Boehringer Familie zieht an Lidl Gründer Dieter Schwarz vorbei

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Dieter Schwarz ist in der neuen Rangliste der reichsten Deutschen nicht mehr die Nummer eins. Der Gründer des Handelskonzerns hinter Lidl und Kaufland belegt 2026 den zweiten Platz. An der Spitze steht nun die Gesellschafterfamilie des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Dabei ist Schwarz nach den Schätzungen des Rankings keineswegs ärmer geworden. Sein Vermögen wird sogar deutlich höher angesetzt als im Vorjahr. Die Veränderung an der Spitze hat einen anderen entscheidenden Grund.

Boehringer Ingelheim Familie erstmals auf Platz eins

Die Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim kommt in der neuen Liste des „manager magazins“ auf ein geschätztes Vermögen von 66,7 Milliarden Euro. Damit führt sie die Rangliste der 500 größten deutschen Privatvermögen an. Dieter Schwarz folgt mit geschätzten 53,7 Milliarden Euro auf Rang zwei. Den dritten Platz nimmt die Familie hinter dem Darmstädter Pharma und Chemiekonzern Merck mit 50,7 Milliarden Euro ein.

Die neue Nummer eins ist dabei keine plötzlich entstandene Unternehmerdynastie. Boehringer Ingelheim bezeichnet sich selbst als familiengeführtes Unternehmen. Neu ist vielmehr die Berücksichtigung der Gesellschafterfamilie in der Rangliste. Nach Angaben des Herausgebers war die Familie über viele Jahre aufgrund einer Vereinbarung aus der Anfangszeit der Liste nicht aufgeführt worden. 2026 wird ihr Vermögen nun erstmals in dieser Form einbezogen.

Damit verändert sich auch die Aussage hinter dem Ranking erheblich. Die reichste Deutsche 2026 beziehungsweise die größten deutschen Privatvermögen lassen sich nicht allein über die Entwicklung einzelner Unternehmen erklären. Veränderungen der Erfassungsmethode und neu berücksichtigte Vermögen können die Reihenfolge ebenfalls verschieben.

Vermögen von Dieter Schwarz steigt deutlich

Der zweite Platz bedeutet für Dieter Schwarz keinen Rückgang seines geschätzten Vermögens. Im Ranking für 2025 hatte das „manager magazin“ ihn mit 46,5 Milliarden Euro noch auf Platz eins geführt. In der neuen Liste wird sein Vermögen auf 53,7 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht einem rechnerischen Anstieg um 7,2 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres.

Andere Vermögenslisten kommen allerdings zu abweichenden Zahlen. Das US Wirtschaftsmagazin Forbes führte Schwarz im September 2026 beispielsweise mit einem Echtzeitvermögen von rund 61,1 Milliarden US Dollar. Solche Unterschiede sind bei Milliardärsrankings üblich, weil Anbieter Unternehmen, Beteiligungen und andere Vermögenswerte unterschiedlich bewerten und verschiedene Stichtage verwenden.

Die genannten Milliardenbeträge sind deshalb nicht mit einem veröffentlichten Kontostand gleichzusetzen. Beim Ranking des „manager magazins“ handelt es sich um Schätzungen. Zur Bewertung werden unter anderem Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Aktien und weitere Vermögensgegenstände herangezogen. Nicht börsennotierte Firmen werden anhand verschiedener wirtschaftlicher Kennzahlen bewertet.

Lidl und Kaufland bleiben Kern des Schwarz Konzerns

Das Vermögen von Dieter Schwarz ist eng mit der von ihm aufgebauten Schwarz Gruppe verbunden. Zu dem Konzern gehören insbesondere die Lebensmittelketten Lidl und Kaufland. Hinzu kommen inzwischen weitere Geschäftsfelder wie die Entsorgungs und Recyclinggesellschaft PreZero, Produktionsunternehmen sowie das Digitalgeschäft Schwarz Digits.

Die Dimension des Konzerns ist auch an seinen Geschäftszahlen erkennbar. Im Geschäftsjahr 2025 erzielten die Unternehmen der Schwarz Gruppe nach eigenen Angaben einen Gesamtumsatz von 185,6 Milliarden Euro. Das waren 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Lidl kam mit seinen Filialen auf 140,2 Milliarden Euro Umsatz, Kaufland auf 36,7 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte die Gruppe rund 604.000 Menschen und betrieb mit Lidl und Kaufland etwa 14.500 Filialen.

Damit gehört die Schwarz Gruppe weiterhin zu den größten Handelsunternehmen Europas. Der Wechsel an der Spitze des Vermögensrankings sagt deshalb nichts über eine Verschlechterung des operativen Geschäfts von Lidl oder Kaufland aus. Die jüngsten veröffentlichten Geschäftszahlen weisen vielmehr ein Umsatzwachstum aus.

Pharmafamilien rücken im Ranking weit nach vorn

Auffällig ist in der neuen Rangliste die starke Position von Vermögen aus der Pharmaindustrie. Neben der Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim auf Platz eins steht die Familie Merck mit geschätzten 50,7 Milliarden Euro auf Rang drei. Im Vorjahr hatte das Ranking das Merck Vermögen noch auf 24,5 Milliarden Euro geschätzt.

Auf Rang vier folgen Susanne Klatten und Stefan Quandt mit gemeinsam geschätzten 33,3 Milliarden Euro. Dahinter stehen die Familien Albrecht und Heister von Aldi Süd mit 29,8 Milliarden Euro. Andreas von Bechtolsheim erreicht mit 27,7 Milliarden Euro Platz sechs. Weitere bekannte deutsche Unternehmerfamilien in den Top Ten sind die Familien Reimann, Henkel, Albrecht sowie Hasso Plattner und seine Familie.

Insgesamt beziffert das Magazin das bereinigte Gesamtvermögen der 100 reichsten Deutschen auf knapp 784 Milliarden Euro. Gegenüber der vorherigen Erhebung entspricht das einem Plus von 3,4 Prozent. Auch dieser Wert beruht auf den Bewertungsmethoden der Rangliste und ist keine amtliche Vermögensstatistik.

Der bemerkenswerteste Wechsel an der Spitze ist deshalb weniger ein Absturz von Dieter Schwarz als eine Erweiterung des bisher erfassten Kreises. Der Lidl Gründer verfügt nach der neuen Schätzung über mehr Vermögen als ein Jahr zuvor. Trotzdem reicht es 2026 nicht mehr für Rang eins, weil die erstmals berücksichtigte Boehringer Ingelheim Familie deutlich darüber liegt.

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