
Der Augenoptikkonzern Fielmann hat seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr zurückgenommen. Ausschlaggebend ist vor allem die verhaltene Konsumnachfrage in Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens. Gleichzeitig entwickelt sich das internationale Geschäft deutlich dynamischer. Für 2026 rechnet der Konzern nun mit weniger Umsatz und einem niedrigeren bereinigten operativen Ergebnis als bislang. Die am Donnerstagabend veröffentlichte Prognoseanpassung sorgte bereits im nachbörslichen Handel für Kursverluste.
Die Fielmann Umsatzprognose 2026 liegt nun bei 2,50 bis 2,55 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Vorstand mit 2,55 bis 2,60 Milliarden Euro gerechnet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht die neue Spanne einem Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent. Bislang waren fünf bis sieben Prozent vorgesehen.
Auch beim Ergebnis wird Fielmann vorsichtiger. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz EBITDA, soll 2026 zwischen 560 und 580 Millionen Euro erreichen. Die bisherige Prognose lag bei 590 bis 610 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge wird nun auf 22 bis 23 Prozent veranschlagt. Zuvor hatte das Unternehmen rund 23 Prozent erwartet.
Beim bereinigten Ergebnis vor Steuern rechnet Fielmann mit einer Marge von rund zwölf Prozent. Die vorherige Zielspanne hatte zwölf bis 13 Prozent betragen.
Die Prognoseanpassung hängt vor allem mit dem deutschen Geschäft zusammen. Deutschland erwirtschaftet nach Angaben des Unternehmens weiterhin rund 60 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Damit haben Veränderungen bei der Konsumnachfrage hierzulande erhebliche Auswirkungen auf die Ergebnisse der gesamten Gruppe.
Bereits im Juli hatte Fielmann bei der Vorlage vorläufiger Halbjahreszahlen auf ein verhaltenes Wachstum in Deutschland hingewiesen und erklärt, bei Umsatz und EBITDA eher das untere Ende der damaligen Jahresprognose zu erwarten.
Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen zu diesem Bild. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums blieb die Binnennachfrage zuletzt schwach. Das reale Einzelhandelsgeschäft ging von Mai auf Juni zurück. Auch verschiedene Indikatoren zur Verbraucherstimmung bewegten sich im August weiter auf niedrigem Niveau. Kaufkraftverluste, eine hohe Sparneigung und geopolitische Unsicherheiten belasten größere Anschaffungen.
Während das Deutschlandgeschäft nur moderat zulegte, gewann das internationale Geschäft im Verlauf des ersten Halbjahres an Tempo. In den internationalen Märkten stiegen die Umsätze im zweiten Quartal nach Angaben von Fielmann um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal hatte das Wachstum lediglich ein Prozent betragen.
Besonders kräftig entwickelte sich das Geschäft in Spanien und Polen. Währungsbereinigt legten die Umsätze dort im zweiten Quartal um zehn beziehungsweise sieben Prozent zu.
Insgesamt erzielte Fielmann im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen einen Konzernumsatz von rund 1,25 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 1,23 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von etwa zwei Prozent. Das bereinigte EBITDA erreichte rund 296 Millionen Euro nach 292 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 24 Prozent.
Die endgültigen Zahlen für das erste Halbjahr will das Unternehmen am 27. August veröffentlichen.
Trotz der reduzierten Jahresziele erwartet der Vorstand in der zweiten Jahreshälfte eine höhere Wachstumsdynamik. Dazu sollen neue Niederlassungen, zusätzliche Mitarbeiter und Produktivitätssteigerungen beitragen.
Fielmann hatte in den ersten sechs Monaten des Jahres 37 weitere Standorte eröffnet und damit die Zahl der Niederlassungen weltweit auf 1.299 erhöht. Der Schwerpunkt lag dabei auf internationalen Märkten wie Polen, Spanien, Luxemburg und den USA. Für das zweite Halbjahr waren zuletzt weitere 33 Neueröffnungen vorgesehen. Damit würde der Konzern 2026 insgesamt 70 zusätzliche Standorte eröffnen, deutlich mehr als die 22 neuen Standorte im vergangenen Jahr.
Parallel investiert Fielmann in technische Unterstützung der Augenoptiker. In Deutschland setzte das Unternehmen im Juli bereits in 166 Niederlassungen Systeme zur KI unterstützten Sehstärkenbestimmung ein. Bis zum Jahresende sollen europaweit insgesamt 300 Standorte mit der Technik ausgestattet werden.
An der Börse kam die niedrigere Prognose zunächst nicht gut an. Nach der Veröffentlichung am Donnerstagabend verlor die Fielmann Aktie im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate zeitweise knapp fünf Prozent.
Die Reaktion im regulären Xetra-Handel am Freitag war am frühen Morgen noch nicht ablesbar, da die Mitteilung erst nach Ende des regulären Börsenhandels veröffentlicht worden war. Für Anleger stehen nun insbesondere die ausführlichen Halbjahreszahlen am 27. August und die weitere Entwicklung des deutschen Geschäfts im Mittelpunkt.
Die Prognosesenkung fällt auf eine Branche, die sich in Deutschland zuletzt zwar stabil, aber nur noch wenig dynamisch entwickelt hat. Nach Zahlen des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen stieg der Branchenumsatz 2025 um lediglich 0,6 Prozent und damit schwächer als die allgemeinen Verbraucherpreise. Gleichzeitig sank der Absatz kompletter Brillen um zwei Prozent auf knapp zwölf Millionen Stück. Der Gesamtumsatz der deutschen Augenoptik lag bei mehr als sieben Milliarden Euro.
Fielmann besitzt in diesem vergleichsweise schwach wachsenden Markt eine außergewöhnlich starke Position. 2025 verkaufte die Gruppe in Deutschland rund 6,7 Millionen Brillen. Nach eigenen Berechnungen erreichte das Unternehmen damit einen Absatzmarktanteil von 57 Prozent, nach 56 Prozent im Vorjahr.
Gleichzeitig schreitet die Konzentration im deutschen Optikermarkt voran. Der Branchenverband zählte für 2025 noch rund 10.700 augenoptische Betriebsstätten. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen kamen zusammen bereits auf etwa 55 Prozent des Branchenumsatzes.
Für Fielmann zeigt die neue Prognose deshalb zwei unterschiedliche Entwicklungen. Das Unternehmen profitiert langfristig von seiner starken Marktposition, einem wachsenden internationalen Filialnetz und der steigenden Nachfrage nach Sehhilfen und augenmedizinischen Dienstleistungen. Kurzfristig bleibt der Konzern jedoch stark davon abhängig, wie schnell sich die Konsumnachfrage in Deutschland stabilisiert.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu