
Der Düsseldorfer Versicherungskonzern ERGO gibt seine Vertriebsorganisation ERGO Pro an die Artemis Gruppe ab. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die ERGO Beratung und Vertrieb AG und die Käuferseite am 11. Oktober 2026. Nach dem geplanten Eigentümerwechsel soll ERGO Pro unter dem Namen ONE Financial Services AG auftreten. Der Abschluss der Transaktion ist für Januar 2027 vorgesehen und hängt noch von üblichen Vollzugsbedingungen ab.
Damit verliert ERGO zwar die direkte unternehmerische Kontrolle über einen großen Vertriebskanal, beendet aber nicht die Zusammenarbeit mit dessen Vermittlern. Der Versicherer hat mit der künftigen ONE Financial Services AG zugleich eine strategische Vertriebskooperation vereinbart.
Die Artemis Gruppe soll Mehrheitsaktionärin der neuen Gesellschaft werden. Daneben werden das bisherige Management und führende Vertriebspartner von ERGO Pro beteiligt. Die neue Gesellschaft wird nach den Plänen der Beteiligten eigenständig geführt und in die bestehende Artemis Plattform integriert. Dort arbeiten unterschiedliche Unternehmen aus dem Versicherungsvertrieb zusammen, darunter Makler, Mehrfachvermittler, Maklerpools und spezialisierte Anbieter, sogenannte Assekuradeure.
Hinter der Artemis Gruppe steht der britische Finanzinvestor Oakley Capital. Zur Plattform gehört unter anderem der Maklerpool WIFO. Wie viel Artemis für die Übernahme zahlt, ist nicht bekannt. Beide Seiten haben über den Kaufpreis und weitere Vertragsdetails Stillschweigen vereinbart.
Der Schritt betrifft einen großen Teil des bisherigen Vertriebsnetzes von ERGO. Nach Angaben auf der eigenen ERGO Pro Website gehören der Organisation in Deutschland mehr als 4.000 selbstständige Geschäftspartner an. Sie sind insbesondere in der Neukundengewinnung tätig. Der Eigentümerwechsel betrifft damit nicht automatisch 4.000 klassische Angestelltenarbeitsplätze.
Für diese Vermittler entsteht eine neue organisatorische Anbindung. Die bisherige Vertriebsführung soll in die neue Gesellschaft einbezogen werden, ebenso führende Partner. Ob sich Vergütungsmodelle, einzelne Vermittlerverträge oder interne Abläufe ändern, wurde bislang nicht im Detail erläutert. Zu möglichen Folgen für angestellte Beschäftigte, Standorte und Personalbestände gibt es noch keine konkreten öffentlichen Angaben.
Wesentlich ist die Fortsetzung der Produktpartnerschaft. Im Geschäft mit Lebensversicherungen wird ERGO exklusiver Produktpartner der ONE Financial Services AG. Auch Versicherungen aus weiteren ERGO Sparten sollen über die neue Organisation angeboten werden können. Daneben kann das Unternehmen auf Produkte aus dem bestehenden Artemis Netzwerk zurückgreifen.
Für Versicherungskunden bedeutet die Abgabe des Vertriebs daher nicht, dass ERGO als Anbieter aus dem bisherigen Geschäft verschwindet. Die Vereinbarung betrifft die Vertriebsorganisation. Eine Übertragung bestehender Versicherungsverträge auf Artemis oder ONE Financial Services wurde nicht angekündigt. Ob sich bei einzelnen Verträgen Ansprechpartner oder Abläufe der Beratung ändern, ist bislang nicht näher beschrieben.
Burkhard Keese, Geschäftsführer und Mitgründer der Artemis Gruppe, verbindet mit der Übernahme Wachstumspläne. Er rechnet damit, dass ONE Financial Services mit mehr als 30.000 Neukunden pro Jahr zum Geschäft der Gruppe beitragen wird. Die Zahl beschreibt eine Erwartung der Käuferseite und keine Garantie für die künftige Entwicklung.
Für Artemis vergrößert die Transaktion die Reichweite ihrer Vertriebsplattform. ERGO wiederum bleibt über die Produktvereinbarung an das bisherige Netzwerk angebunden und kann seine eigene Vertriebsorganisation getrennt davon weiterentwickeln.
ERGO will den eigenen Vertrieb stärker bündeln und gleichzeitig mit externen Partnern zusammenarbeiten. Der Vorstandsvorsitzende von ERGO Deutschland, Oliver Willmes, verbindet die Vereinbarung mit dem Ziel, interne Beratungs- und Verkaufsstrukturen zu vereinfachen und den Vertrieb im deutschen Heimatmarkt auszubauen.
Der Konzern gehört zum Rückversicherer Munich Re, der mit seiner Strategie Ambition 2030 stärkeres profitables Wachstum und mehr Effizienz anstrebt. Für das deutsche ERGO Geschäft sieht die Konzernplanung bis 2030 einen Versicherungsumsatz von 17 bis 19 Milliarden Euro vor. Der Verkauf von ERGO Pro ordnet sich in diese langfristige Neuausrichtung ein.
Bis zum vorgesehenen Abschluss im Januar 2027 bleibt die Übernahme eine vereinbarte, aber noch nicht vollzogene Transaktion. Erst mit dem Abschluss kann die geplante Eigentümerstruktur verbindlich umgesetzt werden.
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