
Bei zwei Angriffen auf den internationalen Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad sind drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden. Unter den Todesopfern befindet sich ein Pilot der staatlichen Fluggesellschaft Saudia. Die Angriffe ereigneten sich am Donnerstag, 8. Oktober 2026, und trafen sowohl Flughafenanlagen als auch ein Passagierflugzeug am Boden. Die Huthi-Miliz aus dem Jemen reklamierte die Attacken für sich. Zahlreiche internationale Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach Riad ausgesetzt. Die Lufthansa Group streicht Flüge bis einschließlich 16. Oktober. Auch das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise verschärft.
Die saudische Zivilluftfahrtbehörde GACA bestätigte am Freitag zwei Angriffe auf den Flughafen King Khalid. Der erste richtete sich gegen Einrichtungen des Flughafens, der zweite traf ein Flugzeug der nationalen Fluggesellschaft Saudia. Drei saudische Staatsbürger kamen ums Leben. Weitere Menschen unterschiedlicher Nationalitäten wurden verletzt. Nach Angaben der Behörde reichten die Verletzungen von leicht bis schwer.
Rettungskräfte und zuständige Behörden reagierten unmittelbar auf die Angriffe. Die Verletzten wurden zur medizinischen Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Neben den Todesfällen und Verletzungen entstanden Sachschäden an Flughafenanlagen und weiteren Einrichtungen.
Die Fluggesellschaft Saudia bestätigte, dass sich unter den Getöteten ein Pilot des Unternehmens befand. Ein Flugzeug der Airline wurde beschädigt, während es am Boden stand. Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt nicht an Bord. Saudia aktivierte nach eigenen Angaben ihre Notfallverfahren und koordinierte die Maßnahmen mit den zuständigen Behörden.
Der Flughafen King Khalid ist einer der wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkte Saudi-Arabiens. Nach den Angriffen kam es zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs. Saudia erklärte, den regulären Betrieb in Riad am Donnerstag um 18 Uhr Ortszeit wieder aufgenommen zu haben. Auch die saudische Luftfahrtbehörde bestätigte später die Wiederaufnahme des Flughafenbetriebs.
Für internationale Reisende bedeutete dies allerdings keine vollständige Normalisierung. Nach Daten des Flugverfolgungsdienstes FlightAware waren am Freitagnachmittag mindestens 124 Flüge von und nach Riad gestrichen. Bereits am Donnerstag waren Hunderte Verbindungen ausgefallen.
Die Behörden setzten unterdessen die Untersuchung der Sachschäden und die Überprüfung der Sicherheit der Flughafenanlagen fort.
Die Lufthansa Group reagierte auf die Sicherheitslage mit einer mehrtägigen Unterbrechung ihrer Verbindungen in die saudische Hauptstadt. Die Fluggesellschaften des Konzerns setzen ihre Riad-Flüge bis einschließlich Freitag, 16. Oktober, aus. Als Grund nannte das Unternehmen die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten.
Weitere internationale Airlines trafen ähnliche Entscheidungen. Die indische Fluggesellschaft IndiGo setzte ihre Verbindungen zunächst bis zum 9. Oktober aus. Air India und Akasa Air strichen Riad-Flüge bis zum 10. Oktober. Eine Air-India-Maschine, die am Donnerstag von Neu-Delhi nach Riad unterwegs war, kehrte nach Indien zurück.
Auch Flydubai, Pakistan International Airlines und weitere Gesellschaften unterbrachen Verbindungen. Flydubai verlängerte Flugausfälle nach Riad, Yanbu und Abha bis zum 11. Oktober. Die unterschiedlichen Fristen zeigen, dass Fluggesellschaften ihre Einsatzpläne individuell an die Sicherheitslage anpassen.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA aktualisierte am Freitag, 9. Oktober, ihre Sicherheitsempfehlungen für den saudischen Luftraum. Die überarbeitete Warnung trägt die Kennzeichnung CZIB-2026-09-R1 und ist zunächst bis zum 16. November gültig.
Die Behörde verweist auf die zunehmende Reichweite von Raketen- und Drohnenangriffen. Neben dem Süden und Südwesten Saudi-Arabiens seien inzwischen auch weiter entfernte Gebiete betroffen, darunter Riad, Tabuk, Medina und Yanbu. Besonders problematisch seien Angriffe auf Einrichtungen der Luftfahrt.
Als Gefahren nennt die EASA unter anderem herabfallende Trümmerteile, Raketenüberflüge und die Aktivierung militärischer Luftabwehrsysteme. Für bestimmte Bereiche des saudischen Luftraums empfiehlt sie, sämtliche Flughöhen zu meiden. In anderen Bereichen sollen Fluggesellschaften besondere Vorsicht walten lassen und aktuelle Risikobewertungen vornehmen. Eine vollständige Sperrung des saudischen Luftraums ist damit nicht verbunden.
Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise angesichts der Angriffe deutlich verschärft. In der am 10. Oktober veröffentlichten Fassung wird von Reisen in alle Regionen Saudi-Arabiens abgeraten. Für das unmittelbare Grenzgebiet zum Jemen besteht weiterhin eine Reisewarnung.
Besonders hervorgehoben wird die Situation am internationalen Flughafen Riad, der innerhalb weniger Tage wiederholt angegriffen wurde. Das Ministerium weist darauf hin, dass internationale Flugverbindungen auch kurzfristig gestrichen werden können und erhebliche Verspätungen möglich sind.
Reisende sollen deshalb vor der Fahrt zum Flughafen den aktuellen Flugstatus sowie die Sicherheitslage überprüfen. Bei Fragen zu bestehenden Buchungen empfiehlt das Auswärtige Amt, unmittelbar die Fluggesellschaft oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren.
Für Personen, die sich bereits in Saudi-Arabien aufhalten, gelten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen. Sie sollen behördliche Warnungen beachten, militärische Einrichtungen und kritische Infrastruktur meiden sowie ihre Kontaktdaten in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts hinterlegen. Für Aufenthalte am Flughafen empfiehlt das Ministerium, sich möglichst kurz dort aufzuhalten und Abstand zu Fenstern zu halten.
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz erklärte, den Flughafen in Riad mit einer ballistischen Rakete angegriffen zu haben. Die saudische Zivilluftfahrtbehörde benannte in ihrer offiziellen Mitteilung über die Todesfälle keinen Verantwortlichen.
Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition meldete am Donnerstag die Abwehr von zwei ballistischen Raketen in Richtung Riad sowie einer weiteren Rakete in Richtung Chamis Muschait nahe der jemenitischen Grenze. Nach Angaben des saudischen Zivilschutzes verursachten Trümmer einer abgefangenen Rakete Sachschäden an einem Gebäudekomplex mit Kindergarten und medizinischer Einrichtung.
Am Freitag erklärte die Militärkoalition außerdem, drei Raketenabschussanlagen der Huthi zerstört zu haben. Eine unabhängige Bestätigung für den Umfang dieser militärischen Schäden lag zunächst nicht vor.
Die Angriffe lösten auch internationale Reaktionen aus. Kuwait und Pakistan verurteilten die Attacken auf den Flughafen Riad. Das kuwaitische Außenministerium betonte die enge Verbindung zwischen der Sicherheit Saudi-Arabiens und der Sicherheit der übrigen Golfstaaten.
Pakistan verwies auf seine militärische Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums erklärte, pakistanische Soldaten im Königreich sollten dessen Territorium und Souveränität verteidigen. Ein offensiver Einsatz dieser Kräfte gegen die Huthi im Jemen sei nicht vorgesehen.
Unterdessen berichteten Bewohner der jemenitischen Hauptstadt Sanaa von schweren Explosionen. Das von den Huthi kontrollierte Gesundheitsministerium erklärte, bei Luftangriffen seien sechs Menschen verletzt worden, darunter ein Kind. Saudi-arabische Behörden bestätigten diese Angaben zu den Angriffen auf Sanaa zunächst nicht.
Die jüngsten Angriffe stehen im Zusammenhang mit der erneuten Eskalation des Bürgerkriegs im Jemen. Saudi-Arabien unterstützt seit 2015 die international anerkannte jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi, die unter anderem die Hauptstadt Sanaa kontrollieren.
Zuletzt hatten Huthi-Kräfte Gebietsgewinne entlang der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab erzielt. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist für die internationale Handelsschifffahrt von großer Bedeutung. Regierungstruppen begannen mit saudischer Unterstützung eine neue Offensive zur Rückeroberung dieser Gebiete.
Der Konflikt hat damit Auswirkungen weit über den Jemen hinaus. Neben dem internationalen Schiffsverkehr geraten zunehmend zivile Flughäfen und Flugverbindungen in Saudi-Arabien unter Druck. Für die internationale Luftfahrt bedeuten die jüngsten Angriffe zusätzliche Einschränkungen in einer Region, deren Luftraum bereits durch mehrere militärische Konflikte belastet ist.
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