
Jeff Bezos hat sich in einem ausführlichen CNBC-Interview zu mehreren Themen geäußert, die weit über Amazon hinausreichen. Der Amazon-Gründer und heutige Executive Chairman sprach über die Steuerlast niedriger Einkommen, die Investitionswelle in Künstliche Intelligenz, mögliche Datenzentren im Weltraum, Blue Origin und die umstrittene Melania-Dokumentation von Amazon MGM Studios. Das Gespräch wurde am 20. Mai 2026 in der Blue-Origin-Fabrik in Merritt Island in Florida geführt.
Bezos stellte in dem Interview die These auf, die untere Hälfte der Einkommensbezieher in den USA solle keine Einkommensteuer zahlen. Er begründete dies mit der Belastung von Menschen, die trotz Arbeit Schwierigkeiten mit Miete, Lebensmitteln und laufenden Kosten hätten. Als Beispiel nannte er unter anderem eine Krankenschwester in Queens mit 75.000 Dollar Jahreseinkommen. Die untere Hälfte der Steuerzahler zahle nur einen kleinen Anteil der Einkommensteuer. Aus seiner Sicht solle dieser Anteil auf null sinken.
Damit positionierte sich Bezos in einer US-Debatte, die seit Jahren von zwei entgegengesetzten Forderungen geprägt ist. Auf der einen Seite stehen Vorschläge für höhere Steuern auf Vermögen und Milliardäre. Auf der anderen Seite argumentieren Unternehmer und konservative Ökonomen, dass der Staat vor allem Ausgaben und Bürokratie begrenzen müsse.
Beim Thema Künstliche Intelligenz widersprach Bezos der Annahme, viele qualifizierte Berufe würden unmittelbar verschwinden. Er nannte Softwareentwicklung und Radiologie als Bereiche, in denen häufig vor Verdrängung gewarnt werde. Nach seiner Darstellung werde KI diese Tätigkeiten eher auf ein höheres Niveau heben. Softwareentwickler würden weniger reine Ausführung leisten und stärker Probleme identifizieren und lösen.
Bezos verband diese Einschätzung mit seiner neuen Rolle bei Project Prometheus. Das Unternehmen beschrieb er als KI-Firma, die Werkzeuge für das Design physischer Objekte entwickeln soll. Es gehe nicht um Robotik, sondern um eine Art KI-gestützte Ingenieursarbeit. Bezos sagte, seine Arbeit bei Amazon, Blue Origin und Prometheus sei inzwischen stark auf KI ausgerichtet.
In der Debatte über hohe Bewertungen und massive Investitionen in KI-Unternehmen äußerte sich Bezos auffallend gelassen. Er sagte nicht, eine Blase sei ausgeschlossen. Vielmehr erklärte er, selbst wenn sich der derzeitige Boom als Blase erweise, könne er technologisch produktiv sein. In solchen Phasen würden gute und schlechte Ideen finanziert. Die guten Ideen könnten am Ende den gesellschaftlichen Nutzen tragen, während einzelne Investoren bei schwächeren Projekten Geld verlieren könnten.
Diese Argumentation erinnert an frühere Technologiezyklen. Auch in der Dotcom-Zeit wurden viele Geschäftsmodelle überbewertet. Trotzdem entstanden damals Infrastrukturen, Unternehmen und digitale Gewohnheiten, die spätere Märkte prägten. Bezos stellte die aktuelle KI-Euphorie damit eher als riskanten, aber potenziell produktiven Investitionsschub dar.
Ein weiterer Schwerpunkt war Bezos‘ Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Bezos erklärte, Datenzentren im Weltraum seien aus seiner Sicht realistisch. Zugleich dämpfte er kurze Zeitpläne von zwei oder drei Jahren. Entscheidend seien vor allem zwei Faktoren: Der Energieanteil an den Kosten irdischer Datenzentren müsse steigen und die Startkosten müssten deutlich sinken. Genau daran arbeite Blue Origin.
Bezos beschrieb außerdem eine langfristige Vision für Datenzentren auf oder nahe dem Mond. Blue Origin arbeite an Solarzellen aus Mondregolith-Simulant. Perspektivisch könnten Datenzentren im Weltraum oder auf dem Mond mit dort gewonnenen Materialien gebaut und mit Solarenergie versorgt werden. Blue Origin hat bereits einen NASA-Vertrag für einen Mondlander im Artemis-Programm erhalten.
Der Auftritt zeigte auch, wie sich Bezos‘ Rolle seit seinem Rückzug aus dem operativen Amazon-Chefposten verändert hat. Er ist nicht mehr der tägliche Leiter des Online- und Cloud-Konzerns, bleibt aber als Executive Chairman, Eigentümer der Washington Post, Gründer von Blue Origin und Co-Chef von Project Prometheus ein einflussreicher Akteur in Wirtschaft, Technologie und Medien.
Diese neue Rolle verschiebt den Schwerpunkt. Bezos spricht weniger als Konzernchef eines einzelnen Unternehmens, sondern als Investor, Gründer und politisch einflussreicher Unternehmer. Seine Aussagen zu Steuern, KI und Raumfahrt greifen deshalb in mehrere Debatten gleichzeitig ein: soziale Ungleichheit, Zukunft der Arbeit, globale Technologiekonkurrenz und die wachsende Bedeutung privater Raumfahrtunternehmen.
Auch die Melania-Dokumentation von Amazon MGM Studios kam zur Sprache. Bezos wies zurück, persönlich an der Entscheidung beteiligt gewesen zu sein. Er erklärte außerdem, es sei nicht korrekt, die Dokumentation als Versuch zu deuten, Einfluss bei der Regierung Trump zu kaufen. Gleichzeitig räumte er ein, dass Menschen diese Deutung nachvollziehen könnten.
Die Dokumentation hatte zuvor Kritik ausgelöst. Amazon hatte demnach die Rechte an dem Film für 40 Millionen Dollar erworben und zusätzlich rund 35 Millionen Dollar für Marketing ausgegeben. Öffentlich zugängliche Streamingdaten zur Bewertung des Erfolgs lagen zunächst nicht vor. Amazon hatte Vorwürfe im Zusammenhang mit Einflussnahme zurückgewiesen und die kulturelle sowie historische Relevanz des Films betont.
Jeff Bezos bündelte in dem Gespräch mehrere Konfliktlinien der Gegenwart. In der Steuerpolitik stellt er die Entlastung niedriger Einkommen vor die Forderung nach höheren Milliardärsteuern. In der KI-Debatte setzt er auf Produktivität statt auf Jobverlust-Szenarien. In der Raumfahrt verknüpft er Blue Origin mit Energie, Datenzentren und industrieller Infrastruktur außerhalb der Erde. Und bei Amazon MGM verteidigt er eine umstrittene Studioentscheidung, ohne persönliche Verantwortung dafür zu übernehmen.
Damit wirkt das Interview weniger wie eine einzelne Nachricht, sondern wie eine programmatische Positionsbestimmung. Bezos präsentiert sich als Unternehmer, der staatliche Ineffizienz kritisiert, technologische Risiken akzeptiert und große Zukunftsmärkte früh besetzen will.
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