausschließt. Nach Darstellung des Unternehmens wurde Ende Oktober erstmals seit dieser Entscheidung ein Glyphosat-Verfahren von einer Jury zugunsten von Monsanto entschieden.
Die Entwicklung verringert nicht automatisch sämtliche verbliebenen rechtlichen Risiken. Auch die künftigen finanziellen Belastungen hängen davon ab, wie die noch offenen Verfahren und Vergleiche abgeschlossen werden.
Die neuen Quartalszahlen veröffentlichte Bayer am Dienstag um 7.30 Uhr. Eine verlässlich dokumentierte Kursreaktion im regulären Xetra-Handel lag am frühen Morgen zunächst noch nicht vor.
Am Montag, 2. November 2026, hatte die Bayer-Aktie den Xetra-Handel laut MarketScreener um 17.35 Uhr bei 50,02 Euro beendet. Gegenüber dem vorherigen Handelstag entsprach dies einem Rückgang von 1,11 Prozent. Dieser Kurs stammt aus der Zeit vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen.
Die Zahlen verdeutlichen die unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Konzerns. Während das Pharmageschäft zunehmend höhere Ergebnisbeiträge liefert, stehen die Agrarsparte unter Kostendruck und Bayer insgesamt vor erheblichen finanziellen Verpflichtungen. Die angehobene Jahresprognose signalisiert operative Fortschritte. Ob diese zu einer dauerhaft verbesserten Ertrags- und Finanzlage führen, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Rechtsstreitigkeiten und des Mittelzuflusses ab.
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