Donau auf Rekordtief: Cernavodă bleibt abgeschaltet

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Rumänien versucht, Kühlwasser für Cernavodă zu sichern

Das extreme Niedrigwasser der Donau setzt Energieversorgung und Schifffahrt in Südosteuropa zunehmend unter Druck. Besonders deutlich sind die Folgen in Rumänien. Das Atomkraftwerk Cernavodă ist vollständig abgeschaltet, nachdem der Wasserstand des Flusses so weit gesunken war, dass die Versorgung der Anlage mit ausreichend Kühlwasser nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Anzeige

Das Kraftwerk verfügt über zwei Reaktorblöcke mit jeweils rund 700 Megawatt Leistung. Zusammen decken sie unter normalen Bedingungen etwa ein Fünftel der rumänischen Stromproduktion. Ein Reaktor war bereits Ende Juli vom Netz genommen worden. Am 13. August folgte auch der verbliebene Block in einem kontrollierten Verfahren. Seitdem produziert Rumänien vorübergehend keinen Atomstrom.

Die Regierung versucht nun, die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Betriebs zu schaffen. Das Nationale Komitee für Notfallsituationen beschloss am Samstag, 22. August, zusätzliche technische Maßnahmen am Fluss. Dazu gehören Notbaggerungen im Bereich des Kraftwerks. Außerdem soll im alten Donauarm eine Buhne beziehungsweise Leitstruktur errichtet werden, die mehr Wasser in Richtung der Kühlwasserentnahme lenkt.

Zusätzlich soll der staatliche Wasserkraftbetreiber Hidroelectrica fünf Tage lang Wasser aus Speichern am Fluss Olt abgeben. Dadurch soll der Zufluss zur Donau erhöht werden. Zugleich kann das freigesetzte Wasser zur zusätzlichen Stromerzeugung genutzt werden. Leistungsstarke Pumpen sollen ebenfalls bereitstehen, falls sie benötigt werden, um den notwendigen Wasserstand an der Anlage zu stabilisieren.

Anzeige

Wann Cernavodă wieder Strom produzieren kann, hing zunächst von der weiteren Entwicklung des Flusspegels und der Wirkung dieser Maßnahmen ab.

Stromsystem muss Ausfall von rund 1.400 Megawatt ersetzen

Mit dem vollständigen Ausfall von Cernavodă fehlt dem rumänischen Stromsystem eine große Erzeugungskapazität. Beide Reaktoren kommen zusammen auf etwas mehr als 1.400 Megawatt. Die Regierung hatte deshalb für August einen Notstand im Energiesektor ausgerufen.

Nach Angaben des rumänischen Energieministeriums konnte die Versorgung nach der Abschaltung des zweiten Reaktors dennoch zunächst stabil gehalten werden. Als Ersatz stehen unter anderem Windenergie, Wasserkraft, Kohlekraftwerke und Stromimporte zur Verfügung. Auch eine Reserveeinheit des Kraftwerks Rovinari wurde in die Planungen einbezogen.

Der Ausfall verschärft jedoch eine ohnehin angespannte Situation auf dem südosteuropäischen Strommarkt. Hitze und Trockenheit belasten nicht nur Kernkraftwerke, sondern auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft. Damit fallen mehrere normalerweise wichtige Energiequellen gleichzeitig schwächer aus.

Auch für die Republik Moldau ist die Entwicklung relevant. Das Land ist eng mit dem rumänischen und europäischen Strommarkt verbunden. Der moldauische Energieversorger Energocom erklärte nach der Abschaltung von Cernavodă, dass die eigenen Lieferungen nicht unmittelbar betroffen seien, da aktuell kein aktiver Liefervertrag mit dem rumänischen Kraftwerksbetreiber Nuclearelectrica bestehe. Ein geringeres Stromangebot in der Region könne aber das verfügbare Handelsvolumen reduzieren und die Preise erhöhen.

Bulgarien und Ungarn kämpfen ebenfalls mit niedrigen Pegeln

Die Schwierigkeiten beschränken sich nicht auf Rumänien. Auch andere Staaten entlang der Donau müssen ihre Energieinfrastruktur an die außergewöhnlichen Wasserstände anpassen.

Das bulgarische Atomkraftwerk Kosloduj kündigte an, die Leistung von Block 5 um rund 120 Megawatt zu reduzieren. Das entspricht etwa zwölf Prozent der Kapazität dieses Reaktors. Nach Angaben des Betreibers war eine solche Drosselung wegen der hydrologischen Bedingungen in der 52-jährigen Betriebsgeschichte des Kraftwerks bislang nicht notwendig gewesen. Kosloduj deckt ungefähr 35 Prozent des bulgarischen Strombedarfs.

Noch stärker war zwischenzeitlich das ungarische Atomkraftwerk Paks betroffen. Das Kraftwerk, das einen erheblichen Anteil der ungarischen Elektrizität erzeugt, war zeitweise auf etwa ein Viertel seiner Kapazität reduziert worden. Ungarn ließ zwei Lastkähne versenken, um den Wasserstand in der Nähe des Kraftwerks anzuheben. Zusätzlich wird eine quer zum Flussbett verlaufende Konstruktion gebaut, die den Wasserfluss beeinflussen soll.

Die Eingriffe erhöhten den Wasserstand bei Paks nach Angaben der ungarischen Regierung bereits um etwa zehn bis 15 Zentimeter. Dadurch konnte eine vollständige Abschaltung zunächst vermieden werden.

Donau-Niedrigwasser erschwert die Schifffahrt

Neben der Energieversorgung trifft die Trockenheit auch den Güterverkehr. Große Teile der Donau weisen außergewöhnlich niedrige Wasserstände auf. Schiffe können deshalb vielerorts nur noch mit reduziertem Tiefgang verkehren und entsprechend weniger Fracht transportieren.

Im bulgarischen Abschnitt galten zuletzt weiterhin Tiefgangsbeschränkungen entlang des gesamten überwachten Flussabschnitts. Bei Ruse wurden Mitte August Wasserstände von mehr als einem Meter unter dem dortigen Referenznullpunkt gemessen. In einzelnen Bereichen waren zuvor Schiffe auf Sandbänken oder außerhalb der Fahrrinne festgekommen.

Auch weiter flussaufwärts ist die Lage schwierig. In Österreich meldeten die Behörden Anfang August, dass in frei fließenden Abschnitten teilweise rund 60 Zentimeter weniger Wasser als beim langfristigen Niedrigwasserwert zur Verfügung stand. Der Güterverkehr war dort erheblich eingeschränkt.

Niedrige Pegel verteuern den Transport, weil Schiffe weniger Ladung aufnehmen können oder Transporte auf Straße und Schiene verlagert werden müssen. Gleichzeitig erschweren die Bedingungen den Betrieb von Häfen und erhöhen den Aufwand, Fahrrinnen freizuhalten.

Niedrige Donau legt Konstantinsbrücke in Bulgarien frei

Das zurückweichende Wasser bringt zugleich Überreste zum Vorschein, die normalerweise unter der Donau verborgen liegen. In Bulgarien wurden bei Gigen Teile der Fundamente der antiken Konstantinsbrücke sichtbar.

Die Brücke wurde unter dem römischen Kaiser Konstantin I. errichtet und im Jahr 328 nach Christus eröffnet. Sie verband die antike Stadt Ulpia Oescus auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien mit Sucidava im heutigen Rumänien. Die Konstruktion war mehr als zwei Kilometer lang und gehörte zu den großen Brückenbauwerken der römischen Antike.

Archäologen des Regionalhistorischen Museums in Plewen nutzten die ungewöhnlichen Bedingungen, um die freigelegten Fundamente mit Drohnen und Luftaufnahmen zu dokumentieren. Dadurch können Verlauf, Konstruktion und Erhaltungszustand von Teilen der Brücke untersucht werden, die bei normalen Wasserständen nicht zugänglich sind.

Der Fund zeigt eine völlig andere Folge der Trockenheit als die Probleme bei Energieversorgung und Schifffahrt. Derselbe extrem niedrige Flusspegel, der Kraftwerke zum Herunterfahren zwingt und Frachtschiffe behindert, legt zugleich historische Strukturen frei, die seit Jahrhunderten überwiegend vom Wasser bedeckt sind.

Auswirkungen reichen entlang der gesamten Donau

Die Situation an der Donau macht deutlich, wie eng Wasserwirtschaft, Energieerzeugung und Verkehr in Mittel- und Südosteuropa miteinander verbunden sind. Rumänien versucht derzeit mit technischen Eingriffen, zusätzlichen Wasserabgaben und Pumpen den Betrieb seines wichtigsten Kernkraftwerks wieder zu ermöglichen. Ungarn greift ebenfalls direkt in den Wasserlauf ein, während Bulgarien die Leistung eines Reaktors reduziert hat.

Eine schnelle Normalisierung hängt vor allem davon ab, ob sich die hydrologische Lage verbessert. Solange die Pegel außergewöhnlich niedrig bleiben, müssen Kraftwerksbetreiber, Schifffahrt und Behörden mit Einschränkungen rechnen. Für Cernavodă war zunächst kein belastbarer Termin genannt, an dem beide Reaktoren wieder regulär Strom liefern können.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu