
Ein russischer Angriff mit einer Drohne hat am Sonntag einen Passagierzug auf dem Weg nach Odessa getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn Ukrsalisnyzja schlug das Fluggerät in der Region Odessa in die Lokomotive des Zuges Nummer 147 ein, der von Schytomyr in die südukrainische Hafenstadt unterwegs war. An Bord befanden sich 593 Passagiere, darunter 15 Kinder. Verletzte gab es nach Angaben der Bahn nicht.
Der Drohnenangriff auf Passagierzug nach Odessa ereignete sich während einer neuen Welle russischer Luftangriffe auf verschiedene Teile der Ukraine. Entscheidend für den glimpflichen Ausgang war nach Darstellung der Bahn, dass ihre Überwachungsteams die Gefahr rechtzeitig erkannt hatten. Der Zug wurde daraufhin außerplanmäßig auf freier Strecke gestoppt und die Evakuierung von Passagieren und Personal eingeleitet.
Der Vorstandsvorsitzende der ukrainischen Bahn, Oleksandr Perzowskyj, erklärte, Passagiere sowie Zug- und Lokpersonal seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Erst danach habe die Drohne die Lokomotive getroffen.
Damit unterscheidet sich der Vorfall von Darstellungen, wonach Menschen bei dem Angriff verletzt worden seien. Nach den zunächst veröffentlichten Angaben der Bahn wurde weder unter den 593 Reisenden noch unter den Beschäftigten eine verletzte Person gemeldet.
Auch ein Brand im Zug wurde in den offiziellen Angaben zu diesem Angriff zunächst nicht bestätigt. Bilder oder Angaben zu möglichen Brandschäden an der getroffenen Lokomotive änderten daran zunächst nichts. Gesichert war, dass die Lok getroffen und der Zug anschließend nicht regulär bis Odessa weiterfahren konnte.
Die Regionalverwaltung von Odessa und der ukrainische Katastrophenschutz beteiligten sich nach Angaben der Bahn an den Maßnahmen nach dem Angriff. Für die Reisenden wurde eine Weiterbeförderung nach Odessa organisiert.
Der Angriff auf den Zug war Teil einer größeren russischen Drohnenwelle in der Nacht zum Sonntag. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden insgesamt 127 unbemannte Fluggeräte verschiedener Typen gegen die Ukraine eingesetzt. Darunter seien auch Angriffsdrohnen vom Typ Shahed sowie schnellere, strahlgetriebene Varianten gewesen.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, 97 Drohnen seien abgeschossen oder durch elektronische Gegenmaßnahmen außer Gefecht gesetzt worden. Treffer von 27 Angriffsdrohnen seien an 22 Orten registriert worden. An drei weiteren Stellen seien Trümmer abgefangener Fluggeräte niedergegangen. Diese militärischen Angaben lassen sich während des laufenden Krieges nicht in allen Einzelheiten unabhängig überprüfen.
Auch in anderen Regionen wurden Schäden und Verletzte gemeldet. Die Angriffe richteten sich nach ukrainischen Behördenangaben unter anderem gegen Gebiete im Osten, Süden und Norden des Landes. Bereits in den Tagen zuvor hatte Russland größere kombinierte Angriffe mit Drohnen und Raketen geflogen.
Der Treffer bei Odessa reiht sich in eine Serie von Angriffen auf das ukrainische Eisenbahnnetz ein. Erst in der Nacht zum 22. August waren nach ukrainischen Angaben Bahnanlagen in Kiew und der Region Odessa getroffen worden. Bei einem Angriff auf einen Eisenbahnbetrieb in Kiew kam ein Bahnmitarbeiter ums Leben.
Besonders schwer war ein weiterer Angriff in der Region Odessa am 13. August. Damals traf eine russische Drohne ebenfalls die Lokomotive eines Passagierzuges. Nach Angaben der ukrainischen Bahn starben der Lokführer und sein Assistent. 340 Passagiere, darunter 67 Kinder, konnten evakuiert werden.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte damals zu Angriffen auf Eisenbahnanlagen in der Region, Einrichtungen getroffen zu haben, die für ukrainische Streitkräfte genutzt worden seien. Zu dem konkreten Treffer auf den Passagierzug vom 23. August lag zunächst keine vergleichbare russische Stellungnahme vor.
Die ukrainische Eisenbahn spielt seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 eine zentrale Rolle für den Personenverkehr und die Versorgung des Landes. Da der zivile Flugverkehr weitgehend eingestellt ist, verbindet das Bahnnetz die großen ukrainischen Städte und ermöglicht zugleich internationale Verbindungen in Richtung der EU-Staaten.
Die zunehmenden Angriffe auf Lokomotiven, Bahnhöfe und andere Teile der Verkehrsinfrastruktur erschweren den Betrieb zusätzlich. Für die Bahn bedeutet dies, Züge bei konkreten Warnungen kurzfristig anzuhalten und Passagiere gegebenenfalls aus den Waggons zu bringen.
Beim Zug Schytomyr–Odessa verhinderte dieses Vorgehen nach Angaben von Ukrsalisnyzja am Sonntag Personenschäden. Das Ausmaß der Schäden an der Lokomotive und mögliche Folgen für den weiteren Bahnverkehr in der Region waren zunächst nicht abschließend bekannt.
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