
Die deutsche Wirtschaft hat ihre Erholung im Sommer 2026 nach Einschätzung der Bundesbank vorübergehend unterbrochen. Im dritten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal stagniert haben. Für die letzten drei Monate des Jahres erwartet die Notenbank dagegen wieder ein spürbares Wachstum. Belastend wirken weiterhin hohe Energiepreise und die Folgen des Nahostkrieges.
Im Bundesbank-Monatsbericht Oktober 2026 vom Mittwoch, 21. Oktober, fällt die Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung vorsichtiger aus als noch einen Monat zuvor. Im September hatten die Fachleute für das dritte Quartal ein geringes Wachstum erwartet. Inzwischen gehen sie davon aus, dass die Wirtschaftsleistung zwischen Juli und September unverändert geblieben sein dürfte.
Damit wäre die wirtschaftliche Belebung nach einem vergleichsweise starken ersten Halbjahr zunächst zum Stillstand gekommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,4 Prozent und im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorquartal gestiegen.
Eine wesentliche Ursache für die schwächere Entwicklung sieht die Bundesbank in den Folgen der sommerlichen Trockenheit. Die niedrigen Wasserstände des Rheins erschwerten den Gütertransport und beeinträchtigten damit die Versorgung von Industriebetrieben.
Besonders betroffen waren unter anderem Unternehmen der Chemieindustrie, der Metallverarbeitung und der Mineralölwirtschaft. Höhere Transportkosten und eingeschränkte Liefermöglichkeiten wirkten sich auf die Produktion aus.
Auch der deutsche Außenhandel verlor nach Einschätzung der Bundesbank zu Beginn des zweiten Halbjahres an Dynamik. Eingeschränkte Transportkapazitäten auf Binnenwasserstraßen erschwerten zudem den Warenverkehr über europäische Seehäfen.
Neben den Transportproblemen belastet die anhaltende Teuerung die Konjunktur. Insbesondere die gestiegenen Energiepreise verringern die Kaufkraft der privaten Haushalte. Nach Einschätzung der Bundesbank dürfte der private Konsum im dritten Quartal kaum zum Wirtschaftswachstum beigetragen haben.
Die hohen Energiekosten stehen auch im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten. Trotz staatlicher Entlastungsmaßnahmen erwartet die Bundesbank kurzfristig keine deutliche Entspannung bei den Energiepreisen.
Die wirtschaftliche Unsicherheit spiegelt sich ebenfalls in den Erwartungen von Finanzmarktexperten wider. Der vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW ermittelte Konjunkturerwartungsindex sank im Oktober nach Angaben von Reuters von 34,7 auf 28,1 Punkte. Es war der erste Rückgang nach fünf Monaten mit Verbesserungen.
Für den Zeitraum Oktober bis Dezember fällt die Prognose der Bundesbank günstiger aus. Die Notenbank rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung wieder merklich zulegen könnte, sobald vorübergehende Belastungen nachlassen.
Zu den möglichen Wachstumsstützen gehören die staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie eine stärkere industrielle Aktivität. Die Bundesbank hatte bereits im September darauf hingewiesen, dass die deutsche Wirtschaft trotz ihrer zwischenzeitlichen Abschwächung grundsätzlich auf Erholungskurs bleiben dürfte.
Allerdings ist der Ausblick mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Insbesondere die weitere Entwicklung des Krieges im Nahen Osten und seine Auswirkungen auf die Energieversorgung könnten bestimmen, wie kräftig die deutsche Wirtschaft zum Jahresende wächst.
Ob die deutsche Wirtschaft tatsächlich drei Monate lang ohne Wachstum geblieben ist, soll sich am 30. Oktober 2026 zeigen. Dann will das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal veröffentlichen.
Die bisherige Einschätzung der Bundesbank ist damit noch kein endgültiges Konjunkturergebnis. Sie deutet jedoch darauf hin, dass die wirtschaftliche Erholung in Europas größter Volkswirtschaft weiterhin anfällig für äußere Belastungen ist. Entscheidend für den weiteren Jahresverlauf dürfte sein, ob die Industrie wieder stärker produzieren kann und sich die Nachfrage im Inland stabilisiert.
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