
Chinas Wirtschaft hat im dritten Quartal 2026 wieder etwas an Tempo gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent, wie das Nationale Statistikamt am Montag, 19. Oktober, mitteilte. Damit fiel das Wachstum stärker aus als im zweiten Quartal, als die Wirtschaftsleistung um 4,3 Prozent zugelegt hatte. Vor allem die Exporte und die Industrieproduktion stützen die Konjunktur. Im Inland bleiben die Nachfrage und der Immobilienmarkt dagegen schwach.
Die aktuellen Zahlen zeigen eine leichte Beschleunigung der chinesischen Konjunktur. Gegenüber dem Vorquartal erhöhte sich die Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent. Für die ersten neun Monate des Jahres ergibt sich ein Wachstum von insgesamt 4,6 Prozent. Damit liegt China bislang innerhalb des von der Regierung angestrebten Jahresziels von 4,5 bis 5 Prozent.
Eine wichtige Stütze ist weiterhin der Außenhandel. In den ersten neun Monaten legten die chinesischen Warenausfuhren gemessen in Yuan um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Die Importe stiegen um 22,3 Prozent. Besonders gefragt sind Maschinen, elektronische Produkte und Güter aus der Hochtechnologie. Die Exporte mechanischer und elektronischer Erzeugnisse erhöhten sich um 23,7 Prozent.
Auch die Industrieproduktion entwickelt sich vergleichsweise kräftig. Im September stieg sie um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Produktion in der Hochtechnologieindustrie wuchs in den ersten drei Quartalen sogar um 14,3 Prozent.
Während chinesische Unternehmen auf den internationalen Märkten höhere Umsätze erzielen, bleibt die Entwicklung im Inland deutlich verhaltener. Die Einzelhandelsumsätze stiegen in den ersten neun Monaten lediglich um 1,1 Prozent. Auch im September lag das Wachstum bei 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Besonders deutlich zeigen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Immobiliensektor. Die Investitionen in Immobilienprojekte gingen zwischen Januar und September um 20,6 Prozent zurück. Gleichzeitig sank der Verkaufswert neuer Gewerbe- und Wohnimmobilien um 13,9 Prozent.
Die anhaltenden Probleme auf dem Immobilienmarkt wirken sich auf die gesamte Wirtschaft aus. Sinkende Immobilienwerte und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung können die Bereitschaft der privaten Haushalte zu größeren Ausgaben beeinträchtigen.
Auch außerhalb der Immobilienbranche wird weniger investiert. Insgesamt gingen die Anlageinvestitionen in den ersten neun Monaten um 7,2 Prozent zurück. Die privaten Investitionen sanken sogar um 10,4 Prozent. Damit entwickelt sich die Investitionstätigkeit erheblich schwächer als die Industrieproduktion.
Die starke Ausrichtung auf das Exportgeschäft hat auch internationale Folgen. Chinas Handelsüberschuss summierte sich nach den chinesischen Zolldaten in den ersten neun Monaten auf rund 938 Milliarden US-Dollar. Bereits 2025 hatte das Land einen Rekordüberschuss von rund 1,2 Billionen US-Dollar erzielt.
Der zunehmende Absatz chinesischer Produkte verschärft den Wettbewerb in wichtigen internationalen Industriezweigen. Dazu zählen insbesondere Fahrzeuge, Maschinen und elektronische Erzeugnisse. Europäische Unternehmen konkurrieren dabei zunehmend mit chinesischen Herstellern, die ihre Produktion ausgeweitet haben und verstärkt auf ausländische Absatzmärkte setzen.
Damit wächst auch die Bedeutung der Handelsbeziehungen zwischen China und der Europäischen Union. Während chinesische Unternehmen von der starken Nachfrage nach Technologieprodukten profitieren, stehen europäische Hersteller in mehreren Branchen unter zusätzlichem Wettbewerbsdruck.
Für Deutschland ist die wirtschaftliche Entwicklung Chinas von besonderer Bedeutung. Mit einem Handelsvolumen von 251,8 Milliarden Euro war China 2025 erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner. Allerdings entwickelten sich die Warenströme sehr unterschiedlich. Während Deutschland Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China importierte, beliefen sich die deutschen Ausfuhren nach China auf 81,3 Milliarden Euro.
Dieser Trend setzte sich 2026 zunächst fort. In den ersten fünf Monaten sanken die deutschen Exporte nach China um 14,5 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Besonders stark betroffen waren die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen gingen um 26,1 Prozent zurück, die Maschinenexporte um 17,5 Prozent. Gleichzeitig nahmen die deutschen Importe aus China um 6,2 Prozent zu.
Die aktuellen Wachstumszahlen aus China bedeuten deshalb nicht automatisch bessere Absatzmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Zwar wächst die chinesische Wirtschaft insgesamt wieder etwas schneller, doch die zurückhaltende Nachfrage im Inland begrenzt die Chancen ausländischer Anbieter. Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller auf internationalen Märkten an Bedeutung.
Für das Gesamtjahr 2026 strebt die chinesische Regierung weiterhin ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an. Die Entwicklung der kommenden Monate wird wesentlich davon abhängen, ob neben dem Exportgeschäft auch die Nachfrage der privaten Haushalte und die Investitionen wieder stärker zum Wachstum beitragen.
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