Zwei Millionen Jahre alte DNA: 3sat zeigt eine verlorene Welt Grönlands

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Zwei Millionen Jahre alte Erbgutspuren, ein heute nahezu lebensfeindlicher Teil Grönlands und die Rekonstruktion eines längst verschwundenen Ökosystems stehen am Donnerstagabend im Mittelpunkt bei 3sat. Der Sender zeigt Vor der Eiszeit – Jagd nach dem ältesten Erbgut der Welt am 1. Oktober 2026 um 20:15 Uhr. Die Dokumentation begleitet die Forschung rund um den dänischen Evolutionsgenetiker Eske Willerslev und zeichnet nach, wie Umwelt-DNA aus uralten Sedimenten neue Einblicke in die Vergangenheit der Arktis ermöglicht.

Die Sendung läuft bis 21:00 Uhr. Sie ist keine Premiere. Ihre deutsche TV-Erstausstrahlung erfolgte am 2. November 2025 im ZDF. Dort erreichte die Dokumentation 3,009 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei 12,4 Prozent. Die heute bei 3sat ausgestrahlte Fassung gehört zum Angebot von NANO Doku.

Umwelt-DNA macht ein verschwundenes Ökosystem sichtbar

Im Mittelpunkt steht eine Methode, die nicht auf Knochen oder vollständig erhaltene Fossilien angewiesen ist. Tiere, Pflanzen und andere Organismen hinterlassen genetisches Material in ihrer Umwelt. Unter günstigen Bedingungen können kleine DNA-Fragmente über extrem lange Zeiträume in Sedimenten erhalten bleiben.

Genau solche Spuren untersuchte ein internationales Forschungsteam in der Kap-København-Formation im Norden Grönlands. Die Ergebnisse erschienen 2022 im Fachjournal Nature. Die Forschenden analysierten Sedimente, deren Alter auf ungefähr zwei Millionen Jahre eingegrenzt wurde. Damit ließ sich ein Ökosystem rekonstruieren, das mit der heutigen Polarwüste kaum vergleichbar ist.

Die Analysen lieferten Hinweise auf eine offene boreale Waldlandschaft. Nachgewiesen wurden unter anderem genetische Spuren von Pappeln, Birken und Thuja sowie von zahlreichen Sträuchern und Kräutern. Bei den Tieren fanden die Forschenden Hinweise auf Hasen, Rentiere, Nagetiere, Gänse und Mastodons. Auch DNA von Meeresorganismen wie Pfeilschwanzkrebsen und Grünalgen gehörte zu den Ergebnissen.

Besonders bemerkenswert ist die Zusammensetzung des Lebensraums. Nach Angaben der Forschenden besitzt dieses rekonstruierte Ökosystem kein direktes heutiges Gegenstück. Arten, die heute mit unterschiedlichen Klimazonen verbunden werden, kamen demnach damals gemeinsam im hohen Norden vor.

Grönland war deutlich wärmer als heute

Die Fundstelle liegt in Peary Land im äußersten Norden Grönlands. Heute herrscht dort eine arktische Polarwüste. Vor rund zwei Millionen Jahren waren die Bedingungen deutlich milder. Die Fachpublikation verweist auf frühere Rekonstruktionen, nach denen die Temperaturen dort mehr als zehn Grad über dem heutigen Niveau lagen. In der Nature-Ausgabe zur Studie wird für die Region eine Erwärmung von etwa 11 bis 17 Grad gegenüber heute beschrieben.

Die Dokumentation verbindet diese Forschung mit der Frage, was vergangene Warmzeiten über mögliche künftige Veränderungen verraten können. Dabei ist der Vergleich nicht gleichbedeutend mit einer direkten Vorhersage. Die damalige Erde unterschied sich in vielen Punkten von der Gegenwart. Die Forschenden sehen in solchen Ökosystemen jedoch eine Möglichkeit, Anpassungen von Pflanzen und Tieren an langfristig wärmere Bedingungen besser zu verstehen.

Der Durchbruch kam erst mit besseren Analysemethoden

Die Proben aus der Kap-København-Formation wurden teilweise bereits 2006 gesammelt. Damals gelang es zunächst nicht, das extrem stark zerfallene Erbgut ausreichend auszulesen. Erst Fortschritte bei Extraktion und Sequenzierung machten es möglich, sehr kurze DNA-Fragmente aus den Sedimenten zu identifizieren.

Ein möglicher Grund für die außergewöhnlich lange Erhaltung liegt in der Bindung des Erbguts an Mineraloberflächen. Nach Einschätzung der Autoren könnte diese Verbindung den chemischen und enzymatischen Abbau verlangsamt haben. Für die Studie wurden insgesamt 41 sedimentreiche Proben von fünf Fundstellen untersucht und daraus zahlreiche Sequenzbibliotheken erstellt.

Der wissenschaftliche Befund erweiterte damit die Möglichkeiten der Paläogenetik erheblich. Zuvor stammte besonders alte sequenzierte DNA unter anderem aus mehr als eine Million Jahre alten Mammutzähnen. Die Umwelt-DNA aus Grönland verschob die zeitliche Grenze für genetische Rekonstruktionen noch weiter zurück.

Dokumentation wurde international ausgezeichnet

Der Film stammt von Autor und Regisseur Niobe Thompson. Die internationale Originalproduktion trägt den Titel Hunt for the Oldest DNA und entstand bei Handful of Films und HHMI Tangled Bank Studios in Zusammenarbeit mit NOVA/GBH. An der Produktion waren zudem ZDF und der dänische Rundfunk DR beteiligt.

Die Dokumentation gewann 2025 den News & Documentary Emmy in der Kategorie Outstanding Science and Technology Documentary. Als Produzenten wurden unter anderem Ally Barry, Richard Stone und Sandra Tober ausgezeichnet, Niobe Thompson war als Autor, Regisseur und Executive Producer beteiligt.

Neben Eske Willerslev kommen im internationalen Film mehrere Forschende zu Wort. Dazu zählen unter anderem Mikkel Winther Pedersen, Beth Shapiro, Natalia Rybczynski und die Paläoklimatologin Maureen Raymo.

Vor der Eiszeit bleibt mehrere Jahre im Stream

Die deutsche Fassung wurde für Terra X aufbereitet. Das ZDF nennt Jens Monath für die deutsche Fassung und Redaktion. Die TV-Erstausstrahlung erfolgte am 2. November 2025. Für die heutige 3sat-Ausstrahlung ist ein 45-minütiges Programmfenster vorgesehen, während die Mediatheksfassung je nach Plattform mit rund 42 bis 44 Minuten angegeben wird.

Bei 3sat steht die Dokumentation seit dem 1. Oktober 2026 online bereit. Der Pressedienst nennt als vorgesehenen Streamingzeitraum den 1. Oktober 2026 bis zum 1. Januar 2031. Die 3sat-Mediathek weist derzeit eine Verfügbarkeit bis zum 1. Oktober 2031 aus. Damit bleibt Vor der Eiszeit – Jagd nach dem ältesten Erbgut der Welt auch nach der Fernsehausstrahlung langfristig abrufbar.

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