Erzeugerpreise in Deutschland steigen so stark wie seit 2023 nicht mehr

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Preise deutscher Hersteller sind im September 2026 deutlich gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag, 20. Oktober, mitteilte, lagen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte um 6,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Einen stärkeren Anstieg hatte es zuletzt im März 2023 gegeben. Gegenüber August 2026 verteuerten sich die Produkte um 1,9 Prozent. Vor allem die höheren Energiepreise sorgen für zusätzlichen Kostendruck auf Unternehmen und könnten sich längerfristig auch auf die Verbraucherpreise auswirken.

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Energiepreise treiben Erzeugerpreise nach oben

Der aktuelle Anstieg fällt deutlich stärker aus als noch im August. Damals hatten die Erzeugerpreise um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt. Im September beschleunigte sich der Preisauftrieb damit erneut. Besonders stark verteuerte sich Energie, deren Erzeugerpreise um 14,9 Prozent gegenüber September 2025 stiegen. Im Vergleich zum August 2026 erreichte der Anstieg 5,8 Prozent.

Eine wesentliche Rolle spielen die Folgen der Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten auf den Energiemärkten. Mineralölerzeugnisse waren im September 51,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Für leichtes Heizöl verzeichnete das Statistische Bundesamt sogar einen Anstieg um 91,8 Prozent, während sich Kraftstoffe auf der Erzeugerebene um 48,6 Prozent verteuerten. Auch Erdgas und Strom kosteten deutlich mehr als im Vorjahr. Bei Erdgas lag das Plus bei 15,0 Prozent, bei Strom bei 8,2 Prozent.

Die Entwicklung beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf Energie. Ohne diese Produktgruppe lagen die Erzeugerpreise um 3,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber August stiegen sie ohne Energie dagegen nur um 0,1 Prozent. Der starke monatliche Preissprung geht somit hauptsächlich auf die Energieentwicklung zurück.

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Auch Metalle und chemische Grundstoffe werden teurer

Neben Energie verteuerten sich zahlreiche Materialien, die Unternehmen für ihre Produktion benötigen. Die Preise für sogenannte Vorleistungsgüter stiegen im September gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Metallen mit 14,0 Prozent aus. Kupfer und daraus hergestellte Halbzeuge verteuerten sich sogar um 31,4 Prozent.

Auch chemische Grundstoffe kosteten 11,3 Prozent mehr als im September 2025. Düngemittel verteuerten sich um 8,9 Prozent. Damit sind nicht nur energieintensive Produktionsbereiche von steigenden Kosten betroffen. Höhere Materialpreise können auch Unternehmen treffen, die Metalle, Chemikalien oder andere Vorprodukte weiterverarbeiten.

Bei Investitionsgütern, zu denen beispielsweise Maschinen gehören, erreichte der Preisanstieg 2,4 Prozent. Gebrauchsgüter verteuerten sich um 2,2 Prozent. Eine gegenläufige Entwicklung gab es bei Verbrauchsgütern: Deren Erzeugerpreise lagen insgesamt 1,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nahrungsmittel waren auf dieser Produktionsstufe durchschnittlich 4,1 Prozent günstiger. Besonders deutlich sanken die Preise für Butter und Schweinefleisch.

Höhere Produktionskosten könnten Verbraucherpreise beeinflussen

Steigende Erzeugerpreise können ein frühes Signal für die weitere Inflationsentwicklung sein. Wenn Unternehmen mehr für Energie, Rohstoffe und andere Vorprodukte bezahlen müssen, können sie versuchen, diese zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Allerdings gelingt das nicht in jedem Fall. Wettbewerb, bestehende Lieferverträge und die Nachfrage beeinflussen, wie stark sich höhere Produktionskosten tatsächlich auf die Endpreise auswirken.

Die Verbraucherpreise in Deutschland waren bereits im September deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate bei 3,3 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 2023. Im August hatte die Rate noch bei 2,9 Prozent gelegen. Besonders stark verteuerten sich Kraftstoffe mit 37,1 Prozent und leichtes Heizöl mit 74,9 Prozent gegenüber September 2025. Die Nahrungsmittelpreise stiegen dagegen lediglich um 0,4 Prozent.

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind allerdings nicht mit den Verbraucherpreisen gleichzusetzen. Während die Erzeugerpreise die Preisentwicklung von in Deutschland produzierten und im Inland verkauften gewerblichen Gütern erfassen, berücksichtigen die Verbraucherpreise auch Dienstleistungen und importierte Waren. Zudem werden steigende Kosten häufig erst zeitversetzt weitergegeben. Aus dem aktuellen Anstieg lässt sich deshalb keine konkrete Inflationsrate für die kommenden Monate berechnen.

Bedeutung für Börse und Geldpolitik

Die Entwicklung der Erzeugerpreise ist auch für die Finanzmärkte relevant. Steigende Energie- und Materialkosten können die Gewinne von Unternehmen belasten, wenn sich höhere Ausgaben nicht vollständig durch Verkaufspreise ausgleichen lassen. Besonders energieintensive Industriezweige stehen dabei unter Druck. Unternehmen, die von höheren Rohstoffpreisen profitieren, können dagegen andere wirtschaftliche Auswirkungen erleben.

Für Anleger spielt außerdem die mögliche Reaktion der Europäischen Zentralbank eine Rolle. Die EZB verfolgt das Ziel, die Inflation im Euroraum mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren. Anhaltend hohe Preissteigerungen können die Möglichkeiten für eine Lockerung der Geldpolitik einschränken. Höhere Zinsen verteuern zugleich die Finanzierung von Investitionen und können damit Auswirkungen auf Unternehmensbewertungen haben.

Eine unmittelbare Reaktion des deutschen Aktienmarktes auf die am Dienstag veröffentlichten Erzeugerpreise lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Neben den Inflationsdaten beeinflussen unter anderem Unternehmensgewinne, internationale Börsenentwicklungen und geopolitische Ereignisse die Kurse. Die neuen Zahlen verdeutlichen vor allem, dass die deutsche Industrie weiterhin mit erheblichem Kostendruck konfrontiert ist.

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