
Ein Big Mac für 5,99 Euro oder derselbe Burger für 8,39 Euro: Bei McDonald’s in Deutschland unterscheiden sich die Preise erheblich. Eine Auswertung von 1.367 Restaurants zeigt insgesamt 28 verschiedene Preise für den bekannten Burger. Selbst zwischen zwei Filialen, die nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt liegen, kann der Unterschied mehr als einen Euro ausmachen. Dahinter steht ein Preissystem, bei dem die Betreiber der Restaurants weitgehend eigenständig entscheiden.
Die Daten hat ein Berliner Student zusammengestellt, der an der Berliner Hochschule für Technik Digitale Wirtschaft studiert. Nach eigenen Angaben erfasste er an einem Tag die öffentlich verfügbaren Preise von 1.367 McDonald’s-Restaurants in Deutschland.
Das Ergebnis reicht von 5,99 Euro bis 8,39 Euro für einen einzelnen Big Mac. Die höchsten Preise wurden am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe und in Lohfelden in Hessen ermittelt. Beide Restaurants gehören zur McD Betriebs GmbH. Zu den günstigsten Standorten zählen Restaurants in Leipzig, München und der Region Stuttgart.
Auch zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede. Berlin liegt in der Auswertung mit einem durchschnittlichen Big-Mac-Preis von 7,06 Euro an der Spitze, knapp vor Brandenburg mit 7,05 Euro und Bayern mit 7,03 Euro. In Sachsen werden durchschnittlich 6,80 Euro verlangt. Bemerkenswert ist dabei, dass München trotz der vergleichsweise hohen bayerischen Durchschnittspreise mehrere besonders günstige Restaurants aufweist.
Wie stark die Preisgestaltung vom einzelnen Standort abhängt, zeigt ein Beispiel an der Autobahn A3 bei Bad Camberg. Dort befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten der Autobahn zwei McDonald’s-Restaurants, die lediglich rund 260 Meter Luftlinie voneinander entfernt liegen.
In Fahrtrichtung Frankfurt kostet ein Big Mac laut Auswertung 6,39 Euro, auf der gegenüberliegenden Seite dagegen 7,49 Euro. Der Unterschied beträgt 1,10 Euro. Bemerkenswert ist, dass beide Restaurants direkt von McDonald’s Deutschland betrieben werden. Ein weiteres Restaurant im nahe gelegenen Bad Camberg, das von einem Franchisenehmer geführt wird, verlangt 6,89 Euro.
Das Beispiel macht deutlich, dass unterschiedliche Eigentümer nicht die einzige Erklärung für abweichende Preise sind. Auch die Bedingungen am jeweiligen Standort können eine Rolle spielen. Nach der Auswertung liegen die Preise an Autobahnraststätten bei mehreren Produkten über dem bundesweiten Durchschnitt. Beim Big Mac beträgt der Aufschlag dort durchschnittlich rund drei Prozent, beim McFlurry sogar rund 32 Prozent.
Hinter den Unterschieden steht das Geschäftsmodell der Fast-Food-Kette. Nach Angaben des Bundesverbands der Systemgastronomie werden rund 94 Prozent der deutschen McDonald’s-Restaurants von selbstständigen Franchiseunternehmen geführt. Sie nutzen die Marke, die Produkte und die betrieblichen Standards des Konzerns, führen ihre Restaurants aber wirtschaftlich eigenständig.
McDonald’s erklärte am 1. Oktober 2026, dass Franchiseunternehmen die Menüpreise ihrer Restaurants selbst festlegen. Der Konzern stellt dafür Empfehlungen, Marktdaten und weitere Hilfsmittel bereit. Verbindlich seien diese Preisempfehlungen jedoch nicht. Als Einflussfaktoren nennt McDonald’s unter anderem örtliche Kosten, die Nachfrage, die Wettbewerbssituation und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Hinzu kommen finanzielle Verpflichtungen innerhalb des Franchise-Systems. Nach den veröffentlichten Vertragskonditionen zahlen die Betreiber laufende Franchisegebühren und standortabhängige Pacht. Außerdem müssen sie einen festgelegten Anteil ihrer Erlöse für Werbung einsetzen. Wie stark sich diese Faktoren konkret auf den Big-Mac-Preis einzelner Restaurants auswirken, lässt sich aus der Preiserhebung nicht bestimmen.
Dass regionale Marktbedingungen für die Preisgestaltung bedeutsam sind, zeigt auch eine wissenschaftliche Untersuchung aus den USA. Forschende der Michigan State University analysierten die Preise von 10.585 McDonald’s-Restaurants aus dem Jahr 2023. Die Ergebnisse wurden im August 2026 in der Fachzeitschrift „Growth and Change“ veröffentlicht.
Die Untersuchung ergab, dass die Konkurrenz durch andere Restaurantketten besonders stark mit den Big-Mac-Preisen zusammenhängt. In der Nähe konkurrierender Anbieter waren die Preise tendenziell niedriger. Restaurants in städtischen Gebieten verlangten im Durchschnitt etwa 2,5 bis vier Prozent mehr als Restaurants in ländlichen Regionen. Auch örtliche Kosten und die Arbeitsmarktlage spielten eine Rolle.
Die US-Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Sie verdeutlichen jedoch, warum ein bundesweit angebotenes, weitgehend standardisiertes Produkt nicht zwangsläufig überall denselben Preis hat.
Die deutsche Auswertung bildet die öffentlich verfügbaren Preise an einem bestimmten Erhebungstag ab. Sie liefert damit eine Momentaufnahme und keine Garantie dafür, dass jeder genannte Preis auch Anfang November noch gilt.
Für Verbraucher bedeutet das, dass sich ein Blick auf die Preise des jeweiligen Restaurants lohnen kann. Denn selbst innerhalb einer Stadt oder zwischen benachbarten Standorten muss der Big Mac nicht gleich viel kosten. Einheitliche Produkte und eine gemeinsame Marke bedeuten bei McDonald’s nicht automatisch eine einheitliche Rechnung.
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