Corona-Aufbaufonds: Warum Deutschlands Rechnung noch offen ist

Erbschaftsteuer vor dem Umbruch? Was sich für Erben ändern könnte
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

Teilen:

Deutschland dürfte über Jahrzehnte einen erheblichen Teil der gemeinsamen EU-Schulden aus dem Corona-Aufbauprogramm NextGenerationEU finanzieren. Eine aktuell genannte Größenordnung von rund 150 Milliarden Euro zeigt, wie groß die langfristige Belastung ausfallen könnte. Sie ist allerdings keine bereits feststehende Zahl. Wie hoch der deutsche Beitrag bis 2058 tatsächlich sein wird, hängt unter anderem von Zinsen, künftigen EU-Haushalten und neuen Einnahmequellen der Europäischen Union ab.

Anzeige

Fest steht der grundsätzliche Mechanismus: Die EU nahm für das nach der Corona-Krise beschlossene Aufbauprogramm erstmals in großem Umfang gemeinsam Schulden am Kapitalmarkt auf. NextGenerationEU hatte ursprünglich ein Volumen von 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018. In laufenden Preisen entspricht das einem möglichen Gesamtumfang von rund 807 Milliarden Euro.

EU nahm die Mittel selbst am Kapitalmarkt auf

Die Europäische Kommission beschafft das Geld im Namen der Europäischen Union über Anleihen. Ein großer Teil davon fließt über die Aufbau- und Resilienzfazilität an die Mitgliedstaaten. Dabei muss zwischen Darlehen und Zuschüssen unterschieden werden.

Darlehen müssen grundsätzlich von den Staaten zurückgezahlt werden, die sie aufgenommen haben. Anders funktioniert der Zuschussteil. Die hierfür aufgenommenen Schulden werden aus künftigen EU-Haushalten bedient. Damit beteiligen sich die Mitgliedstaaten entsprechend der Finanzierung des europäischen Haushalts mittelbar an den Kosten.

Anzeige

Die Rückzahlung der für Zuschüsse aufgenommenen EU-Schulden soll 2028 beginnen und spätestens 2058 abgeschlossen sein. Schon jetzt trägt der EU-Haushalt Zinskosten. Mit Beginn der eigentlichen Tilgung kommt ab 2028 die Rückzahlung des Kapitals hinzu.

Rund 150 Milliarden Euro sind keine feststehende Rechnung

Die derzeit genannte Größenordnung von rund 150 Milliarden Euro für Deutschland ist deshalb als langfristige Schätzung zu verstehen. Ein aktueller Bericht nennt bis zu 154 Milliarden Euro als möglichen deutschen Anteil an den Tilgungs- und Finanzierungskosten bis 2058.

Eine offiziell festgesetzte deutsche Gesamtrechnung in dieser Höhe gibt es jedoch nicht. Bereits die Bundesregierung hatte gegenüber dem Bundestag darauf hingewiesen, dass Deutschlands Anteil an der Finanzierung nach 2027 von mehreren Faktoren abhängt. Dazu gehören die künftige Wirtschaftsleistung der Mitgliedstaaten, die Ausgestaltung der nächsten EU-Haushalte und zusätzliche europäische Einnahmequellen.

Auch die Zinskosten lassen sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten nicht exakt im Voraus bestimmen. Berechnungen auf europäischer Ebene gehen von erheblichen zusätzlichen Finanzierungskosten aus. Eine Analyse des Europäischen Parlaments bezifferte mögliche Zinskosten für den Zuschussteil von NextGenerationEU bis 2058 auf rund 222 Milliarden Euro. Solche Werte beruhen auf Annahmen über Zinsentwicklung und Rückzahlungsprofil und sind keine endgültigen Abrechnungsbeträge.

Ab 2028 wird die Rückzahlung zum festen Haushaltsposten

Konkreter sind die Planungen für den nächsten mehrjährigen EU-Haushalt von 2028 bis 2034. Die Europäische Kommission hat vorgesehen, in diesem Zeitraum jährlich einen weitgehend festen Betrag für Zinsen und Tilgung der NextGenerationEU-Schulden einzuplanen.

Für die Jahre 2028 bis 2034 wurden auf europäischer Ebene Größenordnungen von etwa 24 Milliarden Euro pro Jahr diskutiert. Im Vorschlag für den nächsten EU-Finanzrahmen sind insgesamt knapp 150 Milliarden Euro für die Rückzahlung von NextGenerationEU innerhalb dieser sieben Jahre berücksichtigt.

Damit wird die Corona-Finanzierung zu einem langfristigen Ausgabenposten des EU-Haushalts. Die Verpflichtungen enden nicht mit dem Auslaufen der geförderten Projekte. Während die Investitionsphase weitgehend bis Ende 2026 abgeschlossen wird, reicht die Finanzierung der dafür aufgenommenen Schulden noch mehr als drei Jahrzehnte weiter.

Neue EU-Einnahmen sollen nationale Beiträge begrenzen

Die Kommission will einen Teil der Rückzahlung über zusätzliche sogenannte Eigenmittel der Europäischen Union finanzieren. Dazu gehören beziehungsweise gehörten verschiedene Vorschläge für Einnahmen aus dem europäischen Emissionshandel, dem CO2-Grenzausgleich CBAM sowie weiteren europäischen Abgaben.

Für den EU-Haushalt ab 2028 hat die Kommission zusätzliche Einnahmequellen vorgeschlagen. Vorgesehen sind unter anderem höhere Einnahmen aus dem Emissionshandel und dem CO2-Grenzausgleich sowie neue Modelle auf Grundlage von Elektroschrott und Tabaksteuern.

Wie stark diese Einnahmen die Beiträge der Mitgliedstaaten tatsächlich reduzieren werden, steht noch nicht endgültig fest. Entscheidungen über die Eigenmittel der EU erfordern die Zustimmung der Mitgliedstaaten und teilweise nationale Ratifizierungen.

Bleiben neue Einnahmen hinter den Erwartungen zurück, muss die Finanzierung stärker über die bisherigen Quellen des EU-Haushalts erfolgen. Dazu gehören insbesondere Beiträge der Mitgliedstaaten, die sich an ihrer Wirtschaftsleistung orientieren.

Deutschland finanziert mit und erhält selbst Milliarden

Bei den Kosten der EU-Corona-Hilfen muss zugleich berücksichtigt werden, dass Deutschland selbst erhebliche Zuschüsse aus dem Programm erhält. Für den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan stehen insgesamt 30,3 Milliarden Euro aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität zur Verfügung.

Bis Anfang Mai 2026 waren davon nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bereits 24,3 Milliarden Euro ausgezahlt. Die Mittel fließen unter anderem in Digitalisierung, Bildung, klimafreundliche Technologien, Infrastruktur und Forschung.

Deutschland gehört zugleich zu den größten Beitragszahlern des regulären EU-Haushalts. Im Finanzrahmen 2021 bis 2027 liegt der deutsche Finanzierungsanteil nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bei rund 22,6 Prozent. Dieser Wert lässt sich aber nicht unverändert bis 2058 fortschreiben.

Deutschlands tatsächlicher Anteil entscheidet sich erst später

Wie hoch die langfristigen Kosten für Deutschland tatsächlich ausfallen, lässt sich deshalb heute nur in Szenarien berechnen. Die Größenordnung von rund 150 Milliarden Euro ist plausibel als Schätzung auf Basis eines hohen deutschen Anteils an Tilgung und Zinskosten. Sie ist jedoch weder ein bereits beschlossener Zahlungsplan noch eine abschließend feststehende Belastung des Bundeshaushalts.

Sicher ist dagegen, dass die gemeinsamen EU-Schulden aus der Corona-Zeit die europäischen Haushalte noch jahrzehntelang beschäftigen werden. Ab 2028 beginnt die reguläre Tilgung. Spätestens 2058 sollen die Verpflichtungen aus NextGenerationEU vollständig zurückgeführt sein.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu