Merz und Burnham wollen Cyberangriffe und Sabotage gemeinsam bekämpfen

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Deutschland und Großbritannien wollen ihre Zusammenarbeit gegen Cyberangriffe, Sabotage und andere hybride Bedrohungen deutlich ausbauen. Die britische Regierung kündigte am Donnerstag, 8. Oktober 2026, eine neue Sicherheitspartnerschaft an. Sie soll den Informationsaustausch verbessern und gemeinsame Maßnahmen gegen feindliche Aktivitäten ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Bedrohungen durch staatliche Akteure und Angriffe auf kritische Infrastruktur. Anlass ist der Antrittsbesuch des britischen Premierministers Andrew Burnham bei Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin. Beide Regierungen sehen in der engeren Zusammenarbeit einen wichtigen Bestandteil der europäischen Sicherheitsvorsorge.

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Deutschland und Großbritannien planen gemeinsame Cyberabwehr

Die neue Partnerschaft soll es beiden Staaten ermöglichen, verdächtige Aktivitäten frühzeitiger zu erkennen und ihre Gegenmaßnahmen besser abzustimmen. Vorgesehen sind ein intensiverer Austausch sicherheitsrelevanter Informationen sowie koordinierte Maßnahmen zur Beobachtung, Abschreckung und Unterbindung hybrider Bedrohungen.

Die gemeinsame Cyberabwehr richtet sich dabei nicht ausschließlich gegen Angriffe auf Computersysteme. Auch Sabotagehandlungen und andere Formen verdeckter Einflussnahme sollen stärker berücksichtigt werden.

Besondere Bedeutung erhält der Schutz kritischer Infrastruktur. Dazu zählen beispielsweise Energieversorgung, Kommunikationsnetze und Verkehrssysteme. Störungen dieser Einrichtungen können erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Bevölkerung haben.

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Welche Behörden und Sicherheitsdienste künftig in welcher Form zusammenarbeiten werden, wurde zunächst nicht näher erläutert. Auch konkrete Zeitpläne für die Umsetzung einzelner Maßnahmen wurden nicht genannt.

Russland steht im Mittelpunkt der Sicherheitsbedenken

Die britische Regierung begründet den Ausbau der Zusammenarbeit mit einer zunehmenden Bedrohung durch hybride Aktivitäten. Dabei verweist London insbesondere auf Russland. Solche Aktivitäten können unterschiedliche Formen annehmen und reichen von digitalen Angriffen über Sabotage bis zu gezielten Desinformationskampagnen.

Die Maßnahmen sollen sich allerdings nicht ausschließlich gegen russische Aktivitäten richten. Beide Staaten wollen grundsätzlich gegen feindliche Handlungen vorgehen, unabhängig von deren Ursprung.

Die Bundesregierung hatte wiederholt vor hybriden Bedrohungen im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gewarnt. Auch Bundeskanzler Merz äußerte sich zuletzt besorgt über mögliche weitere Angriffe auf europäische Staaten.

Eine pauschale Zuordnung einzelner Cyberangriffe zu russischen Behörden oder staatlichen Stellen ergibt sich daraus nicht. Solche Zuschreibungen erfordern jeweils gesonderte Erkenntnisse über die verantwortlichen Akteure.

Kensington-Vertrag soll Zusammenarbeit dauerhaft stärken

Die neue Sicherheitsinitiative baut auf dem deutsch-britischen Kensington-Vertrag auf. Deutschland und Großbritannien hatten das Abkommen am 17. Juli 2025 in London unterzeichnet. Es umfasst neben Sicherheits- und Verteidigungsfragen auch die Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft.

Während des Besuchs von Burnham in Berlin sollen am Donnerstag die Ratifikationsurkunden ausgetauscht werden. Damit soll der Freundschaftsvertrag offiziell in Kraft treten.

Bereits Artikel 4 des Abkommens verpflichtet beide Staaten zu einer engeren Zusammenarbeit gegen hybride Bedrohungen. Ausdrücklich genannt werden Sabotage, Cyberangriffe, ausländische Einflussnahme und der missbräuchliche Einsatz neuer Technologien.

Der Vertrag sieht außerdem den Ausbau gemeinsamer Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr solcher Aktivitäten vor. Informationsaustausch und abgestimmte Reaktionen gehören zu den vereinbarten Instrumenten.

Militärische Zusammenarbeit besteht bereits seit 2024

Die Partnerschaft zwischen Berlin und London beginnt nicht erst mit der neuen Ankündigung. Bereits im Oktober 2024 hatten beide Staaten mit dem Trinity-House-Abkommen eine engere militärische Zusammenarbeit vereinbart. Auch die Cyberverteidigung gehört zu den Schwerpunkten.

Im Oktober 2025 konkretisierten die Verteidigungsministerien ihre Zusammenarbeit im digitalen Bereich. Vorgesehen wurde unter anderem eine sichere Cloud-Infrastruktur, über die militärische Informationen und operative Werkzeuge ausgetauscht werden können.

Beteiligt sind auf britischer Seite das Cyber and Specialist Operations Command und auf deutscher Seite der Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr.

Die neue Initiative ergänzt diese militärische Kooperation um eine breiter angelegte Zusammenarbeit gegen hybride Bedrohungen. Damit soll der Schutz nicht nur innerhalb der Streitkräfte, sondern auch gegenüber Gefahren für staatliche Einrichtungen und die zivile Infrastruktur verbessert werden.

Auch Desinformation und digitale Einflussnahme im Blick

Hybride Bedrohungen beschränken sich nicht auf klassische Hackerangriffe. Sie können digitale und physische Maßnahmen miteinander verbinden und darauf abzielen, staatliche Abläufe, Unternehmen oder demokratische Prozesse zu beeinträchtigen.

Großbritannien arbeitet deshalb auch an zusätzlichen Instrumenten gegen ausländische Informationsoperationen. Nach Angaben der britischen Regierung soll ein nationales Zentrum zur Abwehr feindlicher Informationsaktivitäten aufgebaut werden. Es soll unter anderem gezielte Desinformation und manipulierte digitale Inhalte erkennen und entsprechende Aktivitäten untersuchen.

Diese britische Maßnahme ist von der neu angekündigten bilateralen Partnerschaft zu unterscheiden. Eine gemeinsame deutsch-britische Einrichtung zur Bekämpfung von Desinformation wurde am Donnerstag zunächst nicht angekündigt.

Die Zusammenarbeit beider Staaten erhält dennoch zusätzliche Bedeutung, weil digitale Angriffe und Manipulationsversuche häufig grenzüberschreitend stattfinden. Nationale Sicherheitsmaßnahmen allein können deshalb nicht sämtliche Gefahren erfassen.

Bedeutung für die europäische Sicherheit und die NATO

Deutschland und Großbritannien gehören zu den wichtigsten europäischen Partnern innerhalb der NATO. Beide Staaten sind eng in die Verteidigungsstrukturen des Bündnisses eingebunden und unterstützen die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg.

Der Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit soll die bestehenden europäischen und transatlantischen Sicherheitsstrukturen ergänzen. Der Kensington-Vertrag verweist ausdrücklich auf die Aufgaben der NATO, der Europäischen Union und der G7 bei der Abwehr hybrider Bedrohungen.

Dabei spielt auch der Brexit eine Rolle. Großbritannien gehört seit 2020 nicht mehr zur Europäischen Union, bleibt aber ein bedeutender europäischer Sicherheits- und Wirtschaftspartner.

Durch eigene Vereinbarungen können Deutschland und Großbritannien ihre bilaterale Zusammenarbeit unabhängig von einer britischen EU-Mitgliedschaft vertiefen. Die neue Cyberpartnerschaft ist somit auch Teil der Bemühungen, die Sicherheitsbeziehungen innerhalb Europas enger miteinander zu verknüpfen.

Beim Treffen in Berlin geht es auch um Wirtschaft und Ukraine

Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet Premierminister Andrew Burnham am Donnerstag um 12.30 Uhr im Bundeskanzleramt. Für den britischen Regierungschef ist es der erste persönliche Austausch mit Merz seit seinem Amtsantritt.

Neben der Sicherheitspartnerschaft stehen weitere internationale und wirtschaftspolitische Fragen auf der Tagesordnung. Dazu zählen die Unterstützung der Ukraine, die Lage im Nahen Osten sowie die Folgen gestörter internationaler Handelswege.

Geplant ist außerdem ein gemeinsames Wirtschaftsforum mit deutschen und britischen Unternehmen. Dabei sollen Investitionen, industrielle Zusammenarbeit und regionale Wirtschaftsentwicklung besprochen werden.

Die engere Cyberabwehr ist damit Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der Beziehungen zwischen London und Berlin. Während die Regierungen ihre politischen Ziele bereits beschrieben haben, müssen weitere Einzelheiten der praktischen Zusammenarbeit noch konkretisiert werden. Besonders offen sind bislang die organisatorische Umsetzung und der Umfang gemeinsamer operativer Maßnahmen.

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