Neue Cochrane-Daten: Vapes helfen häufiger beim Aufhören

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Nikotinhaltige E-Zigaretten können Menschen offenbar häufiger dabei helfen, dauerhaft mit dem Tabakrauchen aufzuhören als klassische Nikotinersatzprodukte wie Pflaster oder Kaugummis. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Mittwoch vorgestelltes Update eines großen Cochrane-Reviews. Die Auswertung stärkt damit die wissenschaftliche Evidenz für E-Zigaretten beim Rauchstopp. Sie liefert allerdings keinen Beleg dafür, dass Vapes grundsätzlich wirksamer sind als sämtliche Medikamente zur Tabakentwöhnung. Zudem bleiben Fragen zu langfristigen gesundheitlichen Folgen und zur dauerhaften Nikotinabhängigkeit offen.

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Cochrane wertet fast 30.000 Teilnehmer aus

Der sogenannte Living Systematic Review wird regelmäßig aktualisiert und fasst die verfügbare Forschung zur Nutzung von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung zusammen. In die aktuelle Auswertung gingen 80 abgeschlossene randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 29.861 erwachsenen Teilnehmern aus 13 Ländern ein. Besonders viele Untersuchungen stammen aus den USA, Großbritannien und Australien.

Als erfolgreicher Rauchstopp galt dabei, wenn Teilnehmer für mindestens sechs Monate keine herkömmlichen Tabakzigaretten mehr rauchten. Ob weiterhin E-Zigaretten genutzt wurden, spielte für diese Definition keine Rolle. Die Rauchfreiheit wurde je nach Studie durch Befragungen und, soweit verfügbar, zusätzlich mit biochemischen Verfahren überprüft.

Der aussagekräftigste direkte Vergleich betrifft nikotinhaltige E-Zigaretten und klassische Nikotinersatztherapien. Dafür standen elf Studien mit 4.114 Teilnehmern zur Verfügung. Nach sechs bis zwölf Monaten waren im Durchschnitt etwa zehn von 100 Menschen aus der E-Zigaretten-Gruppe rauchfrei. Bei Nikotinpflastern, Kaugummis oder anderen Nikotinersatzprodukten waren es rund sechs von 100.

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Das entspricht einer relativen Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit um rund 60 Prozent. Die Cochrane-Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz als hoch. Die Zahlen zeigen zugleich die Grenzen des Effekts: Auch mit einer nikotinhaltigen E-Zigarette gelang dem weitaus größten Teil der Teilnehmer innerhalb des untersuchten Zeitraums kein dauerhafter Rauchstopp.

Nicht automatisch besser als Rauchstopp-Medikamente

Die aktuelle Untersuchung erlaubt keine pauschale Rangliste, nach der E-Zigaretten die wirksamste aller verfügbaren Methoden wären. Für einen belastbaren direkten Vergleich mit einzelnen Arzneimitteln wie Vareniclin oder Cytisin standen deutlich weniger Daten zur Verfügung als für den Vergleich mit klassischen Nikotinersatzprodukten.

Eine umfangreiche Cochrane-Netzwerkanalyse aus dem Jahr 2023, die mehr als 300 klinische Studien mit über 150.000 Teilnehmern zusammenführte, kam zu einem differenzierteren Ergebnis. Dort gehörten nikotinhaltige E-Zigaretten, Vareniclin und Cytisin gemeinsam zu den Verfahren mit den höchsten Erfolgsraten. Eine Kombination verschiedener Nikotinersatzprodukte, beispielsweise Pflaster zusammen mit Kaugummi oder Lutschtabletten, schnitt ebenfalls vergleichsweise gut ab.

Damit lässt sich aus der neuen Auswertung belastbar ableiten, dass nikotinhaltige E-Zigaretten klassischen Nikotinersatzprodukten im direkten Vergleich überlegen sind. Die weitergehende Aussage, sie seien grundsätzlich wirksamer als medikamentöse Verfahren, wäre durch die aktuelle Datenlage jedoch nicht gedeckt.

Auch gegenüber nikotinfreien Vapes zeigt sich ein Vorteil

Sieben Studien mit 1.918 Teilnehmern verglichen nikotinhaltige mit nikotinfreien E-Zigaretten. Hier zeigte sich ebenfalls ein Vorteil für die Geräte mit Nikotin. Von 100 Personen erreichten ungefähr zwei zusätzliche Teilnehmer einen Rauchstopp von mindestens sechs Monaten. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als moderat eingestuft.

Ein weiterer Vergleich betraf E-Zigaretten gegenüber alleiniger verhaltenstherapeutischer Unterstützung oder keiner speziellen Unterstützung. Dabei waren mittelfristig etwa neun von 100 Teilnehmern in den E-Zigaretten-Gruppen rauchfrei, verglichen mit rund fünf von 100 in den Kontrollgruppen. Diese Evidenz wird allerdings nur als niedrig eingestuft. Unter anderem unterschieden sich Umfang und Intensität der begleitenden Beratung zwischen den Studien.

Gesundheitliche Risiken bleiben bestehen

Aus einer besseren Wirkung beim Rauchstopp folgt nicht, dass E-Zigaretten gesundheitlich unbedenklich sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht davon aus, dass der Dampf bei bestimmungsgemäßer Verwendung deutlich geringere Mengen krebserzeugender und anderer gesundheitsschädlicher Stoffe enthält als Tabakrauch. Gleichzeitig können auch E-Zigaretten Substanzen freisetzen, die Lunge und Herz-Kreislauf-System belasten.

Beim Erhitzen von Liquids können beispielsweise Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein entstehen. Hinzu kommen gesundheitlich noch nicht ausreichend untersuchte Aroma- und Kühlstoffe. Nikotin selbst besitzt ein hohes Abhängigkeitspotenzial und wirkt unter anderem auf Herz und Kreislauf. Besonders unvollständig ist die Datenlage zu einer regelmäßigen Nutzung über viele Jahre.

Auch der Cochrane-Review kann diese Lücke nicht schließen. Bei unerwünschten Ereignissen wie Husten, Herzklopfen oder Schwindel zeigte sich gegenüber Nikotinersatzprodukten kein eindeutiger Unterschied. Die Aussagekraft hierzu war jedoch geringer als bei den Ergebnissen zur Rauchentwöhnung. Für seltene schwere Nebenwirkungen und sehr langfristige gesundheitliche Folgen reichen die bisherigen Studien nicht aus.

Dualer Konsum ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor

Von Bedeutung ist zudem, ob Raucher vollständig auf Tabakzigaretten verzichten oder E-Zigaretten lediglich zusätzlich verwenden. Der neue Review fand Hinweise darauf, dass ein paralleler Konsum beider Produkte während eines Rauchstoppversuchs zunächst häufiger auftreten kann als bei einer Nikotinersatztherapie. Für verlässliche Aussagen zur langfristigen Entwicklung ist die Datenbasis allerdings noch zu klein.

Gerade gesundheitlich unterscheidet sich der vollständige Wechsel vom dauerhaften Mischkonsum. Der Wegfall der Tabakverbrennung reduziert die Belastung mit zahlreichen Schadstoffen. Werden dagegen weiterhin Zigaretten geraucht, bleiben wesentliche Risiken des Tabakkonsums bestehen.

Deutschland bleibt bei E-Zigaretten zurückhaltend

Die deutsche medizinische Bewertung ist bislang vorsichtiger als beispielsweise in Großbritannien. Die bis Ende 2025 gültige S3-Leitlinie zu Rauchen und Tabakabhängigkeit erkannte bereits Hinweise auf ein Entwöhnungspotenzial von E-Zigaretten an, sprach wegen der Unsicherheit über Langzeitrisiken aber keine entsprechende Empfehlung als bevorzugtes Verfahren aus. Eine aktualisierte Fassung der Leitlinie befindet sich in Arbeit.

Das staatliche Informationsangebot rauchfrei-info bewertete E-Zigaretten zuletzt ebenfalls zurückhaltend und verwies neben fehlenden Langzeitdaten auf das Risiko eines dauerhaften parallelen Konsums. Gleichzeitig hat sich die Evidenz zur Wirksamkeit beim Rauchstopp in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Der neue Cochrane-Review liefert dafür zusätzliche Daten.

In Deutschland sind bei schwerer Tabakabhängigkeit inzwischen außerdem Arzneimittel mit Nikotin oder Vareniclin unter bestimmten Voraussetzungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Voraussetzung ist unter anderem die Teilnahme an einem evidenzbasierten Tabakentwöhnungsprogramm. Diese Regelung gilt seit August 2025.

Studienlage wird klarer, Langzeitfolgen bleiben offen

Die neue Auswertung verschiebt damit vor allem die Bewertung der Wirksamkeit. Für den direkten Vergleich mit herkömmlicher Nikotinersatztherapie gibt es inzwischen robuste Evidenz dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten mehr Menschen zu einer mindestens sechsmonatigen Tabakabstinenz verhelfen.

Deutlich weniger geklärt ist dagegen, welche gesundheitlichen Folgen ein jahrelanger E-Zigaretten-Konsum hat, wie häufig ehemalige Raucher dauerhaft nikotinabhängig bleiben und wie sich langfristiger dualer Konsum entwickelt. Die Studien unterscheiden deshalb zwei Fragen, die in der Debatte häufig miteinander vermischt werden: ob E-Zigaretten beim Ausstieg aus dem Tabakrauchen helfen und wie gesundheitlich riskant ihr eigener langfristiger Gebrauch ist. Für die erste Frage ist die Datenlage inzwischen vergleichsweise belastbar. Bei der zweiten bestehen weiterhin erhebliche Wissenslücken.

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