
Hubert Burda Media stellt seine Konzernstruktur grundlegend um. Das deutsche Medien- und Beteiligungsunternehmen will sein Verlagsgeschäft und seine digitalen Beteiligungen künftig in zwei rechtlich eigenständigen Gesellschaften führen. Die Neuordnung soll spätestens 2028 abgeschlossen sein. Das gab der Konzern am Dienstag, 20. Oktober 2026, bekannt. Die Eigentumsverhältnisse sollen unverändert bleiben. Für bekannte Medienmarken wie Focus und Bunte sowie Beteiligungen an Unternehmen wie HolidayCheck, Xing und Cyberport bedeutet die Entscheidung vor allem eine organisatorische Neuordnung.
Die künftige Unternehmensstruktur besteht aus zwei Einheiten mit unterschiedlichen Aufgaben. Burda Media übernimmt die deutschen und internationalen Medienaktivitäten einschließlich des Verlagsgeschäfts. Burda Equity soll die digitalen Unternehmensbeteiligungen bündeln und als eigenständige Beteiligungsgesellschaft arbeiten. Die Trennung betrifft damit nicht nur interne Zuständigkeiten, sondern die rechtliche Organisation der beiden Geschäftsbereiche. Einen genauen Termin für den Abschluss der Umstellung innerhalb des Zeitraums bis 2028 nannte Burda zunächst nicht.
Die strategische Aufteilung in Burda Media und Burda Equity war bereits im Frühjahr 2025 eingeleitet worden. Damals wurden die unterschiedlichen Geschäftsmodelle organisatorisch voneinander abgegrenzt. Nun folgt die rechtliche Verselbstständigung. An den Besitzverhältnissen ändert sich dadurch nichts. Hubert Burda sowie seine Kinder Jacob Burda und Elisabeth Burda Furtwängler bleiben über die gemeinsame Eigentümerstruktur an beiden Gesellschaften beteiligt. Ein Verkauf des Mediengeschäfts oder ein Rückzug der Familie ist mit der angekündigten Neuordnung nicht verbunden.
Das Medienunternehmen wird künftig von Elisabeth Varn und Lydia Rullkötter in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen geführt. Varn, die seit Juli 2026 für das deutsche Mediengeschäft verantwortlich ist, soll dessen strategische Weiterentwicklung vorantreiben. Rullkötter übernimmt die Steuerung des internationalen Medienportfolios. Dazu gehören verschiedene europäische Verlagsgesellschaften und digitale Medienangebote. Burda will seine Marken stärken, direkte Kundenbeziehungen ausbauen und künstliche Intelligenz stärker in die Geschäftsprozesse integrieren.
Zum Medienportfolio zählen unter anderem Focus, Bunte, Freundin, Chip und TV Spielfilm sowie zahlreiche digitale Nachrichten- und Serviceangebote. Bereits im Juli hatte Burda angekündigt, die bisher getrennten Organisationen von BurdaVerlag und BurdaForward im deutschen Publishing-Geschäft enger zusammenzuführen. Printangebote und digitale Plattformen sollen stärker gemeinsam gesteuert werden. Die rechtliche Eigenständigkeit von Burda Media ergänzt diese bereits eingeleitete organisatorische Umgestaltung. Eine Einstellung der genannten Marken wurde im Zusammenhang mit der neuen Konzernstruktur nicht angekündigt.
Für die Beteiligungsgesellschaft Burda Equity übernimmt Maximilian Preisser die Führung als CEO. Er ist seit Oktober 2026 zugleich Vorstandssprecher von Hubert Burda Media. Zu den Beteiligungen des Konzerns gehören die New Work SE mit Xing und Kununu, die Reiseplattform HolidayCheck, der Elektronikhändler Cyberport sowie das Nachbarschaftsnetzwerk Nebenan.de. Anders als das klassische Verlagsgeschäft sind diese Unternehmen vor allem in digitalen Dienstleistungen, Plattformgeschäften und im Onlinehandel tätig.
Die eigenständige Gesellschaft soll ihr Beteiligungsportfolio künftig nach einer eigenen Investitionsstrategie entwickeln. Burda Equity kann dafür auch Partnerschaften mit weiteren Investoren eingehen und externes Kapital einwerben. Der Verwaltungsratsvorsitzende Marc Al-Hames begründet die Neuordnung mit den unterschiedlichen Anforderungen der Geschäftsmodelle. Während das Mediengeschäft stärker auf Markenentwicklung und digitale Angebote ausgerichtet wird, soll bei den Beteiligungen die eigenständige Steuerung des Unternehmensportfolios im Mittelpunkt stehen. Der Bereich Venture & Networks unter Christian Teichmann mit der Innovationskonferenz DLD und Burda Principal Investments bleibt nach Unternehmensangaben von der rechtlichen Neuordnung unberührt.
Die Umstrukturierung erfolgt in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Phase. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Burda-Gruppe einen Umsatz von rund 2,66 Milliarden Euro. Das waren 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Während der Medienbereich mit rund 1,28 Milliarden Euro Umsatz einen Rückgang von 6,5 Prozent verzeichnete, legte das Beteiligungsgeschäft um 1,5 Prozent auf rund 1,37 Milliarden Euro zu. Die unterschiedlichen Entwicklungen verdeutlichen, dass beide Unternehmensbereiche vor verschiedenen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen.
Ende 2025 beschäftigte Hubert Burda Media weltweit 8.637 Menschen. Welche konkreten Folgen die rechtliche Trennung für die Beschäftigten haben wird, blieb zunächst offen. Das Unternehmen kündigte an, Strukturen anzupassen und Funktionen zusammenzuführen. Konkrete Zahlen zu möglichen zusätzlichen Stellenstreichungen wurden mit der Entscheidung vom 20. Oktober nicht veröffentlicht. Bereits die im Juli vorgestellte Neuorganisation des Medienbereichs sah eine Verschlankung von Verwaltungs- und Unterstützungsfunktionen sowie Veränderungen in der Führungsstruktur vor. Diese Maßnahmen gehören zu einem länger laufenden Umbau des Unternehmens.
Für Leser, Abonnenten und Nutzer der digitalen Dienste ergeben sich aus der angekündigten Aufteilung zunächst keine konkret benannten Änderungen. Auch neue Entscheidungen über die Zukunft einzelner Zeitschriften, Internetportale oder Beteiligungen wurden mit der rechtlichen Trennung nicht bekannt gegeben. Die Burda-Gruppe setzt damit ihren seit 2025 laufenden Transformationsprozess fort und will die beiden Geschäftsmodelle künftig mit größerer unternehmerischer Eigenständigkeit führen. Bis spätestens 2028 sollen dafür die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sein.
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